Wiederaufbau Ahrtalbahn

Lücke im Oberleitungsnetz: Elektrobetrieb bei Ahrweiler derzeit nur auf Gleis 2

Auf dem falschen Gleis? Die elektrisch angetriebenen Mireo-Züge der Mittelrheinbahn (RB32) können derzeit noch zwischen Walporzheim und Ahrweiler ausschließlich Gleis 2 nutzen.

Januar 2026. Weil die Oberleitung im Gleis von Walporzheim nach Ahrweiler noch nicht genutzt werden kann, muss die elektrisch angetriebene Regionalbahn vom Typ Siemens Mireo Smart auf der Linie RB32 in diesem Abschnitt das Gegengleis befahren, wie auf unserem Foto auf Höhe des Haltepunktes Ahrweiler. Dagegen können die Dieseltriebwagen der RB30 auf dem Regelgleis fahren. Der mit dem elektronischen Stellwerk eingeführte Gleiswechselbetrieb macht dies technisch problemlos möglich. An den Haltepunkten gibt es diesbezüglich entsprechende Hinweise für die Fahrgäste. Ursache ist dem Vernehmen nach, dass die Oberleitung im Regelgleis Walporzheim-Ahrweiler nicht rechtzeitig zur Wiedereröffnung der gesamten Ahrstrecke fertiggestellt werden konnte. Unsere Anfrage beim Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord (SPNV Nord), wie lange diese Betriebssituation noch anhalten werde, ergab seitens der für die Eisenbahninfrastruktur zuständigen Bahntochter DB InfraGo den Hinweis, dass die erforderlichen Restarbeiten voraussichtlich ab März 2026 ausgeführt werden.

Die Spundwand bei Heimersheim ist nahezu fertig, zum 11. Juli diesen Jahres soll die Zweigleisigkeit zwischen Bad Neuenahr und Remagen wieder hergestellt sein.

Weiterhin von Bedeutung für die Ahrstrecke ist der nahezu abgeschlossene Bau der 900 m langen Spundwand als besondere Maßnahme zum Schutz der Gleisanlagen bei künftigen Hochwassersituationen im Bereich von Heimersheim. Hier ist die Wiederinbetriebnahme des zweigleisigen Verkehrs zwischen Bad Neuenahr und Remagen für den 11. Juli 2026 eingeplant, womit die Mireo-Einheiten der Mittelrheinbahn auf der Linie RB32 auch durchgehend bis Ahrbrück verkehren können; bisher sind diese Bahnen wegen der noch nicht durchgehenden Zweigleisigkeit mangels ausreichender Zeit im Wechselbetrieb nur bis Altenahr unterwegs. Ebenso für Juli ist die Umstellung der Linie RB30 (DB Regio) auf elektrisch angetriebene Regionalbahnen des Typs Talent 2 geplant. Unsere Grafik zeigt Haltepunkte und Bahnhöfe der Ahrtalstrecke mit Stand Dez. 2026. Text/Fotos Görgler/Gies

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Erleichterung und viel Lob zur Eröffnungsfeier

Mit Beifall wurde der erste Sonderzug nach dem Festakt im Bahnhof Altenahr empfangen. Für die Bevölkerung war am Festtag (12.12.2025) von nachmittags bis in den Abend hinein ein kostenloser Pendelverkehr vom Haltepunkt Dernau aus über den Bahnhof Altenahr bis zur Endstation in Ahrbrück organisiert worden. Fotos: Görgler

12. Dez. 2025. Ahrtal/Altenahr. Erleichterung, Lob und Emotionen, so kann man die gelungene Wiederinbetriebnahme der gesamten Strecke der Ahrtalbahn von Remagen bis Ahrbrück nach viereinhalbjähriger Bauzeit zusammenfassen. Für die Menschen im Ahrtal ebenso wie für alle Beteiligten ist dies ein bedeutendes „Leuchtturmprojekt“. Grund genug also für die Deutsche Bahn (DB), dieses Ereignis zwei Tage vor dem regulären Start des neuen Fahrplans am 14. Dezember in einem Festzelt am Bahnhof Altenahr mit Gästen und der heimischen Bevölkerung zu feiern. Das Angebot stieß auf großes Interesse.

Begrüßung der Ehrengäste zur Einweihungsfeier der Ahrtalbahn, Treffpunkt war zunächst am neuen Haltepunkt Dernau: Bahnchefin Evelyn Palla, Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder und der rheinlandpfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer. Foto: Uli Stumm

Noch am Vorabend wurden die letzten Arbeiten am neuen Bahnhaltepunkt Dernau (jetzt Ortsmitte) erledigt. Ab 16.00 Uhr nutzten dann viele Bahnnutzer das Gratisangebot, endlich wieder mit dem Zug fahren zu können. Zwei Stunden vorher waren bereits etliche Radio- und Fernsehteams sowie zahlreiche VertreterInnen der Print-Medien angereist, ebenso Ehrengäste und Funktionäre. Bei deren Zugfahrt ahraufwärts brandete in den Waggons immer wieder lauter und anhaltender Beifall auf. Als später die Züge zwischen Dernau und Ahrbrück für die Bevölkerung kostenlos pendelten, war das zum Festplatz erweiterte Bahnhofsgelände in Altenahr bis in die Abendstunden gefüllt. Die Einladung hierzu kam von der Deutschen Bahn.

Einen Tag nach der offiziellen Feier, wo ausschließlich die Regionalbahn der DB (Talent) zum Einsatz kam, zeigte die Mittelrheinbahn eindrucksvoll Präsenz mit dem Mireo Smart für die neue Linie RB 32, die am darauffolgenden Tag (14.12.2025) ebenfalls ihren regulären Betrieb aufnahm. Foto: Jürgen Gies

Vielfaches Lob gab es für die beteiligten Firmen, allen voran „Leonhard Weiss.“ Wegen deren Offenheit entstand auch ein guter Kontakt zur heimischen Bevölkerung. Am Freitag lud auch die Firma Weiss in Mayschoß und Dernau beispielsweise zu Getränken und Currywurst ein.

Stolz und Erleichterung nach dem erfolgreichen Wiederaufbau der Bahnstrecke: Eine Delegation von MitarbeiterInnen des federführenden Bauunternehmens Leonard Weiss sowie der beteiligten Subunternehmen. Foto: Görgler

Evelyn Palla, seit kurzem Vorsitzende des Vorstands der Deutschen Bahn, wirkte sachlich und sehr gut informiert – Schließlich ist sie eine Frau der Basis: Als frühere Lokführerin hat sie eigene Erfahrungen sammeln können. Sie äußerte auch Mitgefühl mit den Menschen im Ahrkreis nach der Flutkatastrophe Mitte 2021. Und die massiven Zerstörungen der Trasse der Ahrtalbahn seien gewaltig gewesen. Die Lebensader beginne wieder zu pulsieren. „Das sei für sie ein besonders schöner Tag – Die Bahn sei wieder im Ahrtal.“ Es gäbe attraktive Verbindungen, und modernste Technik.

In diese Richtung äußerte sich auch der Bundesminister für Verkehr, Patrick Schnieder. Er betonte dabei das moderne Zugmaterial. Und dies mache die Bahn auch für den Berufsverkehr und die Betriebe attraktiv. Durch die Elektrifizierung werde die Strecke enorm aufgewertet. Das gelte aber ebenso für Touristen.

Landrätin Cornelia Weigand ging sehr einfühlsam nochmals zur verheerenden Flutkatastrophe zurück. Die moderne Ahrtalbahn sei ein ganz wichtiges Projekt zur Verbesserung der Infrastruktur. Sie äußerte sich auch positiv, dass die Verantwortlichen ihre Zusagen eingehalten haben. Weigand war es auch, die nach der Flut sehr frühzeitig und erfolgreich eine Allianz für die Fluthilfen für den Landkreis Ahrweiler angeschoben hatte.

Landrat Achim Hallerbach- Verbandsvorsteher des Zweckverbandes Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord (SPNV Nord) fehlte aus persönlichen Gründen. Es freue ihn sehr, dass das Ahrtal wieder per Zug erreichbar sei. Dass mit dem Wiederaufbau gleichzeitig die komplette Elektrifizierung vorgenommen wurde, sei ein großer Gewinn für die Region. Ihn vertrat Verbandsdirektor Thorsten Müller.

Gekommen war auch der stellvertretende Vorsitzende von ProBahn Rheinland-Pfalz und Saarland, Justin Drescher. Der Pro Bahn-Vorsitzende für Rheinland und das Saarland, Noah Wand, hatte sich bereits im Sommer ein Bild vom Fortgang der Arbeiten gemacht und dabei nicht an Lob gespart.

Die Ahrtalbahnfreunde waren bei der Eröffnungsfeier im Festzelt der Bahn mit eigenem Informationsstand vertreten, woraus sich viele Interessante Gespräche und auch Anfragen zur Mitarbeit im Museumsprojekt des Vereins ergaben. Fotos: Görgler
Erinnerungsfoto auf der Bühne: Die Ahrtalbahnfreunde gemeinsam mit Landrätin Cornelia Weigand und Christian Sauer, DB-Projektleiter für den Wiederaufbau der Ahrtalbahn.

Der Verein Ahrtalbahnfreunde e. V. war bei der Feier auf Einladung der Bahn mit eigenem Stand und zahlreichen Helferinnen und Helfern vertreten. Neben interessantem Informationsmaterial über die Aktivitäten des Vereins gab es dort auch Filmvorführungen, schließlich haben die Bahnfreunde den Wiederaufbau der Ahrtalbahn mit kontinuierlichem Einsatz begleitet und das Geschehen in Wort und Bild dokumentiert – für Presseberichte, Social-Media und natürlich das eigene Archiv. Die Ahrtalbahnfreunde sind seit ihrer Gründung im Jahr 1999 immer wieder mit Beiträgen und Diskussionen für die Verbesserung des Angebotes eingetreten. Text: Willi Tempel / ATBF

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Mammutprojekt: 18 Kilometer Gleis und fast zwei Dutzend Brücken wiederaufgebaut

Die von der Bahn erstellte Skizze verdeutlicht den enormen Aufwand, der mit dem Wiederaufbau des besonders stark zerstörten Streckenabschnitts zwischen Walporzheim und Ahrbrück verbunden war.

Die Deutsche Bahn hat die durch die Flutkatastrophe 2021 stark beschädigte Infrastruktur der Ahrtalbahn (Gesamtstrecke 29 km) wiederhergestellt und modernisiert sowie verschiedene Bauprojekte neu umgesetzt. Durch nahezu völlige Zerstörung am schlimmsten betroffen war der 14 km lange Streckenabschnitt zwischen Walporzheim und Ahrbrück, der jetzt erstmalig wieder in Betrieb genommen werden konnte, womit die Ahrtalbahn insgesamt wieder in vollem Umfang funktioniert. Den Schwerpunkt dort bildeten 18 Kilometer Gleise, 22 Brücken (davon 15 neugebaut), fünf Tunnel und zehn Stationen bzw. Haltepunkte. Zudem mussten alle Stützbauwerke, Durchlässe und Bahndämme erneuert oder saniert werden. Für die Wiederherstellung der Gesamtstrecke wurden 18 Kilometer Gleis mit 28.000 Schwellen, 60.000 Tonnen Schotter, 36.000 Meter Schienen und 9 Weichen erneuert.

Im Rahmen der Elektrifizierung im gesamten Streckenbereich wurden 880 Mastfundamente und 55 Kilometer Oberleitung installiert. Ebenso werden 84 neue Signale eingesetzt. 19 Bahnübergänge wurden auch technisch erneuert und an das neue ESTW in Ahrweiler angeschlossen, welches bereits seit September 2023 in Betrieb ist und die vier mechanischen Stellwerke aus den 1950er Jahren ersetzt. Zudem hat man darauf geachtet, dass die Anlagen wie alle Baumaßnahmen weitestgehend widerstandsfähiger gegen künftige Hochwasserereignisse ausgeführt worden sind.

Der Wiederaufbau wurde durch die enge Zusammenarbeit von Bund, Land, Kreis, Kommunen, der Deutschen Bahn und dem SPNV Nord ermöglicht und konnte dank vereinfachter Planungs- und Vergabeverfahren innerhalb von vier Jahren weitgehend abgeschlossen werden. Auch die zehn zerstörten Haltepunkte wurden umfassend modernisiert, wobei der Bund das Gesamtprojekt finanzierte und die Elektrifizierung gemeinsam vom Bund und vom Land Rheinland-Pfalz getragen wurde.

Die von den Ahrtalbahnfreunden erstellte Skizze zeigt die aktuellen Bahnhöfe/Haltepunkte sowie mögliche künftige Haltepunkte der Ahrtalbahn. Die zusätzlichen Stopps sind u. a. dadurch möglich, dass elektrisch angetriebene Züge schneller beschleunigen können und kürzere Bremswege benötigen, womit sich nichts am vorgesehen Regelverkehr ändern würde. Interessant auch der Hinweis auf das Domizil der Ahrtalbahnfreunde im ehemaligen Bahnhofsgebäude von Bad Bodendorf, mit regelmäßigen Infoveranstaltungen (Bahntreff Rhein-Ahr) und dem im Aufbau befindlichen Ahrtalbahnmuseum.

Die Wiedereröffnung der Ahrtalbahn als elektrische und klimafreundliche Verbindung hat sowohl für die Bevölkerung als auch für den Tourismus in der Region eine hohe Bedeutung. Klimaschutzministerin Katrin Eder betonte, dass die vollständige Elektrifizierung der Strecke eine deutliche Qualitätsverbesserung darstelle, da die Züge künftig mit Strom aus erneuerbaren Energien fahren und die neuen Bahnhöfe barrierefreies Reisen ermöglichen. Nach Abschluss der verbleibenden Bauarbeiten sei zudem eine direkte Anbindung an Koblenz vorgesehen, wodurch zusätzliche Kapazitäten im Abschnitt Remagen–Koblenz geschaffen werden können. Textbasis: Pressemitteilungen der Behörden.

Ahrtalbahnfreunde: Gelungene Teilnahme am Bad Bodendorfer Adventsmarkt

Mit zu den ersten Weihnachtsmärkten im Ahrkreis gehört der Bad Bodendorfer Adventsmarkt. Da sich das ganze Geschehen rund um den Bahnhof abspielt, waren die Ahrtalbahnfreunde (ATBF), die in einem Teil der dortigen Räumlichkeiten eine Bleibe gefunden haben, natürlich mit von der Partie. Die Crew um ihre Vorsitzenden Ulrich Stumm und Wolfgang Groß sowie dem für die Errichtung des Museums federführenden Edgar Steinborn nahm denn auch gerne die Gelegenheit wahr, die zahlreichen Besuchenden über Aufgaben und Zielsetzungen des Vereines zu informieren. Natürlich geht es in erster Linie, wie der Vereinsname ja auch schon sagt, um die Ahrtalbahn. Allerdings steht alles, was mit dem Bahnbetrieb in unserer Gegend zu tun hat, auf der Agenda. Bei den regelmäßigen Treffen, immer am vierten Mittwoch jeden Monats, sind oftmals an verantwortlicher Stelle agierende Mitarbeitende der Deutschen Bahn und ihrer Gesellschaften zu Gast, die über aktuelle Themen, wie zum Beispiel die umfangreichen Streckensperrungen, fundiert informieren.

Erinnerungsfoto der Bahnhofs-Crew am ersten Tag des Adventsmarkts
Adventsmarkt Tag 2: Nikolaus kam höchstpersönlich und sprach den ATBF seine Anerkennung für deren Engagement um den Bahnbetrieb und das künftige Ahrtalbahnmuseum aus
Fleißige Helferinnen am Kuchenstand

Mit interessanten Filmen, wie über die völlig neu erstellte Trasse, Brücken und Tunel konnte bei dieser Gelegenheit den Gästen nahegebracht werden, was ab Mitte Dezember tatsächlich Realität wird: Die Bahn fährt dann durchgehend wieder bis Ahrbrück. Allerdings werden zunächst ausschließlich die Züge der Mittelrheinbahn (Linie 30) elektrisch fahren (Mireo von Siemens). Das Zugmaterial für die Linie 32 (Ahrbrück-Remagen-Bonn) aus dem Vareo-Angebot soll bis zum Sommer 2026 voraussichtlich durch den Talent 2 (Bombardier) umgestellt sein. Zudem kann die Linie 30 vorübergehend nur bis zum Bahnhof Altenahr verkehren; dies liegt an der noch nicht abgeschlossenen Baustelle „Spundwand bei Heimersheim“, wodurch die Strecke von Remagen bis Bad Neuenahr aktuell nur eingleisig befahrbar ist, mit Auswirkungen auf den Wechselbetrieb innerhalb der Ahrstrecke.

Uli Stumm (Vorsitzender) und Edgar Steinborn (Museumsbeauftragter der ATBF) informierten über die Aktivitäten des Vereins
Kontakt zum Nachbarmuseum: Hardy Rehmann (Mitte), Vorsitzender des Fördervereins Denkmalpflege und Museum in Sinzig, beim Austausch mit den Vorsitzenden der ATBF, Uli Stumm (rechts) und Wolfgang Groß

Ein weiterer Schwerpunkt der Informationen lag auf der Schaffung des geplanten Museums. Natürlich werden hier auch alte Gegenstände aus früheren Bahnzeiten ausgestellt. Ein zeitgemäßer Ansatz ist es aber, den Besuchenden einen Einblick in die Betriebsabläufe der Bahn zu verschaffen. Das soll mit Fahrsimulationen oder an kleinen Modellen anschaulich vermittelt werden. Der Verein ist im Übrigen gut vernetzt. So gibt es konkrete Kontakte und Zusammenarbeit mit dem Ahrtourismus und anderen Museen. Als Gast konnte unter anderen auch die Museumskuratorin Elke Hartkopf von der Bonner Firma „ConCultura“ begrüßt werden, die beim Aufbau des Museum Hilfestellung leistet. Und für die Kreissparkasse als Hausherr des Bahnhofsgebäudes stattete Sascha Stuntz einen Besuch ab. Von vielen Bad Bodendorfer Bürgern wurde sehr positiv angemerkt, dass die seit langem defekte Bahnhofsuhr auf Initiative der Ahrtalbahnfreunde inzwischen wieder funktioniert. Am 12. Dezember ist dann die offizielle Einweihung der komplett erneuerten Ahrtalstrecke. In einem Festzelt am Altenahrer Bahnhof gibt es daher mit vielen Gästen aus Wirtschaft und Politik ein Bürgerfest, zu dem auch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder, Ministerpräsident Alexander Schweitzer und die neue Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Evelyn Palla, erwartet werden. Auch die Ahrtalbahnfreunde sind dort mit einem Infostand vertreten und nehmen im Verlauf des Programms an einer Talkrunde teil. Neue Mitglieder sind im Übrigen herzlich willkommen. Bei Interesse kann man sich unter www.ahrtalbahnfreunde.de schon einmal vorab informieren -oder einfach mal zum monatlichen Treffen im Bad Bodendorfer Bahnhof vorbeischauen.
DG / Fotos: ATBF

Ahrtalbahn: Kein 20-Minuten-Takt?

Die Weichen wie hier kurz vor Rech liegen parat oder sind bereits montiert. Nur die Richtung bezüglich Angebot stimmt nicht mehr so, wie im Ahrtal erhofft. Foto: Willi Tempel
„Vorerst doch kein 20-Minuten-Takt auf der Ahrtalstrecke“ meldete der regionale Radiosender SWR 4 in seiner Morgensendung vom 17. Juni 2025. Verknüpft war die Nachricht mit einem Interview zwischen SWR-Autor Constatin Pläcking und Thorsten Müller, Verbandsdirektor SPNV-Nord.

In diesem Zusammenhang wurden weitere Einschränkungen der angekündigten Verbesserungen im Angebot der Ahrtalbahn bekannt, wie der Verzicht auf durchgehenden Züge etwa bis Köln und Wuppertal und zunächst auch keine zusätzlichen Haltepunkte. Ermöglicht werden sollte dies alles durch die Elektrifizierung der Ahrtalbahn mit besserer Beschleunigung und kürzeren Bremswegen als im Einsatz mit Dieselantrieben, wozu im Zuge des Wiederaufbaus nach der Flutkatastrophe 2021 auch die Voraussetzungen geschaffen worden sind.
Entsprechend enttäuscht ist man nun an der Ahr. Der Fahrgastverband PRO Bahn und die Ahrtalbahnfreunde e. V. üben harsche Kritik. Ahrtalbahnfreund Willi Tempel erläutert die Fakten zum Wiederaufbau und holte Stellungnahmen zur aktuellen Entwicklung ein:

Unmittelbar nach der Flutkatastrophe Mitte 2021 wurden in Remagen die Pläne für die Zukunft der Ahrtalbahn vorgestellt. Übereinstimmend betonten dort der damalige DB-Vorstand Ronald Pofalla, Ex-Verkehrsminister Andreas Scheuer sowie die Rheinland-Pfälzische Ex-Ministerpräsidentin, Malu Dreyer, dass die Bahnstrecke nach neuestem Stand der Technik wieder vollständig aufgebaut werde. Dies bedeute unter anderem eine Elektrifizierung sowie Elektronische Stellwerke. Durch spurtstarke Elektrozüge bietet sich nun die Möglichkeit, bis zu vier neue Haltepunkte einzurichten. Dies jedoch nicht beim Wiederaufbau, sondern erst nach umfangreichen Planunterlagen und Genehmigungen. Und der Bahnübergang zur „Steinbergsmühle“ in Dernau, wo es mehrmals Unfälle gegeben hat, erhält eine Schrankenanlage. Darüber hinaus sind Brückenbauwerke und Tunnelarbeiten längst der Ahr mit Hochdruck in Arbeit, so dass das Ziel einer bis zur Endstation wieder aufgebauten Ahrtalbahn zum Jahresende – wie geplant – im Fokus steht. Für die Firma Leonhard Weiß – ebenso die beteiligten Unternehmen – gibt es regelmäßiges Lob, von Einheimischen wie Touristen, die aufmerksam den Fortschritt an der Ahr verfolgen.
Doch nun zu den Stellungnahmen in Bezug auf die aktuelle Meldung, wonach die Vorteile der Elektrifizierung zunächst nicht so genutzt werden, wie man es den vielen Ankündigungen entnehmen konnte.

Landrätin Cornelia Weigand: „Wir stehen mit dem zuständigen Zweckverband Schienenpersonennahverkehr (SPNV) Rheinland-Pfalz Nord in Kontakt, und werden regelmäßig über die Entwicklungen informiert. Da die Verhandlungen durch den SPNV Nord aktuell noch geführt werden, können wir uns hierzu derzeit nicht weiter äußern. Unser Ziel ist es, ein besseres Angebot für den öffentlichen schienengebundenen Personennahverkehr bis nach Ahrbrück zu schaffen, als vor der Flutkatastrophe 2021. Für dieses Ziel setzen wir uns als Kreis seit 2021 ein und dafür machen wir uns auch weiterhin stark.“

Thorsten Müller: „Von Anfang an Finanzierungsvorbehalt“
Foto: Görgler

SPNV-Verbandspräsident Thorsten Müller im Interview:

Herr Müller, bleibt es bei dem angekündigten Zwanzig-Minuten-Takt auf der Strecke der Ahrtalbahn ab Ahrbrück?
„Vor dem Hochwasser war für die Zeit nach 2033 kein Zielfahrplan entwickelt worden. Deswegen wurde schnell nach dem Hochwasser ein Zielfahrplan für die Ahrtalstrecke entwickelt, der einen 20-Minuten-Takt unterstellt. Es ging dabei darum, wie diese Strecke auch für den Eisenbahnbetrieb aufgebaut wird. Der Begriff Zielfahrplan wird hier verwendet wie beim Deutschland-Takt, der auch einen Zielfahrplan darstellt, aber damit nicht gleichzeitig vertraglich vereinbart ist.
Um ein Betriebsprogramm auch zu bestellen und dann konkret umzusetzen, sind insbesondere die finanziellen Voraussetzungen zu betrachten. Deswegen wurde von der Verbandsversammlung auch die Umsetzung unter einen Finanzierungsvorbehalt gestellt. Das heißt der 20-Min-Takt war von Beginn an unter Finanzierungsvorbehalt. Die aktuellen Haushaltsmöglichkeiten lassen aber eine Bestellung eines 20 min Taktes nicht zu. Der Vorbehalt greift also aktuell. Gleichzeitig ist es aber weiterhin die Absicht des Kreises Ahrweiler, den 20-Minuten-Takt für eine 2. Betriebsstufe nicht aus dem Blick zu verlieren. Nur können wir dafür aktuell kein Jahr angeben. Das Ziel eines 20-Minuten-Taktes bleibt erhalten.“

Wegen der diskutierten Situation bitte ich Sie ggf. auch um Angabe, zu welchen Zeiten die beiden Zugpaare dann verkehren würden. Ein eventueller Takt 20 / 40 Minuten wäre negativ.
Die RB 30 wird in Ahrbrück zur Minute 3 starten und nach 70 Minuten in Bonn zur Minute 13 ankommen. Die RB 39 wird in Ahrbrück zur Minute 43 starten und Remagen zur Minute 226 erreichen. Damit wird der vor Hochwasser bekannte 20/40 Takt beibehalten.“

Wird es stündlich eine durchgehende Verbindung Ahrbrück, Köln, Wuppertal oder Dortmund (oder ggf. andere), geben?
Nach Auslaufen des RB 48 Verkehrsvertrages in NRW besteht erstmals die Möglichkeit, in einer neuen Konzeption die RB 48 mit der RB 30 zu verknüpfen. Eine Verknüpfung ist nicht während der Laufzeit des VAREO-Vertrages bis 2033 vorgesehen gewesen. Ob diese Verknüpfung dann wirklich umgesetzt oder andere Konzepte verfolgt werden, wird im Rahmen der Vorbereitung der neuen Vergabeverfahren gemeinsam zwischen den Partnern in NRW und RLP zu entscheiden sein.“

Wird die Ahrtalbahn ab dem 01.01.2026 mit Elektrozügen verkehren oder bleibt es zunächst bei den Dieselzügen?
„Natürlich sollen auf der elektrifizierten Ahrtalbahn auch elektrische Züge verkehren. Dazu stehen die beiden SPNV-Aufgabenträger in NRW und RLP in Verhandlungen. Diese sind noch nicht abgeschlossen. Wir sind vorsichtig optimistisch, dass die Vertragsgespräche zu einem positiven Ausgang führen. Es ist KEIN Ziel, mit den bekannten Dieselzügen bis zum Ende des Verkehrsvertrags in 2033 zu fahren. Wir bitten um Verständnis, mehr zu den laufenden Vertragsgesprächen aktuell nichts sagen zu können.“

Stehen die Finanzierungsmittel für diese Elektrofahrzeuge (durch das Land) bereit?
„Die beiden gesetzlichen Zweckverbände in RLP erhielten bis 2024 ausschließlich die sogenannten Regionalisierungsmittel des Bundes, welche der Bund den Ländern insbesondere für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) zur Verfügung stellt. Unter anderem der Anstieg der Preise und die Ausweitung der Busangebote der regionalen Hauptlinien hat dazu geführt, dass das Land RLP ab 2025 erstmals in den Bereich ÖPNV mit Bus & Bahn aufwachsend 190 Mio. € als Landesmittel steckt. Bis 2024 konnte man die Lücken mit Rücklagen schließen.
In Kenntnis der herausfordernden finanziellen Situation wurde von der Verbandsversammlung auch die Umsetzung eines 20-Minuten-Taktes unter einen Finanzierungsvorbehalt gestellt. Das Gremium hat sich seit Jahren intensiv mit der Finanzierungssituation durch das Land befasst und fordert eine Verlässlichkeit der Finanzierung. Der SPNV-Nord wäre nicht in der Lage, hohe Preise bei der Umstellung auf elektrische Fahrzeuge zu bezahlen. Im Rahmen der Vertragsgespräche sind wir vorsichtig optimistisch, die finanziellen Möglichkeiten mit den Kosten für elektrische Fahrzeuge in Einklang zu bringen.“

Wie ist der Stand bezüglich der bereits vor einiger Zeit öffentlich angekündigten vier neuen Haltepunkte an der Strecke (Bad Neuenahr-Mitte, Heppingen, Marienthal und Ahrbrück/Pützfeld)?
„Diese 4 neuen potentiellen Haltepunkte können nicht aus der Wiederaufbau-Finanzierung umgesetzt werden. Von Beginn an war deswegen klar, dass nur das GVFG (Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz) verwendet werden kann. Voraussetzung für eine GVFG-Maßnahme ist eine positive Nutzen-Kosten-Untersuchung mit einem Wert > 1. Diese Untersuchung ist beauftragt, aber noch nicht abgeschlossen. Wir erwarten die Ergebnisse im Sommer 25.“

Es kursieren Gerüchte, dass derzeit nicht genügend Oberleitungsmasten geliefert werden können.
„Ich habe die schnelle Info bekommen, dass keine Materialprobleme bei den Masten bekannt sind. Die Masten werden sukzessive nach Dernau und Kreuzberg geliefert. In Dernau lagern aktuell die Maste für den Abschnitt von Marienthal bis einschließlich Dernau. Mitte Juli werden die Maste bis Mayschoss angeliefert.“
Vielen Dank, Herr Müller!

Ulrich Stumm und Wolfgang Groß, Vorstand Ahrtalbahnfreunde e.V.:
„Die Ankündigung des SPNV Zweckverbandes Rhld-Nord für die Aufnahme des Zugbetriebes nach dem Wiederaufbau der Ahrtalbahn erstaunt die Ahrtalbahnfreunde. Es war seitens des Landes zugesagt, nach dem Wiederaufbau ab Dezember 2025 einen 20-Minuten-Takt zwischen Remagen und Ahrbrück anzubieten. Zur Durchführung dieses Taktverkehrs wird die Schieneninfrastruktur auf der neugebauten Trasse zurzeit ausgebaut. So entsteht zwischen Dernau und Rech ein längerer zweigleisiger Abschnitt und im Bahnhof Altenahr sollten die Züge später kreuzen. Auf Grund der neuen Mitteilungen scheint es keinerlei Verbesserungen im Fahrplanangebot ab Dezember 2025 geben. Ab diesem Zeitpunkt sollte der 20-Minuten-Takt eingeführt werden. Kommen soll aber jetzt wieder der kundenunfreundliche 20/40 Minutentakt.

Ulrich Stumm, Vorsitzender Ahrtalbahnfreunde e.V.: Versprechungen „Luftblasen“.
Foto: Görgler

Ulrich Stumm, Vorsitzender der Ahrtalbahnfreunde, sieht hier einen Rückschritt in den Bemühungen, mehr Menschen zum Umsteigen auf die umweltfreundliche Bahn zu bewegen. Er kommentiert: Erst wird die Infrastruktur aufwendig erneuert und ausgebaut, ohne dass sie entsprechend genutzt werden kann. Dies ist seiner Ansicht nach Wasser auf die Mühlen der Kritiker des Ausbaus der Bahn im Ahrtal. Dazu kommt die überraschende Mitteilung, dass es nach der Elektrifizierung keine Durchbindung von Zügen von und nach der Ahrtalbahn in Richtung Köln/Ruhrgebiet geben soll. Auch diese Maßnahme wird von den Ahrtalbahnfreunden heftig kritisiert, würde sie doch eine umsteigefreie Verbindung in die NRW-Zentren darstellen. Unter dem Strich zeigen sich die Ahrtalbahnfreunde enttäuscht, dass sich die vielen vollmundigen Versprechungen der Landesvertreter nach der Flutkatastrophe für eine zeitgerechte und moderne Bahnverbindung im Ahrtal nunmehr in Luftblasen auflösen.“

Noah Wand, Landesvorsitzender des Fahrgastverbandes PRO BAHN Rheinland-Pfalz und Saarland
Die Ankündigung, den Takt auf der Ahrtalbahn zu reduzieren, betrachtet der Fahrgastverband mit großer Sorge. Die Infrastruktur wurde im Rahmen des Wiederaufbaus so angepasst, dass ein Halbstundentakt nicht mehr möglich ist. Der im Rahmen der angekündigten Leistungsreduktion drohende 20–40-Takt ist dabei ein fauler Kompromiss, der bei den Fahrgästen für Verwirrung sorgt. Denn nicht nur die Fahrtzeiten werden damit unregelmäßig, sondern es wirkt sich auch auf die Anschlussverbindungen aus. Hier steht der Zweckverband SPNV-Nord vor der Herausforderung,  den Fahrplan entsprechend sinnvoll zu gestalten. Doch nicht nur für das Ahrtal, sondern für ganz Rheinland-Pfalz ist dies ein alarmierendes Signal: Es könnten weitere Leistungskürzungen auf anderen Strecken drohen, obwohl die Züge bereits jetzt oft überlastet sind. Diese Tendenz betrachten wir mit großer Sorge. Willi Tempel

Riesige Mengen Schotter werden bereits über die neu installierten Schienen angeliefert. Ein Dernauer Bürger hat an einem einzigen Tag mehrer Züge mit insgesamt 136 (!) Schüttwaggons gezählt. Dies entlastet auch die Straßen erheblich. Foto: Willi Tempel

Virtueller Rundgang durch das künftige Ahrtalbahnmuseum

29.12.2024. Mit einem virtuellen Rundgang durch das im Aufbau befindliche Ahrtalbahnmuseum gibt der Arbeitskreis um Edgar Steinborn bereits Einblick in die künftigen Aktivitäten der Einrichtung im Bad Bodendorfer Bahnhofsgebäude, das zudem voraussichtlich ab 2. Quartal 2025 auch Veranstaltungsort für den monatlichen Bahntreff Rhein-Ahr sein wird (der bis dahin noch im Brauhaus Remagen stattfindet, siehe Rubrik Termine).
JG / Bildvorlage: E. Steinborn/U. Stumm

Nach 5 Monaten Generalsanierung: DB nimmt Riedbahn zwischen Frankfurt/Main und Mannheim wieder in Betrieb

Strecke ab heute Abend wieder für den Zugverkehr freigegeben  Regulärer Betrieb auf allen S-Bahn- und Regionalverkehrslinien früher möglich als zunächst vorgesehen • Erneuerte Infrastruktur sorgt für stabilen Betrieb  Positive Bilanz zu Umleitungskonzept und Ersatzverkehr

Berlin, 14. Dezember 2024. Die Deutsche Bahn (DB) hat die erste Generalsanierung im hochbelasteten Schienennetz erfolgreich abgeschlossen: Ab heute Abend, 23 Uhr, fahren wieder Züge über die Riedbahn zwischen Frankfurt/Main und Mannheim. DB-Vorstandschef Richard Lutz und Bundesverkehrsminister Volker Wissing sowie Vertreter:innen der Länder Baden-Württemberg und Hessen geben die Strecke bei einer Abschlussveranstaltung in Gernsheim am Mittag symbolisch wieder frei. Auf der rund 70 Kilometer langen Strecke haben rund 800 Mitarbeitende der DB und der beteiligten Bauunternehmen seit 15. Juli die störanfällige und überalterte Infrastruktur nahezu komplett erneuert. Umleiter- und Ersatzverkehre brachten Kund:innen des Personen- und Güterverkehrs in den fünf Monaten weiterhin verlässlich an ihr Ziel.

Die Sanierung der Infrastruktur ist die Voraussetzung für die Verbesserung der betrieblichen Lage und damit für eine höhere Kundenzufriedenheit. Durch die Sanierung sollen die betrieblichen Störungen auf einer der meistbefahrenen Strecken in Deutschland um bis zu 80 Prozent gesenkt werden. Damit ist die Generalsanierung eine der zentralen Säulen des Sanierungsprogramms S3, das der Konzern im September verabschiedet hat.

DB-Chef Dr. Richard Lutz: „Der Abschluss der ersten Generalsanierung ist ein wichtiger Schritt für die strukturelle Sanierung unserer Infrastruktur. Innerhalb von nur fünf Monaten haben wir in einer starken Teamleistung gemeinsam mit unseren Baupartnern und getragen von einem bis dato nie dagewesenen politischen Willen die störanfällige Riedbahn komplett saniert. Neue Gleise, Weichen, Signale und Stellwerkstechnik sorgen auf dieser hochbelasteten Strecke künftig für einen stabilen Betrieb. Reisende profitieren von modernen und attraktiven Zukunftsbahnhöfen. Nur indem wir die zu alte, zu störanfällige und zu volle Infrastruktur sanieren, können wir die betriebliche Lage bei der DB verbessern und die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Konzerns langfristig sicherstellen.“ 
 
Dr. Volker Wissing, Bundesminister für Digitales und Verkehr: „Das Riedbahn-Team hat mit dieser Baustelle gezeigt, dass die Deutsche Bahn dem Anspruch gerecht werden kann, den die Bürgerinnen und Bürger an sie haben. Darauf können alle Beteiligten stolz sein. Dank des innovativen Ansatzes der Generalsanierung ist hier in kürzester Zeit eine Rekordsumme verbaut worden. Das neue Bahnsanierungskonzept funktioniert. Damit befinden wir uns auf dem Weg zu einer pünktlichen und zuverlässigen Eisenbahn. Auch wenn sich die noch anstehenden Korridore immer wieder voneinander unterscheiden, wird es mit dieser Herangehensweise gelingen, unser Bestandsnetz in kürzester Zeit in einen modernen Zustand zu versetzen.“
 
Elke Zimmer, Staatssekretärin im Verkehrsministerium von Baden-Württemberg: „Mit der Riedbahn ist nun die erste von über 40 geplanten Generalsanierungen im Wesentlichen erfolgreich abgeschlossen. Ein Großteil des Weges liegt also noch vor uns. Ich hoffe, dass die von der DB versprochenen Verbesserungen bei der Pünktlichkeit und Qualität eintreten. Wir und unsere Fahrgäste erwarten auch, dass der Regionalverkehr bald wieder komplett planmäßig über diese Strecke rollt und dass die Riedbahn dann in den kommenden Jahren frei von längeren Baustellen ist. Ebenso rechne ich damit, dass die DB die gewonnenen Erkenntnisse für die Organisation eines erfolgreichen Ersatzverkehrs auf die kommenden Generalsanierungen überträgt.“

Umut Sönmez, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum: „Die Riedbahn ist eine der wichtigsten Hauptschlagadern des Bahnverkehrs in Hessen. Dass sie nach den Entbehrungen während der Sanierungszeit dieser bundeseigenen Infrastruktur nun wieder für den Bahnbetrieb zur Verfügung steht, ist besonders auch für unser Bundesland ein Grund zu großer Freude. Hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang auch die verbesserte Ausstattung der Bahnhöfe und der dringend erforderliche verbesserte Schallschutz. Auch nach der Sanierung wird die Riedbahn jedoch eine der höchstbelasteten Strecken im deutschen Eisenbahnnetz bleiben. Deshalb brauchen wir hier – wie auch an anderen Stellen im Netz – neben der Sanierung auch die schnelle Weiterführung der Planung der Ausbauprojekte, wie z. B. der Neubaustrecke Frankfurt – Mannheim.“

Im Rahmen der Generalsanierung hat die DB in sehr guter Zusammenarbeit mit den Baupartnern auf der Riedbahn ein enormes Bauprogramm umgesetzt – in nur fünf Monaten Generalsanierung mehr als viermal so viel Bauvolumen wie bei vergleichbaren Großprojekten und unter dem rollenden Rad in der Vergangenheit. Seit dem Start der Riedbahn-Sanierung haben bis zu 800 Kolleginnen und Kollegen der DB sowie der beteiligten Bauunternehmen insgesamt 111 Kilometer Gleise, 152 Weichen, 619 Signale, fast 16 Kilometer Schallschutzwände, 130 Kilometer Fahrdraht, 383 Oberleitungsmasten und acht Bahnsteige erneuert. Neben neuer Stellwerkstechnik wird auf der Strecke zwischen Frankfurt/Main und Mannheim künftig auch das neue europäische Zugbeeinflussungssystem ETCS zum Einsatz kommen. Die Inbetriebnahme erfolgt in Stufen. Dabei geht ETCS zunächst auf dem Streckenabschnitt von Mannheim-Waldhof nach Biblis in Betrieb. Alle weiteren Abschnitte folgen im zweiten Quartal 2025. Personen- und Güterverkehr sind davon nicht beeinträchtigt.
 
Darüber hinaus wurden 20 Stationen entlang der Riedbahn modernisiert und aufgewertet. Je nach Zustand des Bahnhofs hat die DB verschiedene Maßnahmen umgesetzt, um das Erlebnis der Reisenden am Bahnhof und im Bahnhofsumfeld zu verbessern. Dazu gehören unter anderem moderne Bahnsteigdächer, Wetterschutzhäuser, verständliche Wegeleitsysteme, die durchgängige Ausstattung mit Rampen, Beleuchtung, Treppeneinhausungen sowie die Herstellung der Barrierefreiheit. In Zusammenarbeit mit den Kommunen sorgt die DB auch für verbesserte Anschlussmobilität und attraktivere Bahnhofsvorplätze.
 
Positive Bilanz zum Verkehrskonzept

Zum Abschluss der Bauarbeiten zieht die DB auch eine positive Bilanz zum Verkehrskonzept. Rund zwei Drittel der Fernverkehre sowie die Güterzüge verkehrten in den vergangenen fünf Monaten auf Umleitungsstrecken und waren überdurchschnittlich pünktlich unterwegs. Zwischen dem 15. Juli und 8. Dezember legten rund 20.000 Fernverkehrszüge auf den Umleitungsstrecken über 1,5 Millionen Kilometer mit einer durchschnittlichen Pünktlichkeit von 73 Prozent zurück.

Auch Unternehmen mit Gleisanschluss konnten zuverlässig beliefert werden. Seit Beginn der Riedbahn-Generalsanierung hat allein DB Cargo 8.000 Züge über die Umleitungsstrecken gefahren und rund 400 Bedienfahrten für Unternehmen mit Gleisanschluss durchgeführt. Außerdem übernahm DB Cargo einen Teil der Materialversorgung für die Baustelle und lieferte mehr als 43.000 Tonnen Schotter an.

Im Regionalverkehr hat die DB einen umfangreichen Ersatzverkehr mit 150 modernen Bussen auf die Straße gebracht. Seit Mitte Juli haben diese rund sechs Millionen Kilometer zurückgelegt und täglich bis zu 16.000 Fahrgäste pünktlich und zuverlässig an ihr Ziel gebracht. Neun von zehn Reisenden sind mit dem Ersatzverkehr dem klimafreundlichen öffentlichen Nahverkehr treu geblieben und nicht auf Auto oder Motorrad umgestiegen, so das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage. 89 Prozent der Befragten gaben ihrer Fahrt im Ersatzbus die Schulnote eins oder zwei.
 
Im Ersatzverkehr an der Riedbahn hat die DB ihre Fahrgäste zum ersten Mal in Echtzeit im DB Navigator sowie auf Infostelen an den Haltestellen über die Abfahrtszeiten und Standorte der Busse informiert. Zudem konnten sich Reisende erstmals per Augmented Reality auf ihrem Smartphone virtuell zu den Haltestellen des Ersatzverkehrs leiten lassen. Auch im Recruiting ist die DB erfolgreich neue Wege gegangen: Viele der 400 europaweit angeworbenen Busfahrer:innen fahren auch in Zukunft für die DB in Linien- und Ersatzverkehren in ganz Deutschland. Alle 150 Busse sind weiter im Einsatz und sorgen für ein stabiles und verlässliches Angebot. 

Zuverlässiges Angebot zum Fahrplanwechsel

Die DB hat sich entschieden, mit einem robusten Verkehrskonzept in die Inbetriebnahme zu starten. Im Fernverkehr werden sämtliche Züge nach Fahrplan über die Riedbahn fahren, im Regionalverkehr die nachfragestarken Linien RE70 Frankfurt/Main–Mannheim und die S7 Frankfurt/Main–Riedstadt Goddelau. In Summe können damit ab dem 15. Dezember im Fern- und Regionalverkehr wieder mehr als 95 Prozent der Kund:innen die Züge auf der Riedbahn nutzen.
 
Auf wenigen Abschnitten im Regionalverkehr unterstützt anfangs ein Ersatzverkehr mit Bussen das Verkehrskonzept. So wird die S8/S9 zwischen Biblis/Groß-Rohrheim und Mannheim bis einschließlich 23. Dezember weiterhin durch die Buslinie S91 ersetzt. Auf den Regionalbahnlinien RB 62 Worms–Biblis sowie RB 63 Worms–Bensheim verkehren die aktuellen Ersatzverkehre ebenfalls weiter. Ab dem 24. Dezember – und damit früher als zunächst vorgesehen – können sämtliche Regional- und S-Bahn-Züge wieder regulär fahren. Der Güterverkehr wird bis zum 23. Dezember in Schritten hochgefahren, die Versorgung der Unternehmen an der Strecke läuft bereits direkt über die neuen Gleise.
 
Die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt Riedbahn fließen in die Planung der weiteren Generalsanierungen im hochbelasteten Schienennetz ein. Im kommenden Jahr stehen die gebündelte Erneuerung und Modernisierung der Strecken Hamburg–Berlin und Emmerich–Oberhausen an. Damit werden eine der wichtigsten Städte-Direktverbindungen sowie eine bedeutende Magistrale für den europäischen Güterverkehr leistungsfähiger und weniger störanfällig. 

Unter dem Titel „Bahnsinn Riedbahn – Eine deutsche Baustelle“ werden auf YouTube interessante Dokumentationen gezeigt.

Text und Grafik: Pressestelle Deutsche Bahn AG

Premiere: Ahrtalbahnfreunde stellen Museumsprojekt vor

Das ehemalige Bahnhofsgebäude Bad Bodendorf (hier 2023) bietet gute Voraussetzungen für das geplante Ahrtalbahnmuseum. Foto: Görgler.

Bad Bodendorf, Dez. 2024. Im Rahmen der Wiederherstellung der Ahrtalbahn tut sich auch im Bereich des Bad Bodendorfer Bahnhofs einiges. Die Bahnsteige wurden komplett erneuert und die vorbereitenden Arbeiten für die Elektrifizierung sind nicht zu übersehen. Zudem soll das historische Bahnhofsgebäude nunmehr eine neue Nutzung erfahren: „Kunst, Kultur & Kommunikation im Bahnhofscafé“ heißt das Konzept, verknüpft mit der Einrichtung eines Ahrtalbahnmuseums. Zum Projektteam gehört der Verein Ahrtalbahnfreunde e. V. mit seinem Vorsitzenden Ulrich Stumm sowie als Vertreter des Badeortes deren Ortsvorsteher Jürgen Werf, Petra Klein (Kunst und Kultur) und die heimische Künstlerin Stefanie Manhillen.

Inzwischen wurden im Zuge des Wiederaufbaus der Ahrtalbahn die Bahnsteige mit verbessertem Zugang neu angelegt. Im Brunnenhof (linker Gebäudeteil) soll ein Treffpunkt für Kunst, Kultur und Kommunikation entstehen. Foto: Ulrich Stumm.


Anlässlich des Bad Bodendorfer Weihnachtsmarktes stellten die Ahrtalbahnfreunde erstmals die Pläne für ihr geplantes Museum vor. Projektleiter Edgar Steinborn konnte zahlreichen Besucherinnen und Besuchern das vorgesehene Konzept näherbringen. Nach jetzigem Stand sind folgende Themenbereiche vorgesehen:

  • Dauer- und Wechselausstellungen zum Thema Ahrtalbahn.
  • Erhalt der Stellwerkstechnik mit Nutzung der Außenanlage für die Aufstellung der Signale.
  • Zugsimulationen der Ahrtalbahn mit Lokführerstand für selbständiges Fahren.
  • Fachvorträge zur Eisenbahn allgemein und der Ahrtalbahn im Besonderen.

Zunächst steht hierfür nur der alte Wartesaal zur Verfügung, da die beiden angrenzenden Räume noch von der Bahn selber belegt sind, aller Voraussicht nach aber in Kürze geräumt werden.

Aktive und Gäste: Projektleiter Edgar Steinborn (Mitte), rechts (mit Dienstmütze) Vereinsvorsitzender Ulrich Stumm. Dieter Zimmermann, Vorstandsvorsitzender der KSK Ahrweiler (5. v.li.) war ebenso vertreten. Foto: A. Steinborn.

Neben interessierten Gästen des Weihnachtsmarktes konnte der Verein auch den Vorstandsvorsitzenden der Kreisparkasse Ahrweiler, Dieter Zimmermann, begrüßen (die KSK ist Eigentümerin des Bahnhofgebäudes). Auch der Sinziger Bürgermeister Andreas Geron ließ sich von Edgar Steinborn die Museumskonzeption erläutern und fand nur lobende Worte hierfür. Die Ahrtalbahnfreunde erfuhren ein allseits positives Feedback für das Vorhaben und konnten sogar einige Besucher als neue Mitglieder begrüßen.
Bei der Veranstaltung wurde deutlich, dass die Aktivitäten des Vereins Ahrtalbahnfreunde e. V. weit über die Region hinaus unterstützt werden. Aus Bayern waren Gäste eines Freundeskreises aus Augsburg präsent. Der Geschäftsführer der „Augsburger Localbahn“, Helmuth Schmitt, der auch Mitglied der Ahrtalbahnfreunde ist, reiste in Begleitung des Domkapitulars des Bistums Augsburg, Pfarrer Armin Zürn, an. Beide nahmen den Besuch auch zum Anlass, die Arbeiten zum Wiederaufbau der Ahrtalbahn vor Ort zu besichtigen. Pfarrer Zürn nahm aufgrund früherer verwandtschaftlicher Beziehungen die Gelegenheit war, in der Dernauer Pfarrkirche am Sonntag beim Gottesdienst zu konzelebrieren. Dabei wurde auch der Verstorbenen der Ahrtalbahnfreunde gedacht.
Konkret stehen in Kürze zunächst die Vorbereitung der Räumlichkeiten, die Gestaltung der Dauerausstellung und die Präsentation der Stellwerkstechnik an. Wer Interesse an einer Mitarbeit an diesem interessanten Museumsprojekt hat, kann sich gerne auf der Website des Vereins www.ahrtalbahnfreunde.de informieren. Neue Mitglieder sind herzlich willkommen. Detlef Griesbach / Ahrtalbahnfreunde e. V.

Im Rahmen der Elektrifizierung der Ahrtalbahn wurden alte Signalanlagen demontiert; die Ahrtalbahnfreunde waren vor Ort und durften sich – mit Genehmigung der DB – für das künftige Museum „bedienen“. Foto: Heinz Grates
Feinste Mechanik: Die Bedienanlagen im alten Stellwerk am Ahrweiler Bahnhof; auch diese Technik wird künftig in Bad Bodendorf zu sehen sein. Foto: Görgler
Das Bad Bodendorfer Bahnhofsgebäude kann mit einer vielseitigen Geschichte aufwarten, wie einer Informationstafel zu entnehmen ist. Foto: Anton Simons, AW-Wiki.

Vereinsfahrten

Sonderzug nach Berlin am historischen Datum

Beliebte Sammlerstücke: Der Verein „Baureihe E10“ als Veranstalter hatte vorgesorgt und bot zur Erinnerung an die Fahrt die passenden Zugschilder an. Foto: Görgler

9. November 2024. Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin – und das aus einem historisch begründeten Anlass. So eingestimmt begaben sich rund 30 Mitglieder und Freunde des Vereins Ahrtalbahnfreunde e.V. am 9. November mit einem historischen Sonderzug in die deutsche Hauptstadt. Dort wurde der 35. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer 1989 gefeiert. Deshalb trug der vom Verein „Baureihe E10“ und dem DB-Museum Koblenz eingesetzte Sonderzug auch den Namen „Brandenburger Tor“.

Einfahrt frühmorgens in den Bahnhof von Remagen: Die 1974 in Betrieb genommen Schnellzug-Elektrolokomotive 103245-7 an der Spitze des historischen Intercity-Zuges. Die über Jahrzehnte bewährt E-Lok erreichte mitunter Tempo 200. Foto: Görgler
Gut gefahren: Sechs Minuten früher als im Fahrplan angekündigt erreichte der Sonderzug Berlin … von Eisenbahnfeunden (unten) bereits sehnsüchtig erwartet. Fotos: Görgler


Eine Tagesfahrt von Remagen nach Berlin heißt für alle Teilnehmenden früh aufzustehen. Um 5:35 Uhr verließ der aus Intercity-Waggons aus den 1970er Jahren bestehende Zug Remagen. An der Spitze fuhr die legendäre Lok der Baureihe E 103. Waggons und Lok gehören dem DB-Museum in Koblenz. Schon entlang der Strecke fand der Zug hohe Aufmerksamkeit, als zahlreiche Eisenbahnfans fotografierten. Die 30köpfige Zugbegleitung unter der Regie des Baureihe E10-Vereinsvorsitzenden Martin Rese hatte alle Händen voll tun mit der Bewirtung ihrer Fahrgäste. Dabei begann die Fahrt gleich mit einer schlechten Nachricht: Die zur Abfahrt in Koblenz bestellten 800 Brötchen waren ausgeblieben, so dass Unterstützer unter den Fahrgästen an verschiedenen Haltebahnhöfen Brötchen besorgen mussten.

Kompetente Führung: Dr. Richard Volk (Mitte) wußte anschaulich über Bauwerke und die interessante Geschichte Berlins zu erzählen. Foto: Görgler
Gruppenbild vor dem hl. Georg mit Drachen, zwischen Spree und Zille-Museum gelegen. Das gelungene Foto machte für die Bahnfreunde aus dem Ahrtal eine Touristin aus dem Rheinland

„F 337/337 Brandenburger Tor“ erreichte Berlin Hauptbahnhof überpünktlich – sechs Minuten früher als geplant! Dort erwartete der frühere Sinziger Dr. Richard Volk die Gruppe zu einer spannenden Führung durch das Berliner Zentrum und die Geschichte der Stadt. Schon vor der Mauer, um die es an diesem Tag ging, gab es in Berlin zwei andere Mauern – eine als typische Stadtmauer im Mittelalter errichtet und eine erweiterte in der Barockzeit, mit dem Brandenburger Tor (um 1790) als letztes der ehemaligen 18 Stadttore.
Volk beschrieb am Bahnhof Warschauer Straße die heutige Bedeutung der zentralen Stadtbezirke Friedrichshain (früher Osten) und Kreuzberg (früher Westen), präsentierte die „East Side Gallery“ an einer Mauerrückseite und erzählte von den alten Städten Berlin und Cölln (gegründet von Kölnern). Er zeigte das älteste erhaltene Gebäude von Berlin (Klosterruine von 1250) und mit der Nikolaikirche die älteste Kirche der Stadt.

Rund um das Brandeburger Tor fanden zum Gedenktag verschiedene Aktionen statt. Foto: Görgler

Passend zum Gedenktag des Mauerfalls, der seinerzeit das Ende der DDR einläutete, richtete Volk den Blick auf ablesbare Spuren von Politik und Architektur der DDR. Vorbei am Brandenburger Tor, das wegen des Festbetriebs nicht unmittelbar erreichbar war, kam die Gruppe zurück zum Hauptbahnhof. Ulli Stumm und Matthias Röcke vom Vorstand der Ahrtalbahnfreunde dankten Volk für die hochspannende Führung. Dank galt ebenso Vorstandsmitglied Edgar Steinborn, dessen systematische und kleinteilige Planung den ungewöhnlichen, erlebnisreichen Tagesausflug überhaupt ermöglicht hatte. Text: Matthias Röcke

Bildergalerie (Motive anklicken), Fotos Görgler, Röcke

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Ankündigung: Sonderfahrt mit 50 Jahre altem Schnellzug nach Berlin

Rückblick: Bereits 2023 startete ein Sonderzug des Vereins „Baureihe E10 e.V“ ab Remagen, Ziel war der Weihnachtsmarkt in Erfurt. Stark vertreten waren dabei auch die Ahrtalbahnfreunde, die im kommenden November nach Berlin wieder mit dabei sein werden. Foto: ATBF

Juni 2024 / Remagen / Berlin. In der Nacht zum 9. November 1989 kam es in Berlin mit der Gewährung der Reisefreiheit für die DDR-Bürger zum bedeutendsten historischen Ereignis der deutschen Nachkriegsgeschichte: Dem Mauerfall. Anlässlich der Würdigung dieses Ereignisses hat sich der in Köln ansässige Verein Baureihe E10 e.V. entschieden, am 9. November 2024 den Sonderzug „Brandenburger Tor“ nach Berlin einzusetzen. Der Zug wird gegen Mittag zu den Feierlichkeiten in der Hauptstadt ankommen. Zahlreichen Open-Air-Veranstaltungen, Ausstellungen und Führungen ergänzen die offiziellen Feier.
Ein spezieller Reiz dieser Fahrt liegt auch darin, dass sie mit originalem Wagenmaterial aus der Zeit vor dem Mauerfall durchgeführt wird – nun aber ohne die seinerzeit obligatorischen Grenzaufenthalte mit Passkontrolle in den Grenzbahnhöfen. Dort wurden die Transitzüge nach Westberlin von DDR-Grenzsoldaten auch nach versteckten Flüchtlingen aus der DDR durchsucht, etwa mit Hilfe von Suchhunden unter den Waggons oder das Ausleuchten von Hohlräumen in den Dächern.
Neben den Feierlichkeiten an vielen Orten in der Stadt hat Berlin auch sonst viel zu bieten: Das Brandenburger Tor mit dem neu gestalteten Pariser Platz und der Prachtstraße „Unter den Linden“, den Reichstag, die Siegessäule, den Alexanderplatz mit Fernsehturm, den Checkpoint Charlie sowie diverse Gedenkstätten zum ehemaligen Mauerverlauf wie der weltbekannten East-Side Gallery am Ostbahnhof.
Der Sonderzug „Brandenburger Tor“ des Vereins „Baureihe E10 e.V.“ bietet die ideale Anreisemöglichkeit zu den Feierlichkeiten „35 Jahre Mauerfall“ in Berlin. Er startet gegen 06:00 Uhr in Remagen und hält an den Zustiegsbahnhöfen Bonn Hbf (Abfahrt ca. 06:30 Uhr), Köln Hbf, Düsseldorf Hbf, Duisburg Hbf, Essen Hbf, Bochum Hbf und Dortmund Hbf. Von dort führt die Fahrt ohne Halt über Hannover und Oebisfelde zu den Zielbahnhöfen Berlin Hbf und Berlin Ostbahnhof.
Die Rückfahrt erfolgt etwa gegen 18:30 Uhr ab Berlin Ostbahnhof. In den Wagen der 1. Klasse, welche auch im legendären TEE zum Einsatz kamen, reisen die Fahrgäste komfortabel in sehr bequemen Sitzen mit viel Beinfreiheit. Die Wagen der 2. Klasse bestehen aus klassischen Abteilwagen wie sie vor 40 Jahren allgegenwärtig waren. Auf dem gesamten Laufweg wird der Sonderzug von einer E-Lok der Baureihe 103 gezogen, die ab Mitte der 70er Jahren als Star der Deutschen Bundesbahn – wie heute der ICE – auf fast jedem DB-Werbeplakat zu finden war.
Der Baureihe E10 e.V. ist ein gemeinnütziger, inzwischen über 80 Mitglieder zählender Verein mit Sitz in Köln, der im Jahr 2007 gegründet wurde. In erster Linie engagiert er sich für den Erhalt der Elektrolokomotive der Baureihe 110 aus den 50er Jahren. Hier stehen die Sicherung, Aufarbeitung und Präsentation der im DB-Museum in Koblenz-Lützel untergestellten Vereinslokomotiven 110 152 und 110 300 im Fokus. Neben den Arbeiten an den Vereinslokomotiven befasst sich der Verein mit der Sammlung und Archivierung von Daten, Fakten, Fotos und Dokumenten über die 411 Serien- und die fünf Vorserienlokomotiven dieser Baureihe.
Im letzten Jahr hat der Verein mit der Durchführung seines ersten Sonderzuges zum Erfurter Weihnachtsmarkt Neuland betreten und war von der Resonanz positiv überrascht. Mit der Fahrt nach Berlin möchte er nun in diesem Jahr an den Erfolg anknüpfen. Der Erlös der Fahrt kommt zu 100 % den Lokomotiven und der Vereinsarbeit zugute!
Fahrkarten: Die Fahrpreise betragen für Hin- und Rückfahrt in der 1. Klasse 115 Euro und in der 2. Klasse 85 Euro, Kinder von 6-14 zahlen in der 1. Klasse 79 Euro bzw. in der 2. Klasse 49 Euro. Im Fahrpreis ist die Platzreservierung und Reiseleitung inbegriffen.
Weiter Informationen, auch zur Buchung der Fahrkarten:
Internet: www.e10ev.de/sonderzug/
Email: kontakt@e10ev.de
Postanschrift: Baureihe E10 e. V., Pappelweg 22, 51503 Rösrath. EB

Ahrtalbahn: Brückenbau

Aktualisierung: Brücke liegt komplett auf!

Ahrtalbahnfreund Rainer Pollig hat „Marienthal 2“ am 14.11. fotografiert: Nach tagelangem „Ziehen“ hat die Stahlkonstruktion ihre Position erreicht und liegt sicher auf Widerlager und Pfeiler. Ein Baustein mehr zum Wiederaufbau an der Ahr bzw. für die Ahrtalbahn, die Ende 2025 auf kompletter Strecke bis Ahrbrück verkehren soll.

Marienthal 2: Fertiges Modul im Schiebemodus

Marienthal/Ahrtal. Im Ahrtal findet ein wichtiges Aufbauprojekt gerade ganz besondere Beachtung: Der Wiederaufbau der zerstörten Ahrtalbahn zwischen Walporzheim und Ahrbrück. Aufzubauen sind hierbei, neben der Trasse, insgesamt 13 zerstörte Brücken. Die Pfeiler wurden so gestaltet, dass diese den Ablauf der Ahr bei weiteren Hochwassern nicht einengen sollen. Zudem erhalten die Brücken eine geringere Höhe als die zerstörten, historisch-schönen Bauwerke. Und es gibt eine nicht alltägliche Zusammenarbeit: Wo es technisch möglich ist, werden die Ahrtalbahn-Brücken gleich mit der vielfach parallel verlaufenden Trassen für den Radweg realisiert.

Drohnen-Fotos der Baustelle aus östlicher (oben) und westlicher Richtung. Gut zu sehen: Die 68 Meter lange Stahlkonstruktion, die nach wochenlanger Vorarbeit als komplettes Modul auf Widerlager und Pfeiler geschoben wird

Die schweren Stahlbrücken werden hydraulisch, in relativ kurzen Schüben, Stück für Stück vorangeschoben. So zum Start etwa das 68 Meter lange Stahlteil in der Kurve unterhalb von Marienthal. Wo es die Verhältnisse zulassen, werden die Bauwerke für Bahn und Radweg in einem Zuge errichtet. Beim vorliegenden Projekt wurde die Bahnbrücke jetzt bereits gesetzt, und die notwendigen Pfeiler für den Radtrasse in diesem Zuge gleichzeitig gebaut. Nun wurde die stählerne Bahnbrücke Schub um Schub hydraulisch – wie von Geisterhand – von den Fachfirmen auf die Brückenpfeiler, und weiter Richtung gegenüberliegendes Ufer gezogen.

Interessant: Die Zugvorrichtung aus stabilen Stahlträgern mit straff geführten Stahlseilen

Aus diesem Anlass luden Deutsche Bahn sowie das Mainzer Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität jetzt zu einem Pressetermin vor Ort ein. Der DB-Konzernbevollmächtigte für Rheinland-Pfalz und das Saarland, Klaus Veenhusen, betonte die große Bedeutung der Ahrtalbahn. „Mit dem Einhub der Brücke haben wir einen wichtigen und symbolträchtigen Meilenstein für das Ahrtal erreicht. DB und die beteiligten Baufirmen geben alle Energie, damit die Züge auf der Ahrtalbahn Ende 2025 wieder wieder fahren können – Umweltfreundlich unter Strom, statt wie bisher mit Diesel.“ Ursprünglich hatte auch der Rheinland-Pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer seine Teilnahme an dieser Veranstaltung zugesagt, wegen einer Erkrankung musste dieser jedoch sein Kommen absagen.

Von links: Petra Dick-Walther (Staatssekretärin am Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau des Landes Rheinland-Pfalz), Katrin Eder (Ministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität des Landes Rheinland-Pfalz), Klaus Vornhusen (DB-Konzernbevollmächtigter für Rheinland-Pfalz und das Saarland) und Cornelia Weigand (Landrätin für den Kreis Ahrweiler)

Katrin Eder, Ministerin für Klimaschutz, Energie, Umwelt und Mobilität des Landes Rheinland-Pfalz, betonte ebenfalls diese Verbesserungen für die Region. Wie bereits frühzeitig in Blick Aktuell berichtet, sollen ja ab 2026 wieder Züge bis Ahrbrück im Zwanzig-Minuten-Takt verkehren. Und soll es gemäß früherer Aussage davon eine stündlich durchgehende Verbindung Ahrbrück bis Köln geben. Eder betonte weiter, dass im Zuge des Wiederaufbaus viele Bauwerke „hochwasserresilient“ erfolgen werden. Verklausungen durch Hochwasser soll es an den Brücken so nicht mehr geben. Eder betonte auch die gute Zusammenarbeit mit Fachleuten und Wissenschaftlern. Und brachte – auch in Anbetracht der Katastrophe in Spanien – die Notwendigkeit nachhaltiger Mobilitätsformen im Kampf gegen die Erderhitzung vor. Petra Dick-Walther, Staatssekretärin Im Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, stellte ebenfalls heraus, das es „hier die Besonderheit gäbe, dass Bahninfrastruktur und die Radwegeinfrastruktur gemeinsam vorangebracht werden. Vor Ort war auch Stefan Gleißner, Leiter der DB-Infrastrukturprojekte Mainz-Koblenz. Ebenso wie Christian Sauer, verantwortlich für den Wiederaufbau. Die (DB) Deutsche Bahn hatte auch zahlreiche weitere Gäste eingeladen: So etwa Thorsten Müller, Verbandsdirektor des SPNV Nord, Vertreter des Landesbetriebes für Mobilität (LBM), Kreisstadtbürgermeister Guido Orthen, Verbandsbürgermeister Dominik Gieler, Ratsmitglied Rolf Schmitt (Dernau/Marienthal), Gregor Sebastian (Walporzheim), Martin Schell und Sebastian Sonntag (Zukunft Mittelahr/AöR) sowie diverse Mitarbeiter der beteiligten Fachfirmen.
Text: Willi Tempel, Fotos (5): Deutsche Bahn AG / Michael Neuhaus



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Brückenbaustelle Marienthal: Beeindruckende Großbaustelle

Mit Hochdruck wird am Wiederaubau der Ahrtalbahn gearbeitet, hier eine der Brückenbaustellen zwischen der Felspartie „Bunte Kuh“ und Marienthal.

Sept. 2024 / Ahrtal. Immer wieder beeindruckend ist der Einsatz beim Wiederaufbau der Ahrtalbahn, hier speziell an der Mittelahr. Unsere Fotos zeigen die Brückenbaustelle Marienthal 2, wo das 68 m lange Stahlkonstrukt bereitliegt, um nach Fertigstellung von Pfeiler und Widerlager auf den vorgesehenen Platz geschoben zu werden. Der Brückenaufbau wurde zuvor in einem Montagezelt aus sechs Modulen (je 40 t schwer) zusammengefügt.

Insgesamt müssen auf dem 14 Kilometer langen Teilstück zwischen Walporzheim und Ahrbrück 13 Brücken neu gebaut und acht weitere saniert werden, so dem Vernehmen nach die laufenden Planungen. Darüber hinaus laufen die Gleisbauarbeiten, der Bau neuer Bahnstationen sowie spezielle Maßnahmen zum Hochwasserschutz wie Stützbauwerke und Durchlässe.

Wir werden weiter vor Ort sein und berichten. JG/ATBF/Fotos Görgler

Trotz Großeinsatz braucht es seine Zeit: Das Brückenwerk Marienthal 2 soll möglichst noch in 2024 fertig werden, die gesamte Strecke bis Ahrbrück Ende 2025.

Neues Youtube-Video zum Fortschritt des Wiederaufbaus

Einfahrt der Regionalbahn in Walporzheim, kurz vor dem endgültigen Abbau des ehemaligen Bahnhofgebäudes, das künftig im Freilichtmuseum Kommern stehen wird. Foto: Görgler

Juli 2024 / Ahrtal. Mit einem weiteren Video setzen die Ahrtalbahnfreunde ihre Berichterstattung über den Wiederaufbau der Bahnstrecke auf dem eigenen Youtube-Kanal fort. „Neu- und Umbau der Verkehrsstationen an der Ahrtalbahn“ lautet der Titel des interessanten Beitrages von Edgar Steinborn, im Fokus stehen Bad Bodendorf, Heimersheim-Lohrsdorf, Walporzheim und Dernau. JG