Wiederaufbau Ahrtalbahn

Lücke im Oberleitungsnetz: Elektrobetrieb bei Ahrweiler derzeit nur auf Gleis 2

Auf dem falschen Gleis? Die elektrisch angetriebenen Mireo-Züge der Mittelrheinbahn (RB32) können derzeit noch zwischen Walporzheim und Ahrweiler ausschließlich Gleis 2 nutzen.

Januar 2026. Weil die Oberleitung im Gleis von Walporzheim nach Ahrweiler noch nicht genutzt werden kann, muss die elektrisch angetriebene Regionalbahn vom Typ Siemens Mireo Smart auf der Linie RB32 in diesem Abschnitt das Gegengleis befahren, wie auf unserem Foto auf Höhe des Haltepunktes Ahrweiler. Dagegen können die Dieseltriebwagen der RB30 auf dem Regelgleis fahren. Der mit dem elektronischen Stellwerk eingeführte Gleiswechselbetrieb macht dies technisch problemlos möglich. An den Haltepunkten gibt es diesbezüglich entsprechende Hinweise für die Fahrgäste. Ursache ist dem Vernehmen nach, dass die Oberleitung im Regelgleis Walporzheim-Ahrweiler nicht rechtzeitig zur Wiedereröffnung der gesamten Ahrstrecke fertiggestellt werden konnte. Unsere Anfrage beim Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord (SPNV Nord), wie lange diese Betriebssituation noch anhalten werde, ergab seitens der für die Eisenbahninfrastruktur zuständigen Bahntochter DB InfraGo den Hinweis, dass die erforderlichen Restarbeiten voraussichtlich ab März 2026 ausgeführt werden.

Die Spundwand bei Heimersheim ist nahezu fertig, zum 11. Juli diesen Jahres soll die Zweigleisigkeit zwischen Bad Neuenahr und Remagen wieder hergestellt sein.

Weiterhin von Bedeutung für die Ahrstrecke ist der nahezu abgeschlossene Bau der 900 m langen Spundwand als besondere Maßnahme zum Schutz der Gleisanlagen bei künftigen Hochwassersituationen im Bereich von Heimersheim. Hier ist die Wiederinbetriebnahme des zweigleisigen Verkehrs zwischen Bad Neuenahr und Remagen für den 11. Juli 2026 eingeplant, womit die Mireo-Einheiten der Mittelrheinbahn auf der Linie RB32 auch durchgehend bis Ahrbrück verkehren können; bisher sind diese Bahnen wegen der noch nicht durchgehenden Zweigleisigkeit mangels ausreichender Zeit im Wechselbetrieb nur bis Altenahr unterwegs. Ebenso für Juli ist die Umstellung der Linie RB30 (DB Regio) auf elektrisch angetriebene Regionalbahnen des Typs Talent 2 geplant. Unsere Grafik zeigt Haltepunkte und Bahnhöfe der Ahrtalstrecke mit Stand Dez. 2026. Text/Fotos Görgler/Gies

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Erleichterung und viel Lob zur Eröffnungsfeier

Mit Beifall wurde der erste Sonderzug nach dem Festakt im Bahnhof Altenahr empfangen. Für die Bevölkerung war am Festtag (12.12.2025) von nachmittags bis in den Abend hinein ein kostenloser Pendelverkehr vom Haltepunkt Dernau aus über den Bahnhof Altenahr bis zur Endstation in Ahrbrück organisiert worden. Fotos: Görgler

12. Dez. 2025. Ahrtal/Altenahr. Erleichterung, Lob und Emotionen, so kann man die gelungene Wiederinbetriebnahme der gesamten Strecke der Ahrtalbahn von Remagen bis Ahrbrück nach viereinhalbjähriger Bauzeit zusammenfassen. Für die Menschen im Ahrtal ebenso wie für alle Beteiligten ist dies ein bedeutendes „Leuchtturmprojekt“. Grund genug also für die Deutsche Bahn (DB), dieses Ereignis zwei Tage vor dem regulären Start des neuen Fahrplans am 14. Dezember in einem Festzelt am Bahnhof Altenahr mit Gästen und der heimischen Bevölkerung zu feiern. Das Angebot stieß auf großes Interesse.

Begrüßung der Ehrengäste zur Einweihungsfeier der Ahrtalbahn, Treffpunkt war zunächst am neuen Haltepunkt Dernau: Bahnchefin Evelyn Palla, Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder und der rheinlandpfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer. Foto: Uli Stumm

Noch am Vorabend wurden die letzten Arbeiten am neuen Bahnhaltepunkt Dernau (jetzt Ortsmitte) erledigt. Ab 16.00 Uhr nutzten dann viele Bahnnutzer das Gratisangebot, endlich wieder mit dem Zug fahren zu können. Zwei Stunden vorher waren bereits etliche Radio- und Fernsehteams sowie zahlreiche VertreterInnen der Print-Medien angereist, ebenso Ehrengäste und Funktionäre. Bei deren Zugfahrt ahraufwärts brandete in den Waggons immer wieder lauter und anhaltender Beifall auf. Als später die Züge zwischen Dernau und Ahrbrück für die Bevölkerung kostenlos pendelten, war das zum Festplatz erweiterte Bahnhofsgelände in Altenahr bis in die Abendstunden gefüllt. Die Einladung hierzu kam von der Deutschen Bahn.

Einen Tag nach der offiziellen Feier, wo ausschließlich die Regionalbahn der DB (Talent) zum Einsatz kam, zeigte die Mittelrheinbahn eindrucksvoll Präsenz mit dem Mireo Smart für die neue Linie RB 32, die am darauffolgenden Tag (14.12.2025) ebenfalls ihren regulären Betrieb aufnahm. Foto: Jürgen Gies

Vielfaches Lob gab es für die beteiligten Firmen, allen voran „Leonhard Weiss.“ Wegen deren Offenheit entstand auch ein guter Kontakt zur heimischen Bevölkerung. Am Freitag lud auch die Firma Weiss in Mayschoß und Dernau beispielsweise zu Getränken und Currywurst ein.

Stolz und Erleichterung nach dem erfolgreichen Wiederaufbau der Bahnstrecke: Eine Delegation von MitarbeiterInnen des federführenden Bauunternehmens Leonard Weiss sowie der beteiligten Subunternehmen. Foto: Görgler

Evelyn Palla, seit kurzem Vorsitzende des Vorstands der Deutschen Bahn, wirkte sachlich und sehr gut informiert – Schließlich ist sie eine Frau der Basis: Als frühere Lokführerin hat sie eigene Erfahrungen sammeln können. Sie äußerte auch Mitgefühl mit den Menschen im Ahrkreis nach der Flutkatastrophe Mitte 2021. Und die massiven Zerstörungen der Trasse der Ahrtalbahn seien gewaltig gewesen. Die Lebensader beginne wieder zu pulsieren. „Das sei für sie ein besonders schöner Tag – Die Bahn sei wieder im Ahrtal.“ Es gäbe attraktive Verbindungen, und modernste Technik.

In diese Richtung äußerte sich auch der Bundesminister für Verkehr, Patrick Schnieder. Er betonte dabei das moderne Zugmaterial. Und dies mache die Bahn auch für den Berufsverkehr und die Betriebe attraktiv. Durch die Elektrifizierung werde die Strecke enorm aufgewertet. Das gelte aber ebenso für Touristen.

Landrätin Cornelia Weigand ging sehr einfühlsam nochmals zur verheerenden Flutkatastrophe zurück. Die moderne Ahrtalbahn sei ein ganz wichtiges Projekt zur Verbesserung der Infrastruktur. Sie äußerte sich auch positiv, dass die Verantwortlichen ihre Zusagen eingehalten haben. Weigand war es auch, die nach der Flut sehr frühzeitig und erfolgreich eine Allianz für die Fluthilfen für den Landkreis Ahrweiler angeschoben hatte.

Landrat Achim Hallerbach- Verbandsvorsteher des Zweckverbandes Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord (SPNV Nord) fehlte aus persönlichen Gründen. Es freue ihn sehr, dass das Ahrtal wieder per Zug erreichbar sei. Dass mit dem Wiederaufbau gleichzeitig die komplette Elektrifizierung vorgenommen wurde, sei ein großer Gewinn für die Region. Ihn vertrat Verbandsdirektor Thorsten Müller.

Gekommen war auch der stellvertretende Vorsitzende von ProBahn Rheinland-Pfalz und Saarland, Justin Drescher. Der Pro Bahn-Vorsitzende für Rheinland und das Saarland, Noah Wand, hatte sich bereits im Sommer ein Bild vom Fortgang der Arbeiten gemacht und dabei nicht an Lob gespart.

Die Ahrtalbahnfreunde waren bei der Eröffnungsfeier im Festzelt der Bahn mit eigenem Informationsstand vertreten, woraus sich viele Interessante Gespräche und auch Anfragen zur Mitarbeit im Museumsprojekt des Vereins ergaben. Fotos: Görgler
Erinnerungsfoto auf der Bühne: Die Ahrtalbahnfreunde gemeinsam mit Landrätin Cornelia Weigand und Christian Sauer, DB-Projektleiter für den Wiederaufbau der Ahrtalbahn.

Der Verein Ahrtalbahnfreunde e. V. war bei der Feier auf Einladung der Bahn mit eigenem Stand und zahlreichen Helferinnen und Helfern vertreten. Neben interessantem Informationsmaterial über die Aktivitäten des Vereins gab es dort auch Filmvorführungen, schließlich haben die Bahnfreunde den Wiederaufbau der Ahrtalbahn mit kontinuierlichem Einsatz begleitet und das Geschehen in Wort und Bild dokumentiert – für Presseberichte, Social-Media und natürlich das eigene Archiv. Die Ahrtalbahnfreunde sind seit ihrer Gründung im Jahr 1999 immer wieder mit Beiträgen und Diskussionen für die Verbesserung des Angebotes eingetreten. Text: Willi Tempel / ATBF

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Mammutprojekt: 18 Kilometer Gleis und fast zwei Dutzend Brücken wiederaufgebaut

Die von der Bahn erstellte Skizze verdeutlicht den enormen Aufwand, der mit dem Wiederaufbau des besonders stark zerstörten Streckenabschnitts zwischen Walporzheim und Ahrbrück verbunden war.

Die Deutsche Bahn hat die durch die Flutkatastrophe 2021 stark beschädigte Infrastruktur der Ahrtalbahn (Gesamtstrecke 29 km) wiederhergestellt und modernisiert sowie verschiedene Bauprojekte neu umgesetzt. Durch nahezu völlige Zerstörung am schlimmsten betroffen war der 14 km lange Streckenabschnitt zwischen Walporzheim und Ahrbrück, der jetzt erstmalig wieder in Betrieb genommen werden konnte, womit die Ahrtalbahn insgesamt wieder in vollem Umfang funktioniert. Den Schwerpunkt dort bildeten 18 Kilometer Gleise, 22 Brücken (davon 15 neugebaut), fünf Tunnel und zehn Stationen bzw. Haltepunkte. Zudem mussten alle Stützbauwerke, Durchlässe und Bahndämme erneuert oder saniert werden. Für die Wiederherstellung der Gesamtstrecke wurden 18 Kilometer Gleis mit 28.000 Schwellen, 60.000 Tonnen Schotter, 36.000 Meter Schienen und 9 Weichen erneuert.

Im Rahmen der Elektrifizierung im gesamten Streckenbereich wurden 880 Mastfundamente und 55 Kilometer Oberleitung installiert. Ebenso werden 84 neue Signale eingesetzt. 19 Bahnübergänge wurden auch technisch erneuert und an das neue ESTW in Ahrweiler angeschlossen, welches bereits seit September 2023 in Betrieb ist und die vier mechanischen Stellwerke aus den 1950er Jahren ersetzt. Zudem hat man darauf geachtet, dass die Anlagen wie alle Baumaßnahmen weitestgehend widerstandsfähiger gegen künftige Hochwasserereignisse ausgeführt worden sind.

Der Wiederaufbau wurde durch die enge Zusammenarbeit von Bund, Land, Kreis, Kommunen, der Deutschen Bahn und dem SPNV Nord ermöglicht und konnte dank vereinfachter Planungs- und Vergabeverfahren innerhalb von vier Jahren weitgehend abgeschlossen werden. Auch die zehn zerstörten Haltepunkte wurden umfassend modernisiert, wobei der Bund das Gesamtprojekt finanzierte und die Elektrifizierung gemeinsam vom Bund und vom Land Rheinland-Pfalz getragen wurde.

Die von den Ahrtalbahnfreunden erstellte Skizze zeigt die aktuellen Bahnhöfe/Haltepunkte sowie mögliche künftige Haltepunkte der Ahrtalbahn. Die zusätzlichen Stopps sind u. a. dadurch möglich, dass elektrisch angetriebene Züge schneller beschleunigen können und kürzere Bremswege benötigen, womit sich nichts am vorgesehen Regelverkehr ändern würde. Interessant auch der Hinweis auf das Domizil der Ahrtalbahnfreunde im ehemaligen Bahnhofsgebäude von Bad Bodendorf, mit regelmäßigen Infoveranstaltungen (Bahntreff Rhein-Ahr) und dem im Aufbau befindlichen Ahrtalbahnmuseum.

Die Wiedereröffnung der Ahrtalbahn als elektrische und klimafreundliche Verbindung hat sowohl für die Bevölkerung als auch für den Tourismus in der Region eine hohe Bedeutung. Klimaschutzministerin Katrin Eder betonte, dass die vollständige Elektrifizierung der Strecke eine deutliche Qualitätsverbesserung darstelle, da die Züge künftig mit Strom aus erneuerbaren Energien fahren und die neuen Bahnhöfe barrierefreies Reisen ermöglichen. Nach Abschluss der verbleibenden Bauarbeiten sei zudem eine direkte Anbindung an Koblenz vorgesehen, wodurch zusätzliche Kapazitäten im Abschnitt Remagen–Koblenz geschaffen werden können. Textbasis: Pressemitteilungen der Behörden.

Ahrtalbahnfreunde: Gelungene Teilnahme am Bad Bodendorfer Adventsmarkt

Mit zu den ersten Weihnachtsmärkten im Ahrkreis gehört der Bad Bodendorfer Adventsmarkt. Da sich das ganze Geschehen rund um den Bahnhof abspielt, waren die Ahrtalbahnfreunde (ATBF), die in einem Teil der dortigen Räumlichkeiten eine Bleibe gefunden haben, natürlich mit von der Partie. Die Crew um ihre Vorsitzenden Ulrich Stumm und Wolfgang Groß sowie dem für die Errichtung des Museums federführenden Edgar Steinborn nahm denn auch gerne die Gelegenheit wahr, die zahlreichen Besuchenden über Aufgaben und Zielsetzungen des Vereines zu informieren. Natürlich geht es in erster Linie, wie der Vereinsname ja auch schon sagt, um die Ahrtalbahn. Allerdings steht alles, was mit dem Bahnbetrieb in unserer Gegend zu tun hat, auf der Agenda. Bei den regelmäßigen Treffen, immer am vierten Mittwoch jeden Monats, sind oftmals an verantwortlicher Stelle agierende Mitarbeitende der Deutschen Bahn und ihrer Gesellschaften zu Gast, die über aktuelle Themen, wie zum Beispiel die umfangreichen Streckensperrungen, fundiert informieren.

Erinnerungsfoto der Bahnhofs-Crew am ersten Tag des Adventsmarkts
Adventsmarkt Tag 2: Nikolaus kam höchstpersönlich und sprach den ATBF seine Anerkennung für deren Engagement um den Bahnbetrieb und das künftige Ahrtalbahnmuseum aus
Fleißige Helferinnen am Kuchenstand

Mit interessanten Filmen, wie über die völlig neu erstellte Trasse, Brücken und Tunel konnte bei dieser Gelegenheit den Gästen nahegebracht werden, was ab Mitte Dezember tatsächlich Realität wird: Die Bahn fährt dann durchgehend wieder bis Ahrbrück. Allerdings werden zunächst ausschließlich die Züge der Mittelrheinbahn (Linie 30) elektrisch fahren (Mireo von Siemens). Das Zugmaterial für die Linie 32 (Ahrbrück-Remagen-Bonn) aus dem Vareo-Angebot soll bis zum Sommer 2026 voraussichtlich durch den Talent 2 (Bombardier) umgestellt sein. Zudem kann die Linie 30 vorübergehend nur bis zum Bahnhof Altenahr verkehren; dies liegt an der noch nicht abgeschlossenen Baustelle „Spundwand bei Heimersheim“, wodurch die Strecke von Remagen bis Bad Neuenahr aktuell nur eingleisig befahrbar ist, mit Auswirkungen auf den Wechselbetrieb innerhalb der Ahrstrecke.

Uli Stumm (Vorsitzender) und Edgar Steinborn (Museumsbeauftragter der ATBF) informierten über die Aktivitäten des Vereins
Kontakt zum Nachbarmuseum: Hardy Rehmann (Mitte), Vorsitzender des Fördervereins Denkmalpflege und Museum in Sinzig, beim Austausch mit den Vorsitzenden der ATBF, Uli Stumm (rechts) und Wolfgang Groß

Ein weiterer Schwerpunkt der Informationen lag auf der Schaffung des geplanten Museums. Natürlich werden hier auch alte Gegenstände aus früheren Bahnzeiten ausgestellt. Ein zeitgemäßer Ansatz ist es aber, den Besuchenden einen Einblick in die Betriebsabläufe der Bahn zu verschaffen. Das soll mit Fahrsimulationen oder an kleinen Modellen anschaulich vermittelt werden. Der Verein ist im Übrigen gut vernetzt. So gibt es konkrete Kontakte und Zusammenarbeit mit dem Ahrtourismus und anderen Museen. Als Gast konnte unter anderen auch die Museumskuratorin Elke Hartkopf von der Bonner Firma „ConCultura“ begrüßt werden, die beim Aufbau des Museum Hilfestellung leistet. Und für die Kreissparkasse als Hausherr des Bahnhofsgebäudes stattete Sascha Stuntz einen Besuch ab. Von vielen Bad Bodendorfer Bürgern wurde sehr positiv angemerkt, dass die seit langem defekte Bahnhofsuhr auf Initiative der Ahrtalbahnfreunde inzwischen wieder funktioniert. Am 12. Dezember ist dann die offizielle Einweihung der komplett erneuerten Ahrtalstrecke. In einem Festzelt am Altenahrer Bahnhof gibt es daher mit vielen Gästen aus Wirtschaft und Politik ein Bürgerfest, zu dem auch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder, Ministerpräsident Alexander Schweitzer und die neue Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Evelyn Palla, erwartet werden. Auch die Ahrtalbahnfreunde sind dort mit einem Infostand vertreten und nehmen im Verlauf des Programms an einer Talkrunde teil. Neue Mitglieder sind im Übrigen herzlich willkommen. Bei Interesse kann man sich unter www.ahrtalbahnfreunde.de schon einmal vorab informieren -oder einfach mal zum monatlichen Treffen im Bad Bodendorfer Bahnhof vorbeischauen.
DG / Fotos: ATBF

Freunde der Ahrtalbahn auf Sonderfahrt nach Speyer

Die Ahrtalbahnfreunde beim Ausstieg auf dem Bahnhof in Speyer. Foto: Uli Stumm
Der Speyrer Dom, hier mit Blick aus der Maximilianstraße mit dem Stadthaus links. Der bedeutende Sakralbau zählt zu den drei romanischen Kaiserdomen in Deutschland (geweiht 1061). Als größte romanische Kirche überhaupt steht er auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes. Foto: Jürgen Görgler

Oktober 2025 / ATBF. Schon fast zur Tradition geworden ist die herbstliche Sonderfahrt des rührigen Vereins. War im letzten Jahr zum 35. Jahrestag des Mauerfalls Berlin das Ziel, ging kürzlich eine Gruppe von Vereinsmitgliedern und Befreundeten auf große Fahrt. Natürlich wurde mit der Bahn gereist, aber nicht einfach so. Zum Einsatz kam wieder der Sonderzug des Kölner Vereins „Baureihe E 10“ (https://www.e10ev.de/). Es handelt sich hierbei um einen historischen Zug aus dem späten letzten Jahrhundert im charakteristischen weinrot-beigen Outfit.
Um 5:58 Uhr ging es am Samstagmorgen ab Remagen los. Zunächst rheinabwärts, bei einigen Zwischenhalten an der Rheinschiene und im Ruhrgebiet stiegen in Witten dann auch die letzten Fahrgäste zu. Die Ahrtalbahnfreunde hatten einen ganzen Großraumwagen, natürlich 1. Klasse mit viel Beinfreiheit, für sich alleine belegt. Um die lange Fahrtzeit auch körperlich gut zu überstehen, war für Snacks und flüssige Nahrung bestens gesorgt. Entweder deckte man sich im Bistrowagen selbst ein, oder wurde vom überaus freundlichen Personal mittels voll beladenem Servicewagen am Platz bedient, und das Ganze zu überaus zivilen Preisen. Klar, dass bei einem solchen Angebot dann auch allerbeste Stimmung aufkam. Hier eine kleine Plauderei mit Freunden, da lernte man neue nette Leute kennen, die Zeit verging dabei ganz schnell.
Pünktlich, und das ist heute ja gar nicht so oft der Fall, erreichte der Zug kurz nach halb zwei den Zielbahnhof Speyer. Hier gab es ganz unterschiedliche Angebote. Die einen besuchten das Technikmuseum, andere ließen sich bei einer Stadtführung die Geschichte Speyers näherbringen – natürlich mit einem Besuch des Doms, dem weltweit größten romanischen Kirchenbau. Und manche schlenderten einfach so durch die Stadt und ließen es sich bei einem leckeren Stück Kuchen gut gehen.

Eine interessant Stadtführung gehört zum Programm beim Besuch der rheinland-pfälzischen Domstadt. Foto: Edgar Steinborn

Pünktlich kurz nach halb sieben ging es wieder heimwärts. Neben leckeren hausgemachten Frikadellen und anderen Kleinigkeiten bot die Küche nun auch warmen Fleischkäse an. Und Getränke waren auch noch genügend an Bord. So verlief die Rückfahrt wieder in einer geselligen, freundlichen Atmosphäre.
War die Hinfahrt absolut pünktlich, einen kleinen Wermutstropfen musste man doch schlucken: Wegen einer Stellwerksstörung bei St. Goar wurde der Zug bei Mainz zunächst auf die rechte Rheinseite umgeleitet, hatte hier wegen Bauarbeiten auch noch einige kleine Verzögerungen. Nach erneutem Rheinwechsel traf man eine halbe Stunde später in Remagen ein. Das war aber leicht zu verkraften, denn im Kreis von Freunden schaut man eh nicht so sehr auf die Uhr. Ein langer, aber sehr schöner Tag ging zu Ende – es war wieder ein tolles Erlebnis.
Viele haben schon ihr Interesse gezeigt für die nächste Fahrt: Am 5. Dezember 2026 geht es dann zum Weihnachtsmarkt nach Lübeck. Die Freunde der Ahrtalbahn werden dann sicher wieder mit großem Gefolge dabei sein. DG

Erster Personenzug seit der Flutkatastrophe (Juli 2021) im mittleren Ahrtal unterwegs!

Fachleute der Bahn und Politik infirmierten sich über den gelungenen Wiederaufbau der Ahrtalbahn. Zum Einsatz kam ein klassischer alter Schienenbus (VT 798) der EVG aus Linz am Rhein. Foto: Willi Tempel

Oktober 2025/Ahrtal. Für Aufsehen sorgte kürzlich ein roter Schienenbus, der auf der noch nicht freigegebenen Gesamtstrecke der Ahrtalbahn bis nach Kreuzberg unterwegs war. Anlaß war die siebte Sitzung des Sektorbeirats im Bundesverkehrsmínisterium beim Eisenbahnbundesamt in Bonn.

Als Sonderzugfahrt ging es zunächst vom Bonner Hauptbahnhof bis zum derzeitigen Endpunkt der Ahrstrecke am Haltepunkt Walporzheim; diese Strecke konnte bereits Ende 2021 – mit einigen Einschränkungen – wieder in Betrieb genommen werden. Ab Walporzheim, wo der Bereich Mittelahr beginnt, durfte der Schienenbus nur unter besonderen betrieblichen Rahmenbedingungen gefahren werden; die Fahrt war also sehr langsam, mit genügend Zeit für die teilnehmenden Fachleute, den fortgeschittenen Wiederaufbau zu verfolgen. Mit an Bord war Christian Sauer, als Projektleiter der DB (Deutsche Bahn) InfraGO für den Wiederaufbau der Ahrtalbahn verantwortlich.Die erfolgreichen Tunnel-Umbauten (Erhöhung wegen der Elektrifizierung) beeindruckten ebenso wie die neuen Eisenbahnbrücken und die vielen wiederhergestellten Bahndämme. Der Hochwasser resiliente Aufbau – zum Beispiel am Laacher Bogen – wurde erläutert. Auf der Gesamtstrecke erhielt die Gruppe Informationen zu den neuen bzw. wieder aufgebauten Haltepunkten Bad Bodendorf, Heimersheim-Lohrsdorf (statt bisher Heimersheim), Walporzheim, Dernau, Rech, Mayschoß, Altenahr (Kreuzungsbahnhof) und Kreuzberg, zudem wurde die Funktion des neuen elektronischen Stellwerks am Bahnhof Ahrweiler erklärt.

Alle Teilnehmer/Innen waren vom schnellen Fortschritt sowie die Art und Weise des Wiederaufbaus der Ahrtalbahn beeindruckt. Für Mitte Dezember ist die offizielle Eröffnung der Gesamtstrecke über Walporzheim hinaus bis zum End-Haltepunkt Ahrbrück geplant. WT

RB 620545: Flut überstanden

Nach Instandsetzung wieder im Einsatz
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Euskirchen/Oktober 2025: Vier Jahre nach der Flutkatastrophe an der Ahr ist der damals im Hochwasser stehende Triebwagen Nr. 620045 wieder im Einsatz. Bahnfreund Jürgen Gies entdeckte den von Alstom gebauten LINT am Bahnhof Euskirchen und stellte das Bildmaterial unserem Verein zur Verfügung. Das zweite Bildmotiv zeigt den Abtransport der Regionalbahn im September 2022, die dazu vom Bahnhof Kreuzberg nach Ahrbrück gebracht wurde. Über den Ablauf und die Kosten der Wiederherstellung haben wir bisher leider keine Auskünfte erhalten. Die Bahn ist heute wie damals für Vareo im Einsatz, eine Marke des Zweckverbands go.Rheinland, die u. a. auch das Ahrtal bedient. Ob Triebwagen Nr. 620045 auch direkt wieder im Ahrtal eingesetzt wird, ist sicherlich möglich. Über aktuelle Fotos, die wir gerne hier auch veröffentlichen, würden wir uns sehr freuen!
JG/Foto: J. Gies

Rückblick: Überflutete Regionalbahn, Abtransport über Ahrbrück

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Hochbetrieb mit schwerem Gerät: Auf dem Parkplatz am Bahnhof Ahrbrück erfolgte die Verladung der drei Zugteile „von der Schiene auf die Straße“

06.09.2022. Ahrbrück. Geschafft! In einer großangelegten Aktion wurde heute morgen die über 100 Tonnen schwere Regionalbahn – in drei Teilen – auf Schwertransporter verladen. Am Abend bzw. über Nacht soll der Transport zum Bahnhofsgelände Meckenheim erfolgen.
Die Drehgestelle des Zuges mußten übrigens nicht demontiert werden; vielmehr hat man die Magnetschienenbremsen entfernt und Querträger unter die Gelenke geschoben, so dass diese mittig angehoben und komplett mit den Wagenteilen abtransportiert werden konnten.
Bereits vor Wochen hatte der 80 m langen Zug „Fahrt aufgenommen“, indem man ihn vom Bahngelände in Kreuzberg (wo er am Abend des 14. Juli 2021 von den Wassermassen überflutet worden war) mit einem Mehrzweckfahrzeug nach Ahrbrück zog. Dazu mußten extra Behelfsgleise montiert werden, da die regulären Schienen durch die Flut mit ungeheurer Wucht aus ihrem Gleisbett gerissen und demoliert wurden.

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Nicht nur für die Kranführer der Fa. Floßdorf Millimeterarbeit…

In Meckenheim ist wiederum die Verladung auf die Schiene geplant, denn die erheblich beschädigte Regionalbahn soll zum Werk des Herstellers geschleppt und repariert werden. Für den Transport über die Straße hatte man u. a. den Lingenberg-Tunnel oberhalb von Altenahr zweitweise sperren müssen, um etwa störende Schilder zu demontieren.
Interessant dazu auch das Video über den Abtransport der Bahn auf dem Youtube-Kanal „Einsatzfahrten Rheinland“. JG

Mittelrheinbahn bei Bahntreff zu Gast

Dietmar Knerr (vorne am Pult), Geschäftsführer der Mittelrheinbahn, erläuterte die Planung für den Einsatz der neuen Ahrtalbahn-Linie RB 32. Foto: Görgler
Endspurt bei der Ahrtalbahn – MRB fährt bis Boppard

Die Arbeiten zum Wiederaufbau der Ahrtalbahn bis Ahrbrück laufen auf Hochtouren. Die beteiligten Baufirmen setzen unter der Regie von DB InfraGO alles daran, die Strecke bis zum Endpunkt wieder betriebsbereit herzustellen und befahrbar zu machen. Zielpunkt ist der Fahrplanwechsel bei der Deutschen Bahn am Wochenende 13./14. Dezember 2025.
Der für die Fahrplangestaltung zuständige Zweckverband Rheinland-Pfalz Nord in Koblenz hat ebenfalls alle Vorbereitungen getroffen, dass der Zugbetrieb zu diesem Zeitpunkt wieder aufgenommen werden kann. Neben der Verbindung Ahrbrück bis Bonn Hbf wird es stündlich eine zweite Verbindung geben, die von Ahrbrück bis Remagen und dann alle zwei Stunden bis Boppard verkehren soll. Diese Linie, RB 32, soll ab Fahrplanwechsel durch das Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) Mittelrheinbahn (MRB) betrieben werden.
Diese Information hatte die Ahrtalbahnfreunde veranlasst, zu ihrem letzten Bahntreff Rhein-Ahr im ehemaligen Bahnhof Bad Bodendorf den Geschäftsführer der MRB, Dietmar Knerr aus Koblenz einzuladen.
Knerr hat eine langjährige betriebliche Erfahrung als Geschäftsführer mehrerer EVU und gab einen aktuellen Sachstandsbericht zu den Planungen zur Aufnahme des Zugverkehrs von Ahrbrück bis Boppard. Die MRB hat für diese neuen Verkehre zunächst drei elektrische Triebwagen der Bauart Mireo Smart (Siemens) für 8 Jahre inklusive Wartunsgsvertrag geleast. Knerr erläuterte, dass für diese neuen Verkehre rund 20 Triebfahrzeugführer benötigt werden. Diese Arbeitsplätze sollen am Standort Remagen beheimatet werden. Interessenten können sich jederzeit an die MRB wenden. Eine Abwerbung von anderen EVU wird es nicht geben.
Voraussetzung für die Aufnahme des Betriebs ist die Fertigstellung der elektrischen Fahrleitung auf der Gesamtstrecke. Außerdem müssen die Lokführer der MRB Streckenkunde bis Ahrbrück erwerben, dazu wird es eine Zusammenarbeit mit DB Regio geben.
In der Diskussion gab es viele Rückfragen und Anmerkungen der zahlreichen Gäste beim Bahntreff. Falls sich die Fertigstellung der Ahrtalbahn an einzelnen Baustellen verschieben sollte, gibt es zunächst ein Ersatzkonzept bis zur endgültigen Beendigung der Arbeiten. Besonders die Arbeiten am zweiten Gleis im Bereich des ehemaligen Bahnhofs Heimersheim, wo als Hochwasserschutz längs dieser Engstelle zunächst eine bis zu 900 m lange Spundwand gesetzt wird, steht dabei im Fokus. Mit Spannung werden die Ahrtalbahnfreunde weiterhin den Fortgang der Arbeiten verfolgen.
Beim nächsten Bahntreff am 24. September im Bahnhof Bad Bodendorf wird der Verbandsdirektor des Zweckverbandes Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord (SPNV Nord) aus Koblenz, Thorsten Müller, zu Gast bei den Ahrtalbahnfreunden sein. Er wurde gebeten, ausführlich über die weiteren Planungen und Überlegungen für die verkehrliche und betriebliche Entwicklung auf und an der Ahrtalbahn zu berichten. Die Ahrtalbahnfreunde sind auch interessiert zu erfahren, wie die vielen anstehenden Baumaßnahmen auf den Rheinstrecken mit zum Teil langen Totalsperrungen verkehrlich ablaufen sollen. Die DB InfraGO hält nach wie vor daran fest, im nächsten Jahr die rechte Rheinstrecke für rund fünf Monate komplett zu sperren und zu erneuern. Im Jahr darauf soll dann die linke Rheinstrecke ebenfalls für fünf Monate total gesperrt und saniert werden. Nach diesen Arbeiten folgt dann eine 17-monatige Sperrung der Strecke Köln Hbf nach Köln Süd, in der vier innerstädtische Überführungen neu gebaut werden sollen. Wichtiger Hinweis: Der Bahntreff Rhein-Ahr am 24. September beginnt um 18:30 Uhr (nicht wie bisher 18 Uhr). Wolfgang Groß / ATBF

Spundwand soll Engstelle schützen

Einsatzbereit: Sechs Meter lange Profile für die Spundwand. Foto: Görgler
Aktualisierung (20.9.2025). Die Arbeiten an der tief im Boden versenkten Spundwand sind hier bereits fortgeschritten. Damit sollen Bahndamm und Gleise zwischen Heppingen und der östlichen Straßenbrücke nach Heimersheim bei Hochwassersituationen standhalten. Zwischen Spundwand und dem bestehenden Gleis bleibt Platz für die künftige Gegenspur, womit auf der Teilstrecke Remagen – Bad Neuenahr wieder ein zweipuriger Betrieb möglich sein wird. Foto: Görgler

27. Aug. 2025. Während an der Mittelahr Brückenbauwerke, Tunnelausbauten und Gleisaufbau trotz aller Erschwernisse in beeindruckendem Tempo erfolgten oder auch noch in Arbeit sind, läuft der Bahnbetrieb bereits seit Ende 2021 – also noch im Jahr der Flutkatastrophe – wieder zwischen Remagen und Walporzheim. Allerdings nicht durchgehend zweigleisig, denn auch im Bereich von Lohrsdorf, Heimersheim und Heppingen hatte die Ahr erhebliche Schäden angerichtet: Kanalisiert zwischen Weinberg, Straße und Bahnlinie auf der nördlichen Seite und der vierspurigen B 266 zum Süden hin staute sich das Hochwasser derart auf, dass die Wucht der Flutwelle Gleise und die äußerste Fahrspur des Autobahnzubringers erheblich zerstörte – von den schlimmen Überschwemmungen der umliegenden Ortsteile ganz abgesehen. Erst vor einigen Monaten konnte – zumindest provisorisch – die Zufahrt von der Ahrbrücke zwischen Lohrsdorf und Heimersheim in Richtung Westen wieder hergestellt werden, womit die alte B 266 (Landskroner Straße) vom Straßenverkehr entlastet worden ist. Sukzessive zur laufenden Elektrifizierung der Ahrtalbahn wurden in diesem Bereich bereits Baustellen umgesetzt, wie etwa in Lohrsdorf mit neuem Haltepunkt, der den ursprünglichen Stopp am ehemaligen Bahnhof Heimersheim endgültig ersetzt. Ebenso hat man den Bahnübergang in Heppingen erneuert, damit auch angepasst an die digitale Steuerung des Zugbetriebs, die mit der Elektrifizierung der Ahrtalbahn einhergeht.
Nunmehr ist der lange Gleisabschnitt von Heppingen bis zur Straßenbrücke Lohrsdorf/Heimersheim in Arbeit. Hier soll das Flussbett verbreitert werden. Dies geschieht zunächst schwerpunktmäßig am nördlichen Ufer, wie etwa in Höhe des früheren Bahnsteigs (am Heimersheimer Bahnhofsgebäude), wo die Gleise um sieben Meter in Richtung Straße versetzt werden konnten. Der Neubau des zweiten Gleises in Fahrtrichtung Remagen ist in Vorbereitung, es gilt, die Lücke von Heppingen bis an den neuen Bahnhaltepunkt Heimersheim-Lohrsdorf zu schließen. Zuvor wird bis kurz vor die Brücke eine bis zu 900 m lange, tief in den Boden gerammte Spundwand installiert, die gewährleisten soll, dass die künftig wieder zweispurige Bahntrasse gegen erneute Hochwassersituationen gewappnet ist. Über die Verbreiterung der Ahr hinaus soll bei der Neumodellierung des Flusslaufs in diesem Bereich aus einer bisherigen V-Form eine U-Form werden, womit noch mehr Wasser durchfließen kann.

Schon während der Vorarbeiten waren Baumaschienen mit „Mäkler“ im Einsatz. Dies sind Spezialgeräte mit Führungseinrichtung, mit deren Hilfe Rammgüter (Spundbohlen, Rohre, Pfähle) richtungsgenau eingebracht oder auch Bohrungen vorgenommen werden können. Damit die folgenden Spundwände den Druck durch Hochwasser aushalten, werden in festen Abständen spezielle Stützen bis zu 10 m tief in den Boden eingebracht. Foto: Görgler

Rückblick: Im Gedenken an die Flutkatastrophe von vor vier Jahren sind über die Sommermonate im Kurpark Bad Neuenahr einige Stehlen mit eindrucksvollen Bild- und Wortbeiträgen ausgestellt. Darunter auch Motive, die Hans-Jürgen Juchem, Ortsvorsteher von Lohrsdorf, am Tag nach der Flutnacht von den Weinbergen aus aufgenommen hat. Wie die beiden folgenden Fotos, die nicht nur das Ausmaß des Hochwassers zeigen, sondern auch, weshalb so umfangreich Vorsorge getroffen werden muß, damit sich die Fluten nicht wieder so extrem aufstauen. Wir bedanken uns ausdrücklich für die Bilddokumente, die wir hier veröffentlichen dürfen, die uns Hans-Jürgen Juchem aber auch mit weiteren Texten und Fotos für das künftige Ahrtalbahnmuseum (im Bahnhof Bad Bodendorf) zur Verfügung gestellt hat.

Wie ein verstopfter Trichter: Schon vor dem Bereich der nahezu kanalisierten Ahr hat sich das Wasser in der Flutnacht 2021 aufgestaut. Oben der Blick in Richtung Ahrtalbrücke. Foto: Juchem
Die Engstelle der Ahr direkt auf Höhe des ehemaligen Bahnhofs Heimersheim: Zerstörte Gleise und Straßen nach der Flut. Foto: Juchem

Zurück in die Gegenwart: Über den vielfach angeregten Verzicht auf die ohnehin hochwassergeschädigte vierte Fahrspur des Autobahnzubringers am südlichen Ufer, womit die Ahr erheblich mehr Raum in der Breite gewinnen würde, ist noch nicht entschieden worden. Arbeitskreise, Umweltschützer und die lokale Politik haben sich dafür eingesetzt. So hatte der Stadtrat Bad Neuenahr-Ahrweiler einen Rückbau der B 266 im Bereich der Engstelle um 50 Prozent beschlossen, was sich auf die Gesamtbreite der Fahrbahnen bezieht. Ob dann künftig nur noch zwei oder drei Fahrspuren bei geringeren Abständen vorhanden sein werden, ist dem Vernehmen nach offen. Eine Entscheidung des Landesbetriebs Mobilität (LBM) wird für den kommenden Herbst erwartet. Auch darüber, ob es möglich sein wird, einen neuen Radweg längs der B 266 zur Ahrseite hin zu installieren – wie er vor der Flut vorhanden war und gerne genutzt worden ist.

Die provisorische Zufahrt von der Ahrbrücke zwischen Lohrsdorf und Heimersheim zur Umgehungsstraße in Richtung Bad Neuenahr. Eine spürbare Entlastung für den Verkehr auf der alten B 266 etwa durch Heppingen. Das hier einst zwei Fahrspuren in Richtung Westen vorhanden waren, läßt sich seit der Flutnacht 2021 nur noch erahnen. Foto: Görgler

Im Zusammenspiel aller Maßnahmen rechnet man bei einem sogenannten Jahrhunderthochwasser mit einer Senkung des Wasserstands von bis zu 1,10 Meter. Flutwellen durch Wasserstau sollen neben der Entschärfung der Engstellen auch durch die verwendeten Brückenmodule mit großen Spannweiten vermieden werden. Alles Maßnahmen, die an der gesamten Ahr an verschiedenen Stellen umgesetzt oder in Betracht gezogen worden sind.

Mittig oben der neue Bahnhaltepunkt Heimersheim-Lohrsdorf. Links im Bild befinden sich zwei Gewerbebetriebe auf einem vergleichsweise tief gelegenen Grundstück. Nicht nur deswegen plädiert Ortsvorsteher Juchem für einen wirksamen Hochwasserschutz bis hin zum Bahnhaltepunkt. Foto: Görgler

Nicht ganz so glücklich mit dem Umfang der Maßnahmen äußerst sich der Lohrsdorfer Ortsvorsteher Hans-Jürgen Juchem, der die erwähnte Spundwand gerne bis an die Brücke und darüber hinaus bis zum neuen Bahnhaltepunkt durchgezogen gesehen hätte. Damit wären die Gewerbebetriebe nördlich des Bahndamms in diesem tiefer gelegenen Bereich besser geschützt. Dort ist dem Vernehmen nach bisher nur ein Erdwall als Hochwasserschutz angedacht. Unsere Anfrage dazu bei der Kreisverwaltung Ahrweiler (Abt. Hochwasserresilienz und Aufbaukoordination) ergab, dass man an einer Lösung in Abstimmung mit allen zuständigen Stellen arbeitet. Angestrebt wird die Fortführung des durch die Spundwand geschaffenen Hochwasserschutzes in anderer Bauweise bis zum Bahnhaltepunkt in Lohrsdorf. Weitere Informationen dazu sind erst nach Abschluß der Planungen möglich.
Seitens der Bahn ist man da schon genauer: Ab dem Frühjahr 2026 rechnet man damit, dass vereinbarungsgemäß die 900 m langen Stützmauer durchgehend fertiggestellt ist. Erst dann kann nämlich die Lücke im zweiten Gleis in Fahrtrichtung Remagen geschlossen werden. Dies wirkt sich leider auch auf den Fahrplan bis hin zur Endstation aus: Bis zur Fertigstellung des zweiten Gleises im Bereich Heimersheim wird die neue Linie RB 32 – betrieben von der Mittelrheinbahn (MRB) – ab Freigabe der gesamten Strecke (13./14. Dezember 2025) vorerst nur bis Altenahr fahren, wo der Richtungswechsel auf zwei Gleisen erfolgt, womit auch ein entgegenkommender Zug kreuzen kann. Den MRB-Zügen würden nämlich, so nach eigener Auskunft, am eingleisigen Endhaltepunkt Ahrbrück nur 3 Minuten Zeit zum Ein- und Aussteigen samt Richtungswechsel bleiben – dies sei zu wenig. Dagegen passt es für die Regionalbahnen der Linie RB 30 vom Betreiber DB Regio besser: Ab Freigabe der Gesamtstrecke sind sie sofort stündlich durchgehend von Remagen bis Ahrbrück unterwegs. Sind alle Lücken im Gleisnetz geschlossen, wird auch der vorgesehene 20/40-Min-Takt mit beiden Linien funktionieren. JG

Oben links läßt sich das Ende der im Bau befindlichen Spundwand erkennen (Abdeckplane bis zum gelben Container). Ab der Brücke nimmt der Abstand zwischen Bahngleis und Ahr zu; dennoch ist die Sorge bei künftigen Hochwassern vor einer Überflutung der Gewerbegrundstücke auf der Lohrsdorfer Seite der Brücke nachvollziehbar. Foto: Görgler

Haltepunkt Walporzheim nunmehr mit rollstuhlgerechtem Aufgang

Geblieben ist am neuen Haltepunkt der Zugang (oben links) mittels Treppenaufgang im Bahndamm. Neu dagegen: Die stufenfreie Rampe (rechts im Bild und unten) über eine Strecke von rund 100 Metern.

Eröffnung des neuen Bahnhaltepunktes am 25. August 2025

Walporzheim. Erst 2024 wurde der bisherige Bahnhof (Foto unten) demontiert und ins Freilichtmuseum Kommern transportiert, wo er seitdem als Ausstellungsstück in passender Umgebung Besucherinnen und Besucher erfreut. Zwar wurde das schmucke Fachwerkgebäude durch die Flutkatastrophe im Sommer 2021 dank seiner Lage hoch auf dem Bahndamm nicht beschädigt, überschwemmt war allerdings der tieferliegende Zugangsbereich. Der eigentliche Grund für den Abbau und die Errichtung eines modernen Haltepunktes waren dagegen Modernisierungs- und Elektrifizierungsarbeiten, wie sie an der gesamten Strecke der Ahrtalbahn anstanden. In diesem Zusammenhang wurden Bahnsteig und Treppenaufgang erneuert und als zweiter Zugang eine stufenfreie Rampe installiert, mit der auch in der Mobilität eingeschränkte Personen oder Mütter mit Kinderwagen weitgehend ohne fremde Hilfe auf den Bahnsteig gelangen können. Dabei handelt es sich um eine knapp 100 m lange Strecke im Zickzack-Kurs. Ein Lift wäre für die betroffenden Personen sicherlich komfortabler gewesen, wurde jedoch nicht in die Planung übernommen.
Die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler begrüßt die Einweihung des neuen Haltepunktes, der seit der Wiederaufnahme des Bahnbetriebs von Remagen ins Ahrtal im November 2021 auch das vorläufige Endziel der Ahrtalbahn darstellt. Noch in 2025 soll die gesamte Strecke bis Ahrbrück wieder in Betrieb genommen werden können.
Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sind am Montag, 25. August, um 17 Uhr eingeladen, die offizielle Eröffnung des neuen Bahnhaltepunktes Walporzheim gemeinsam zu begehen. Fotos: Görgler/ATBF

Im April/Mai 2024 erfolgte der Rückbau des hübschen Bahnhofgebäudes in Walporzheim mit anschließendem Abtransport ins Freilichtmuseum Kommern. Das Fachwerkgebäude passte insgesamt nicht mehr zur modernen Bahntechnik mit Elektrifizierung und digitaler Steuerung, zudem fehlte ein barrierefreier Zugang für Personen mit Rollstuhl oder auch Kinderwagen.

Neues Konzept für die Ahrtalbahn: Durchgehende RB 32 bis nach Koblenz, elektrischer Betrieb zeitnah

Mit Inbetriebnahme der voraussichtlich Ende 2025 komplett wieder hergestellten Ahrtalbahn bis Ahrbrück wird die neu konzipierte Regionalbahn RB 32 mit dem elektrisch angetriebenenen Triebwagen vom Typ MIREO auch an der Ahr verkehren. Foto: Siemens Mobility

Der Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord (SPNV-Nord) und das Land Rheinland-Pfalz treiben gemeinsam den nachhaltigen Wiederaufbau der Schieneninfrastruktur und die Weiterentwicklung des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) im Ahrtal voran. Mit einem neuen SPNV-Konzept ab Dezember 2025 erhält die Region ein erweitertes und elektrifiziertes Angebot. Die Trans Regio Deutsche Regionalbahn GmbH wird im Zuge des neuen SPNV-Konzepts ab Dezember 2025 die neu konzipierte Linie RB 32 betreiben. Die bisherige RB 39 zwischen Dernau und Remagen wird damit ersetzt und das Angebot gleichzeitig ausgeweitet. Der neue Linienverlauf führt dann elektrisch und umsteigefrei bereits von Ahrbrück über Remagen nach Koblenz und weiter bis Boppard.
Das Ahrtal erhält damit neben der künftig ebenfalls elektrischen betriebenen RB 30 (Bonn – Remagen – Ahrbrück), die von DB Regio NRW eingesetzt wird, eine weitere direkte Anbindung an die Mittelrheinachse. Die Umstellung der RB 30 von Dieseltriebwagen auf den elektrisch angetriebenen Talent 2 soll bis Sommer 2026 erfolgen.

Die RB 32 wird ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2025 stündlich zwischen Ahrbrück und Remagen sowie im Zwei-Stunden-Takt weiter über Koblenz bis Boppard fahren. Mit diesen Erweiterungen aus den Bestandsverkehren entlastet die Linie die stark frequentierte linke Rheinstrecke und verbessert die Verbindung nach Koblenz und der Mittelrheintalstrecke in RLP. Auf der RB 32 zum Einsatz kommen die modernen Regionalbahnen vom Typ MIREO (Foto).
In Planung und mit Inbetriebnahme der wiederaufgebauten kompletten Ahrtalstrecke (voraussichtlich Ende 2025) noch nicht umgesetzt ist allerdings der angestrebte 20-Minuten-Takt. Zudem sind die angedachten zusätzlichen Haltepunkte im Bereich von Bad Neuenahr-Ahrweiler und Marienthal noch nicht abgeklärt. JG

Ahrtalbahn: Kein 20-Minuten-Takt?

Die Weichen wie hier kurz vor Rech liegen parat oder sind bereits montiert. Nur die Richtung bezüglich Angebot stimmt nicht mehr so, wie im Ahrtal erhofft. Foto: Willi Tempel
„Vorerst doch kein 20-Minuten-Takt auf der Ahrtalstrecke“ meldete der regionale Radiosender SWR 4 in seiner Morgensendung vom 17. Juni 2025. Verknüpft war die Nachricht mit einem Interview zwischen SWR-Autor Constatin Pläcking und Thorsten Müller, Verbandsdirektor SPNV-Nord.

In diesem Zusammenhang wurden weitere Einschränkungen der angekündigten Verbesserungen im Angebot der Ahrtalbahn bekannt, wie der Verzicht auf durchgehenden Züge etwa bis Köln und Wuppertal und zunächst auch keine zusätzlichen Haltepunkte. Ermöglicht werden sollte dies alles durch die Elektrifizierung der Ahrtalbahn mit besserer Beschleunigung und kürzeren Bremswegen als im Einsatz mit Dieselantrieben, wozu im Zuge des Wiederaufbaus nach der Flutkatastrophe 2021 auch die Voraussetzungen geschaffen worden sind.
Entsprechend enttäuscht ist man nun an der Ahr. Der Fahrgastverband PRO Bahn und die Ahrtalbahnfreunde e. V. üben harsche Kritik. Ahrtalbahnfreund Willi Tempel erläutert die Fakten zum Wiederaufbau und holte Stellungnahmen zur aktuellen Entwicklung ein:

Unmittelbar nach der Flutkatastrophe Mitte 2021 wurden in Remagen die Pläne für die Zukunft der Ahrtalbahn vorgestellt. Übereinstimmend betonten dort der damalige DB-Vorstand Ronald Pofalla, Ex-Verkehrsminister Andreas Scheuer sowie die Rheinland-Pfälzische Ex-Ministerpräsidentin, Malu Dreyer, dass die Bahnstrecke nach neuestem Stand der Technik wieder vollständig aufgebaut werde. Dies bedeute unter anderem eine Elektrifizierung sowie Elektronische Stellwerke. Durch spurtstarke Elektrozüge bietet sich nun die Möglichkeit, bis zu vier neue Haltepunkte einzurichten. Dies jedoch nicht beim Wiederaufbau, sondern erst nach umfangreichen Planunterlagen und Genehmigungen. Und der Bahnübergang zur „Steinbergsmühle“ in Dernau, wo es mehrmals Unfälle gegeben hat, erhält eine Schrankenanlage. Darüber hinaus sind Brückenbauwerke und Tunnelarbeiten längst der Ahr mit Hochdruck in Arbeit, so dass das Ziel einer bis zur Endstation wieder aufgebauten Ahrtalbahn zum Jahresende – wie geplant – im Fokus steht. Für die Firma Leonhard Weiß – ebenso die beteiligten Unternehmen – gibt es regelmäßiges Lob, von Einheimischen wie Touristen, die aufmerksam den Fortschritt an der Ahr verfolgen.
Doch nun zu den Stellungnahmen in Bezug auf die aktuelle Meldung, wonach die Vorteile der Elektrifizierung zunächst nicht so genutzt werden, wie man es den vielen Ankündigungen entnehmen konnte.

Landrätin Cornelia Weigand: „Wir stehen mit dem zuständigen Zweckverband Schienenpersonennahverkehr (SPNV) Rheinland-Pfalz Nord in Kontakt, und werden regelmäßig über die Entwicklungen informiert. Da die Verhandlungen durch den SPNV Nord aktuell noch geführt werden, können wir uns hierzu derzeit nicht weiter äußern. Unser Ziel ist es, ein besseres Angebot für den öffentlichen schienengebundenen Personennahverkehr bis nach Ahrbrück zu schaffen, als vor der Flutkatastrophe 2021. Für dieses Ziel setzen wir uns als Kreis seit 2021 ein und dafür machen wir uns auch weiterhin stark.“

Thorsten Müller: „Von Anfang an Finanzierungsvorbehalt“
Foto: Görgler

SPNV-Verbandspräsident Thorsten Müller im Interview:

Herr Müller, bleibt es bei dem angekündigten Zwanzig-Minuten-Takt auf der Strecke der Ahrtalbahn ab Ahrbrück?
„Vor dem Hochwasser war für die Zeit nach 2033 kein Zielfahrplan entwickelt worden. Deswegen wurde schnell nach dem Hochwasser ein Zielfahrplan für die Ahrtalstrecke entwickelt, der einen 20-Minuten-Takt unterstellt. Es ging dabei darum, wie diese Strecke auch für den Eisenbahnbetrieb aufgebaut wird. Der Begriff Zielfahrplan wird hier verwendet wie beim Deutschland-Takt, der auch einen Zielfahrplan darstellt, aber damit nicht gleichzeitig vertraglich vereinbart ist.
Um ein Betriebsprogramm auch zu bestellen und dann konkret umzusetzen, sind insbesondere die finanziellen Voraussetzungen zu betrachten. Deswegen wurde von der Verbandsversammlung auch die Umsetzung unter einen Finanzierungsvorbehalt gestellt. Das heißt der 20-Min-Takt war von Beginn an unter Finanzierungsvorbehalt. Die aktuellen Haushaltsmöglichkeiten lassen aber eine Bestellung eines 20 min Taktes nicht zu. Der Vorbehalt greift also aktuell. Gleichzeitig ist es aber weiterhin die Absicht des Kreises Ahrweiler, den 20-Minuten-Takt für eine 2. Betriebsstufe nicht aus dem Blick zu verlieren. Nur können wir dafür aktuell kein Jahr angeben. Das Ziel eines 20-Minuten-Taktes bleibt erhalten.“

Wegen der diskutierten Situation bitte ich Sie ggf. auch um Angabe, zu welchen Zeiten die beiden Zugpaare dann verkehren würden. Ein eventueller Takt 20 / 40 Minuten wäre negativ.
Die RB 30 wird in Ahrbrück zur Minute 3 starten und nach 70 Minuten in Bonn zur Minute 13 ankommen. Die RB 39 wird in Ahrbrück zur Minute 43 starten und Remagen zur Minute 226 erreichen. Damit wird der vor Hochwasser bekannte 20/40 Takt beibehalten.“

Wird es stündlich eine durchgehende Verbindung Ahrbrück, Köln, Wuppertal oder Dortmund (oder ggf. andere), geben?
Nach Auslaufen des RB 48 Verkehrsvertrages in NRW besteht erstmals die Möglichkeit, in einer neuen Konzeption die RB 48 mit der RB 30 zu verknüpfen. Eine Verknüpfung ist nicht während der Laufzeit des VAREO-Vertrages bis 2033 vorgesehen gewesen. Ob diese Verknüpfung dann wirklich umgesetzt oder andere Konzepte verfolgt werden, wird im Rahmen der Vorbereitung der neuen Vergabeverfahren gemeinsam zwischen den Partnern in NRW und RLP zu entscheiden sein.“

Wird die Ahrtalbahn ab dem 01.01.2026 mit Elektrozügen verkehren oder bleibt es zunächst bei den Dieselzügen?
„Natürlich sollen auf der elektrifizierten Ahrtalbahn auch elektrische Züge verkehren. Dazu stehen die beiden SPNV-Aufgabenträger in NRW und RLP in Verhandlungen. Diese sind noch nicht abgeschlossen. Wir sind vorsichtig optimistisch, dass die Vertragsgespräche zu einem positiven Ausgang führen. Es ist KEIN Ziel, mit den bekannten Dieselzügen bis zum Ende des Verkehrsvertrags in 2033 zu fahren. Wir bitten um Verständnis, mehr zu den laufenden Vertragsgesprächen aktuell nichts sagen zu können.“

Stehen die Finanzierungsmittel für diese Elektrofahrzeuge (durch das Land) bereit?
„Die beiden gesetzlichen Zweckverbände in RLP erhielten bis 2024 ausschließlich die sogenannten Regionalisierungsmittel des Bundes, welche der Bund den Ländern insbesondere für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) zur Verfügung stellt. Unter anderem der Anstieg der Preise und die Ausweitung der Busangebote der regionalen Hauptlinien hat dazu geführt, dass das Land RLP ab 2025 erstmals in den Bereich ÖPNV mit Bus & Bahn aufwachsend 190 Mio. € als Landesmittel steckt. Bis 2024 konnte man die Lücken mit Rücklagen schließen.
In Kenntnis der herausfordernden finanziellen Situation wurde von der Verbandsversammlung auch die Umsetzung eines 20-Minuten-Taktes unter einen Finanzierungsvorbehalt gestellt. Das Gremium hat sich seit Jahren intensiv mit der Finanzierungssituation durch das Land befasst und fordert eine Verlässlichkeit der Finanzierung. Der SPNV-Nord wäre nicht in der Lage, hohe Preise bei der Umstellung auf elektrische Fahrzeuge zu bezahlen. Im Rahmen der Vertragsgespräche sind wir vorsichtig optimistisch, die finanziellen Möglichkeiten mit den Kosten für elektrische Fahrzeuge in Einklang zu bringen.“

Wie ist der Stand bezüglich der bereits vor einiger Zeit öffentlich angekündigten vier neuen Haltepunkte an der Strecke (Bad Neuenahr-Mitte, Heppingen, Marienthal und Ahrbrück/Pützfeld)?
„Diese 4 neuen potentiellen Haltepunkte können nicht aus der Wiederaufbau-Finanzierung umgesetzt werden. Von Beginn an war deswegen klar, dass nur das GVFG (Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz) verwendet werden kann. Voraussetzung für eine GVFG-Maßnahme ist eine positive Nutzen-Kosten-Untersuchung mit einem Wert > 1. Diese Untersuchung ist beauftragt, aber noch nicht abgeschlossen. Wir erwarten die Ergebnisse im Sommer 25.“

Es kursieren Gerüchte, dass derzeit nicht genügend Oberleitungsmasten geliefert werden können.
„Ich habe die schnelle Info bekommen, dass keine Materialprobleme bei den Masten bekannt sind. Die Masten werden sukzessive nach Dernau und Kreuzberg geliefert. In Dernau lagern aktuell die Maste für den Abschnitt von Marienthal bis einschließlich Dernau. Mitte Juli werden die Maste bis Mayschoss angeliefert.“
Vielen Dank, Herr Müller!

Ulrich Stumm und Wolfgang Groß, Vorstand Ahrtalbahnfreunde e.V.:
„Die Ankündigung des SPNV Zweckverbandes Rhld-Nord für die Aufnahme des Zugbetriebes nach dem Wiederaufbau der Ahrtalbahn erstaunt die Ahrtalbahnfreunde. Es war seitens des Landes zugesagt, nach dem Wiederaufbau ab Dezember 2025 einen 20-Minuten-Takt zwischen Remagen und Ahrbrück anzubieten. Zur Durchführung dieses Taktverkehrs wird die Schieneninfrastruktur auf der neugebauten Trasse zurzeit ausgebaut. So entsteht zwischen Dernau und Rech ein längerer zweigleisiger Abschnitt und im Bahnhof Altenahr sollten die Züge später kreuzen. Auf Grund der neuen Mitteilungen scheint es keinerlei Verbesserungen im Fahrplanangebot ab Dezember 2025 geben. Ab diesem Zeitpunkt sollte der 20-Minuten-Takt eingeführt werden. Kommen soll aber jetzt wieder der kundenunfreundliche 20/40 Minutentakt.

Ulrich Stumm, Vorsitzender Ahrtalbahnfreunde e.V.: Versprechungen „Luftblasen“.
Foto: Görgler

Ulrich Stumm, Vorsitzender der Ahrtalbahnfreunde, sieht hier einen Rückschritt in den Bemühungen, mehr Menschen zum Umsteigen auf die umweltfreundliche Bahn zu bewegen. Er kommentiert: Erst wird die Infrastruktur aufwendig erneuert und ausgebaut, ohne dass sie entsprechend genutzt werden kann. Dies ist seiner Ansicht nach Wasser auf die Mühlen der Kritiker des Ausbaus der Bahn im Ahrtal. Dazu kommt die überraschende Mitteilung, dass es nach der Elektrifizierung keine Durchbindung von Zügen von und nach der Ahrtalbahn in Richtung Köln/Ruhrgebiet geben soll. Auch diese Maßnahme wird von den Ahrtalbahnfreunden heftig kritisiert, würde sie doch eine umsteigefreie Verbindung in die NRW-Zentren darstellen. Unter dem Strich zeigen sich die Ahrtalbahnfreunde enttäuscht, dass sich die vielen vollmundigen Versprechungen der Landesvertreter nach der Flutkatastrophe für eine zeitgerechte und moderne Bahnverbindung im Ahrtal nunmehr in Luftblasen auflösen.“

Noah Wand, Landesvorsitzender des Fahrgastverbandes PRO BAHN Rheinland-Pfalz und Saarland
Die Ankündigung, den Takt auf der Ahrtalbahn zu reduzieren, betrachtet der Fahrgastverband mit großer Sorge. Die Infrastruktur wurde im Rahmen des Wiederaufbaus so angepasst, dass ein Halbstundentakt nicht mehr möglich ist. Der im Rahmen der angekündigten Leistungsreduktion drohende 20–40-Takt ist dabei ein fauler Kompromiss, der bei den Fahrgästen für Verwirrung sorgt. Denn nicht nur die Fahrtzeiten werden damit unregelmäßig, sondern es wirkt sich auch auf die Anschlussverbindungen aus. Hier steht der Zweckverband SPNV-Nord vor der Herausforderung,  den Fahrplan entsprechend sinnvoll zu gestalten. Doch nicht nur für das Ahrtal, sondern für ganz Rheinland-Pfalz ist dies ein alarmierendes Signal: Es könnten weitere Leistungskürzungen auf anderen Strecken drohen, obwohl die Züge bereits jetzt oft überlastet sind. Diese Tendenz betrachten wir mit großer Sorge. Willi Tempel

Riesige Mengen Schotter werden bereits über die neu installierten Schienen angeliefert. Ein Dernauer Bürger hat an einem einzigen Tag mehrer Züge mit insgesamt 136 (!) Schüttwaggons gezählt. Dies entlastet auch die Straßen erheblich. Foto: Willi Tempel