

27. Aug. 2025. Während an der Mittelahr Brückenbauwerke, Tunnelausbauten und Gleisaufbau trotz aller Erschwernisse in beeindruckendem Tempo erfolgten oder auch noch in Arbeit sind, läuft der Bahnbetrieb bereits seit Ende 2021 – also noch im Jahr der Flutkatastrophe – wieder zwischen Remagen und Walporzheim. Allerdings nicht durchgehend zweigleisig, denn auch im Bereich von Lohrsdorf, Heimersheim und Heppingen hatte die Ahr erhebliche Schäden angerichtet: Kanalisiert zwischen Weinberg, Straße und Bahnlinie auf der nördlichen Seite und der vierspurigen B 266 zum Süden hin staute sich das Hochwasser derart auf, dass die Wucht der Flutwelle Gleise und die äußerste Fahrspur des Autobahnzubringers erheblich zerstörte – von den schlimmen Überschwemmungen der umliegenden Ortsteile ganz abgesehen. Erst vor einigen Monaten konnte – zumindest provisorisch – die Zufahrt von der Ahrbrücke zwischen Lohrsdorf und Heimersheim in Richtung Westen wieder hergestellt werden, womit die alte B 266 (Landskroner Straße) vom Straßenverkehr entlastet worden ist. Sukzessive zur laufenden Elektrifizierung der Ahrtalbahn wurden in diesem Bereich bereits Baustellen umgesetzt, wie etwa in Lohrsdorf mit neuem Haltepunkt, der den ursprünglichen Stopp am ehemaligen Bahnhof Heimersheim endgültig ersetzt. Ebenso hat man den Bahnübergang in Heppingen erneuert, damit auch angepasst an die digitale Steuerung des Zugbetriebs, die mit der Elektrifizierung der Ahrtalbahn einhergeht.
Nunmehr ist der lange Gleisabschnitt von Heppingen bis zur Straßenbrücke Lohrsdorf/Heimersheim in Arbeit. Hier soll das Flussbett verbreitert werden. Dies geschieht zunächst schwerpunktmäßig am nördlichen Ufer, wie etwa in Höhe des früheren Bahnsteigs (am Heimersheimer Bahnhofsgebäude), wo die Gleise um sieben Meter in Richtung Straße versetzt werden konnten. Der Neubau des zweiten Gleises in Fahrtrichtung Remagen ist in Vorbereitung, es gilt, die Lücke von Heppingen bis an den neuen Bahnhaltepunkt Heimersheim-Lohrsdorf zu schließen. Zuvor wird bis kurz vor die Brücke eine bis zu 900 m lange, tief in den Boden gerammte Spundwand installiert, die gewährleisten soll, dass die künftig wieder zweispurige Bahntrasse gegen erneute Hochwassersituationen gewappnet ist. Über die Verbreiterung der Ahr hinaus soll bei der Neumodellierung des Flusslaufs in diesem Bereich aus einer bisherigen V-Form eine U-Form werden, womit noch mehr Wasser durchfließen kann.

Rückblick: Im Gedenken an die Flutkatastrophe von vor vier Jahren sind über die Sommermonate im Kurpark Bad Neuenahr einige Stehlen mit eindrucksvollen Bild- und Wortbeiträgen ausgestellt. Darunter auch Motive, die Hans-Jürgen Juchem, Ortsvorsteher von Lohrsdorf, am Tag nach der Flutnacht von den Weinbergen aus aufgenommen hat. Wie die beiden folgenden Fotos, die nicht nur das Ausmaß des Hochwassers zeigen, sondern auch, weshalb so umfangreich Vorsorge getroffen werden muß, damit sich die Fluten nicht wieder so extrem aufstauen. Wir bedanken uns ausdrücklich für die Bilddokumente, die wir hier veröffentlichen dürfen, die uns Hans-Jürgen Juchem aber auch mit weiteren Texten und Fotos für das künftige Ahrtalbahnmuseum (im Bahnhof Bad Bodendorf) zur Verfügung gestellt hat.


Zurück in die Gegenwart: Über den vielfach angeregten Verzicht auf die ohnehin hochwassergeschädigte vierte Fahrspur des Autobahnzubringers am südlichen Ufer, womit die Ahr erheblich mehr Raum in der Breite gewinnen würde, ist noch nicht entschieden worden. Arbeitskreise, Umweltschützer und die lokale Politik haben sich dafür eingesetzt. So hatte der Stadtrat Bad Neuenahr-Ahrweiler einen Rückbau der B 266 im Bereich der Engstelle um 50 Prozent beschlossen, was sich auf die Gesamtbreite der Fahrbahnen bezieht. Ob dann künftig nur noch zwei oder drei Fahrspuren bei geringeren Abständen vorhanden sein werden, ist dem Vernehmen nach offen. Eine Entscheidung des Landesbetriebs Mobilität (LBM) wird für den kommenden Herbst erwartet. Auch darüber, ob es möglich sein wird, einen neuen Radweg längs der B 266 zur Ahrseite hin zu installieren – wie er vor der Flut vorhanden war und gerne genutzt worden ist.

Im Zusammenspiel aller Maßnahmen rechnet man bei einem sogenannten Jahrhunderthochwasser mit einer Senkung des Wasserstands von bis zu 1,10 Meter. Flutwellen durch Wasserstau sollen neben der Entschärfung der Engstellen auch durch die verwendeten Brückenmodule mit großen Spannweiten vermieden werden. Alles Maßnahmen, die an der gesamten Ahr an verschiedenen Stellen umgesetzt oder in Betracht gezogen worden sind.

Nicht ganz so glücklich mit dem Umfang der Maßnahmen äußerst sich der Lohrsdorfer Ortsvorsteher Hans-Jürgen Juchem, der die erwähnte Spundwand gerne bis an die Brücke und darüber hinaus bis zum neuen Bahnhaltepunkt durchgezogen gesehen hätte. Damit wären die Gewerbebetriebe nördlich des Bahndamms in diesem tiefer gelegenen Bereich besser geschützt. Dort ist dem Vernehmen nach bisher nur ein Erdwall als Hochwasserschutz angedacht. Unsere Anfrage dazu bei der Kreisverwaltung Ahrweiler (Abt. Hochwasserresilienz und Aufbaukoordination) ergab, dass man an einer Lösung in Abstimmung mit allen zuständigen Stellen arbeitet. Angestrebt wird die Fortführung des durch die Spundwand geschaffenen Hochwasserschutzes in anderer Bauweise bis zum Bahnhaltepunkt in Lohrsdorf. Weitere Informationen dazu sind erst nach Abschluß der Planungen möglich.
Seitens der Bahn ist man da schon genauer: Ab dem Frühjahr 2026 rechnet man damit, dass vereinbarungsgemäß die 900 m langen Stützmauer durchgehend fertiggestellt ist. Erst dann kann nämlich die Lücke im zweiten Gleis in Fahrtrichtung Remagen geschlossen werden. Dies wirkt sich leider auch auf den Fahrplan bis hin zur Endstation aus: Bis zur Fertigstellung des zweiten Gleises im Bereich Heimersheim wird die neue Linie RB 32 – betrieben von der Mittelrheinbahn (MRB) – ab Freigabe der gesamten Strecke (13./14. Dezember 2025) vorerst nur bis Altenahr fahren, wo der Richtungswechsel auf zwei Gleisen erfolgt, womit auch ein entgegenkommender Zug kreuzen kann. Den MRB-Zügen würden nämlich, so nach eigener Auskunft, am eingleisigen Endhaltepunkt Ahrbrück nur 3 Minuten Zeit zum Ein- und Aussteigen samt Richtungswechsel bleiben – dies sei zu wenig. Dagegen passt es für die Regionalbahnen der Linie RB 30 vom Betreiber DB Regio besser: Ab Freigabe der Gesamtstrecke sind sie sofort stündlich durchgehend von Remagen bis Ahrbrück unterwegs. Sind alle Lücken im Gleisnetz geschlossen, wird auch der vorgesehene 20/40-Min-Takt mit beiden Linien funktionieren. JG



