Wiederaufbau Ahrtalbahn

Lücke im Oberleitungsnetz: Elektrobetrieb bei Ahrweiler derzeit nur auf Gleis 2

Auf dem falschen Gleis? Die elektrisch angetriebenen Mireo-Züge der Mittelrheinbahn (RB32) können derzeit noch zwischen Walporzheim und Ahrweiler ausschließlich Gleis 2 nutzen.

Januar 2026. Weil die Oberleitung im Gleis von Walporzheim nach Ahrweiler noch nicht genutzt werden kann, muss die elektrisch angetriebene Regionalbahn vom Typ Siemens Mireo Smart auf der Linie RB32 in diesem Abschnitt das Gegengleis befahren, wie auf unserem Foto auf Höhe des Haltepunktes Ahrweiler. Dagegen können die Dieseltriebwagen der RB30 auf dem Regelgleis fahren. Der mit dem elektronischen Stellwerk eingeführte Gleiswechselbetrieb macht dies technisch problemlos möglich. An den Haltepunkten gibt es diesbezüglich entsprechende Hinweise für die Fahrgäste. Ursache ist dem Vernehmen nach, dass die Oberleitung im Regelgleis Walporzheim-Ahrweiler nicht rechtzeitig zur Wiedereröffnung der gesamten Ahrstrecke fertiggestellt werden konnte. Unsere Anfrage beim Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord (SPNV Nord), wie lange diese Betriebssituation noch anhalten werde, ergab seitens der für die Eisenbahninfrastruktur zuständigen Bahntochter DB InfraGo den Hinweis, dass die erforderlichen Restarbeiten voraussichtlich ab März 2026 ausgeführt werden.

Die Spundwand bei Heimersheim ist nahezu fertig, zum 11. Juli diesen Jahres soll die Zweigleisigkeit zwischen Bad Neuenahr und Remagen wieder hergestellt sein.

Weiterhin von Bedeutung für die Ahrstrecke ist der nahezu abgeschlossene Bau der 900 m langen Spundwand als besondere Maßnahme zum Schutz der Gleisanlagen bei künftigen Hochwassersituationen im Bereich von Heimersheim. Hier ist die Wiederinbetriebnahme des zweigleisigen Verkehrs zwischen Bad Neuenahr und Remagen für den 11. Juli 2026 eingeplant, womit die Mireo-Einheiten der Mittelrheinbahn auf der Linie RB32 auch durchgehend bis Ahrbrück verkehren können; bisher sind diese Bahnen wegen der noch nicht durchgehenden Zweigleisigkeit mangels ausreichender Zeit im Wechselbetrieb nur bis Altenahr unterwegs. Ebenso für Juli ist die Umstellung der Linie RB30 (DB Regio) auf elektrisch angetriebene Regionalbahnen des Typs Talent 2 geplant. Unsere Grafik zeigt Haltepunkte und Bahnhöfe der Ahrtalstrecke mit Stand Dez. 2026. Text/Fotos Görgler/Gies

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Erleichterung und viel Lob zur Eröffnungsfeier

Mit Beifall wurde der erste Sonderzug nach dem Festakt im Bahnhof Altenahr empfangen. Für die Bevölkerung war am Festtag (12.12.2025) von nachmittags bis in den Abend hinein ein kostenloser Pendelverkehr vom Haltepunkt Dernau aus über den Bahnhof Altenahr bis zur Endstation in Ahrbrück organisiert worden. Fotos: Görgler

12. Dez. 2025. Ahrtal/Altenahr. Erleichterung, Lob und Emotionen, so kann man die gelungene Wiederinbetriebnahme der gesamten Strecke der Ahrtalbahn von Remagen bis Ahrbrück nach viereinhalbjähriger Bauzeit zusammenfassen. Für die Menschen im Ahrtal ebenso wie für alle Beteiligten ist dies ein bedeutendes „Leuchtturmprojekt“. Grund genug also für die Deutsche Bahn (DB), dieses Ereignis zwei Tage vor dem regulären Start des neuen Fahrplans am 14. Dezember in einem Festzelt am Bahnhof Altenahr mit Gästen und der heimischen Bevölkerung zu feiern. Das Angebot stieß auf großes Interesse.

Begrüßung der Ehrengäste zur Einweihungsfeier der Ahrtalbahn, Treffpunkt war zunächst am neuen Haltepunkt Dernau: Bahnchefin Evelyn Palla, Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder und der rheinlandpfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer. Foto: Uli Stumm

Noch am Vorabend wurden die letzten Arbeiten am neuen Bahnhaltepunkt Dernau (jetzt Ortsmitte) erledigt. Ab 16.00 Uhr nutzten dann viele Bahnnutzer das Gratisangebot, endlich wieder mit dem Zug fahren zu können. Zwei Stunden vorher waren bereits etliche Radio- und Fernsehteams sowie zahlreiche VertreterInnen der Print-Medien angereist, ebenso Ehrengäste und Funktionäre. Bei deren Zugfahrt ahraufwärts brandete in den Waggons immer wieder lauter und anhaltender Beifall auf. Als später die Züge zwischen Dernau und Ahrbrück für die Bevölkerung kostenlos pendelten, war das zum Festplatz erweiterte Bahnhofsgelände in Altenahr bis in die Abendstunden gefüllt. Die Einladung hierzu kam von der Deutschen Bahn.

Einen Tag nach der offiziellen Feier, wo ausschließlich die Regionalbahn der DB (Talent) zum Einsatz kam, zeigte die Mittelrheinbahn eindrucksvoll Präsenz mit dem Mireo Smart für die neue Linie RB 32, die am darauffolgenden Tag (14.12.2025) ebenfalls ihren regulären Betrieb aufnahm. Foto: Jürgen Gies

Vielfaches Lob gab es für die beteiligten Firmen, allen voran „Leonhard Weiss.“ Wegen deren Offenheit entstand auch ein guter Kontakt zur heimischen Bevölkerung. Am Freitag lud auch die Firma Weiss in Mayschoß und Dernau beispielsweise zu Getränken und Currywurst ein.

Stolz und Erleichterung nach dem erfolgreichen Wiederaufbau der Bahnstrecke: Eine Delegation von MitarbeiterInnen des federführenden Bauunternehmens Leonard Weiss sowie der beteiligten Subunternehmen. Foto: Görgler

Evelyn Palla, seit kurzem Vorsitzende des Vorstands der Deutschen Bahn, wirkte sachlich und sehr gut informiert – Schließlich ist sie eine Frau der Basis: Als frühere Lokführerin hat sie eigene Erfahrungen sammeln können. Sie äußerte auch Mitgefühl mit den Menschen im Ahrkreis nach der Flutkatastrophe Mitte 2021. Und die massiven Zerstörungen der Trasse der Ahrtalbahn seien gewaltig gewesen. Die Lebensader beginne wieder zu pulsieren. „Das sei für sie ein besonders schöner Tag – Die Bahn sei wieder im Ahrtal.“ Es gäbe attraktive Verbindungen, und modernste Technik.

In diese Richtung äußerte sich auch der Bundesminister für Verkehr, Patrick Schnieder. Er betonte dabei das moderne Zugmaterial. Und dies mache die Bahn auch für den Berufsverkehr und die Betriebe attraktiv. Durch die Elektrifizierung werde die Strecke enorm aufgewertet. Das gelte aber ebenso für Touristen.

Landrätin Cornelia Weigand ging sehr einfühlsam nochmals zur verheerenden Flutkatastrophe zurück. Die moderne Ahrtalbahn sei ein ganz wichtiges Projekt zur Verbesserung der Infrastruktur. Sie äußerte sich auch positiv, dass die Verantwortlichen ihre Zusagen eingehalten haben. Weigand war es auch, die nach der Flut sehr frühzeitig und erfolgreich eine Allianz für die Fluthilfen für den Landkreis Ahrweiler angeschoben hatte.

Landrat Achim Hallerbach- Verbandsvorsteher des Zweckverbandes Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord (SPNV Nord) fehlte aus persönlichen Gründen. Es freue ihn sehr, dass das Ahrtal wieder per Zug erreichbar sei. Dass mit dem Wiederaufbau gleichzeitig die komplette Elektrifizierung vorgenommen wurde, sei ein großer Gewinn für die Region. Ihn vertrat Verbandsdirektor Thorsten Müller.

Gekommen war auch der stellvertretende Vorsitzende von ProBahn Rheinland-Pfalz und Saarland, Justin Drescher. Der Pro Bahn-Vorsitzende für Rheinland und das Saarland, Noah Wand, hatte sich bereits im Sommer ein Bild vom Fortgang der Arbeiten gemacht und dabei nicht an Lob gespart.

Die Ahrtalbahnfreunde waren bei der Eröffnungsfeier im Festzelt der Bahn mit eigenem Informationsstand vertreten, woraus sich viele Interessante Gespräche und auch Anfragen zur Mitarbeit im Museumsprojekt des Vereins ergaben. Fotos: Görgler
Erinnerungsfoto auf der Bühne: Die Ahrtalbahnfreunde gemeinsam mit Landrätin Cornelia Weigand und Christian Sauer, DB-Projektleiter für den Wiederaufbau der Ahrtalbahn.

Der Verein Ahrtalbahnfreunde e. V. war bei der Feier auf Einladung der Bahn mit eigenem Stand und zahlreichen Helferinnen und Helfern vertreten. Neben interessantem Informationsmaterial über die Aktivitäten des Vereins gab es dort auch Filmvorführungen, schließlich haben die Bahnfreunde den Wiederaufbau der Ahrtalbahn mit kontinuierlichem Einsatz begleitet und das Geschehen in Wort und Bild dokumentiert – für Presseberichte, Social-Media und natürlich das eigene Archiv. Die Ahrtalbahnfreunde sind seit ihrer Gründung im Jahr 1999 immer wieder mit Beiträgen und Diskussionen für die Verbesserung des Angebotes eingetreten. Text: Willi Tempel / ATBF

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Mammutprojekt: 18 Kilometer Gleis und fast zwei Dutzend Brücken wiederaufgebaut

Die von der Bahn erstellte Skizze verdeutlicht den enormen Aufwand, der mit dem Wiederaufbau des besonders stark zerstörten Streckenabschnitts zwischen Walporzheim und Ahrbrück verbunden war.

Die Deutsche Bahn hat die durch die Flutkatastrophe 2021 stark beschädigte Infrastruktur der Ahrtalbahn (Gesamtstrecke 29 km) wiederhergestellt und modernisiert sowie verschiedene Bauprojekte neu umgesetzt. Durch nahezu völlige Zerstörung am schlimmsten betroffen war der 14 km lange Streckenabschnitt zwischen Walporzheim und Ahrbrück, der jetzt erstmalig wieder in Betrieb genommen werden konnte, womit die Ahrtalbahn insgesamt wieder in vollem Umfang funktioniert. Den Schwerpunkt dort bildeten 18 Kilometer Gleise, 22 Brücken (davon 15 neugebaut), fünf Tunnel und zehn Stationen bzw. Haltepunkte. Zudem mussten alle Stützbauwerke, Durchlässe und Bahndämme erneuert oder saniert werden. Für die Wiederherstellung der Gesamtstrecke wurden 18 Kilometer Gleis mit 28.000 Schwellen, 60.000 Tonnen Schotter, 36.000 Meter Schienen und 9 Weichen erneuert.

Im Rahmen der Elektrifizierung im gesamten Streckenbereich wurden 880 Mastfundamente und 55 Kilometer Oberleitung installiert. Ebenso werden 84 neue Signale eingesetzt. 19 Bahnübergänge wurden auch technisch erneuert und an das neue ESTW in Ahrweiler angeschlossen, welches bereits seit September 2023 in Betrieb ist und die vier mechanischen Stellwerke aus den 1950er Jahren ersetzt. Zudem hat man darauf geachtet, dass die Anlagen wie alle Baumaßnahmen weitestgehend widerstandsfähiger gegen künftige Hochwasserereignisse ausgeführt worden sind.

Der Wiederaufbau wurde durch die enge Zusammenarbeit von Bund, Land, Kreis, Kommunen, der Deutschen Bahn und dem SPNV Nord ermöglicht und konnte dank vereinfachter Planungs- und Vergabeverfahren innerhalb von vier Jahren weitgehend abgeschlossen werden. Auch die zehn zerstörten Haltepunkte wurden umfassend modernisiert, wobei der Bund das Gesamtprojekt finanzierte und die Elektrifizierung gemeinsam vom Bund und vom Land Rheinland-Pfalz getragen wurde.

Die von den Ahrtalbahnfreunden erstellte Skizze zeigt die aktuellen Bahnhöfe/Haltepunkte sowie mögliche künftige Haltepunkte der Ahrtalbahn. Die zusätzlichen Stopps sind u. a. dadurch möglich, dass elektrisch angetriebene Züge schneller beschleunigen können und kürzere Bremswege benötigen, womit sich nichts am vorgesehen Regelverkehr ändern würde. Interessant auch der Hinweis auf das Domizil der Ahrtalbahnfreunde im ehemaligen Bahnhofsgebäude von Bad Bodendorf, mit regelmäßigen Infoveranstaltungen (Bahntreff Rhein-Ahr) und dem im Aufbau befindlichen Ahrtalbahnmuseum.

Die Wiedereröffnung der Ahrtalbahn als elektrische und klimafreundliche Verbindung hat sowohl für die Bevölkerung als auch für den Tourismus in der Region eine hohe Bedeutung. Klimaschutzministerin Katrin Eder betonte, dass die vollständige Elektrifizierung der Strecke eine deutliche Qualitätsverbesserung darstelle, da die Züge künftig mit Strom aus erneuerbaren Energien fahren und die neuen Bahnhöfe barrierefreies Reisen ermöglichen. Nach Abschluss der verbleibenden Bauarbeiten sei zudem eine direkte Anbindung an Koblenz vorgesehen, wodurch zusätzliche Kapazitäten im Abschnitt Remagen–Koblenz geschaffen werden können. Textbasis: Pressemitteilungen der Behörden.

Freunde der Ahrtalbahn auf Sonderfahrt nach Speyer

Die Ahrtalbahnfreunde beim Ausstieg auf dem Bahnhof in Speyer. Foto: Uli Stumm
Der Speyrer Dom, hier mit Blick aus der Maximilianstraße mit dem Stadthaus links. Der bedeutende Sakralbau zählt zu den drei romanischen Kaiserdomen in Deutschland (geweiht 1061). Als größte romanische Kirche überhaupt steht er auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes. Foto: Jürgen Görgler

Oktober 2025 / ATBF. Schon fast zur Tradition geworden ist die herbstliche Sonderfahrt des rührigen Vereins. War im letzten Jahr zum 35. Jahrestag des Mauerfalls Berlin das Ziel, ging kürzlich eine Gruppe von Vereinsmitgliedern und Befreundeten auf große Fahrt. Natürlich wurde mit der Bahn gereist, aber nicht einfach so. Zum Einsatz kam wieder der Sonderzug des Kölner Vereins „Baureihe E 10“ (https://www.e10ev.de/). Es handelt sich hierbei um einen historischen Zug aus dem späten letzten Jahrhundert im charakteristischen weinrot-beigen Outfit.
Um 5:58 Uhr ging es am Samstagmorgen ab Remagen los. Zunächst rheinabwärts, bei einigen Zwischenhalten an der Rheinschiene und im Ruhrgebiet stiegen in Witten dann auch die letzten Fahrgäste zu. Die Ahrtalbahnfreunde hatten einen ganzen Großraumwagen, natürlich 1. Klasse mit viel Beinfreiheit, für sich alleine belegt. Um die lange Fahrtzeit auch körperlich gut zu überstehen, war für Snacks und flüssige Nahrung bestens gesorgt. Entweder deckte man sich im Bistrowagen selbst ein, oder wurde vom überaus freundlichen Personal mittels voll beladenem Servicewagen am Platz bedient, und das Ganze zu überaus zivilen Preisen. Klar, dass bei einem solchen Angebot dann auch allerbeste Stimmung aufkam. Hier eine kleine Plauderei mit Freunden, da lernte man neue nette Leute kennen, die Zeit verging dabei ganz schnell.
Pünktlich, und das ist heute ja gar nicht so oft der Fall, erreichte der Zug kurz nach halb zwei den Zielbahnhof Speyer. Hier gab es ganz unterschiedliche Angebote. Die einen besuchten das Technikmuseum, andere ließen sich bei einer Stadtführung die Geschichte Speyers näherbringen – natürlich mit einem Besuch des Doms, dem weltweit größten romanischen Kirchenbau. Und manche schlenderten einfach so durch die Stadt und ließen es sich bei einem leckeren Stück Kuchen gut gehen.

Eine interessant Stadtführung gehört zum Programm beim Besuch der rheinland-pfälzischen Domstadt. Foto: Edgar Steinborn

Pünktlich kurz nach halb sieben ging es wieder heimwärts. Neben leckeren hausgemachten Frikadellen und anderen Kleinigkeiten bot die Küche nun auch warmen Fleischkäse an. Und Getränke waren auch noch genügend an Bord. So verlief die Rückfahrt wieder in einer geselligen, freundlichen Atmosphäre.
War die Hinfahrt absolut pünktlich, einen kleinen Wermutstropfen musste man doch schlucken: Wegen einer Stellwerksstörung bei St. Goar wurde der Zug bei Mainz zunächst auf die rechte Rheinseite umgeleitet, hatte hier wegen Bauarbeiten auch noch einige kleine Verzögerungen. Nach erneutem Rheinwechsel traf man eine halbe Stunde später in Remagen ein. Das war aber leicht zu verkraften, denn im Kreis von Freunden schaut man eh nicht so sehr auf die Uhr. Ein langer, aber sehr schöner Tag ging zu Ende – es war wieder ein tolles Erlebnis.
Viele haben schon ihr Interesse gezeigt für die nächste Fahrt: Am 5. Dezember 2026 geht es dann zum Weihnachtsmarkt nach Lübeck. Die Freunde der Ahrtalbahn werden dann sicher wieder mit großem Gefolge dabei sein. DG

RB 620545: Flut überstanden

Nach Instandsetzung wieder im Einsatz
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Euskirchen/Oktober 2025: Vier Jahre nach der Flutkatastrophe an der Ahr ist der damals im Hochwasser stehende Triebwagen Nr. 620045 wieder im Einsatz. Bahnfreund Jürgen Gies entdeckte den von Alstom gebauten LINT am Bahnhof Euskirchen und stellte das Bildmaterial unserem Verein zur Verfügung. Das zweite Bildmotiv zeigt den Abtransport der Regionalbahn im September 2022, die dazu vom Bahnhof Kreuzberg nach Ahrbrück gebracht wurde. Über den Ablauf und die Kosten der Wiederherstellung haben wir bisher leider keine Auskünfte erhalten. Die Bahn ist heute wie damals für Vareo im Einsatz, eine Marke des Zweckverbands go.Rheinland, die u. a. auch das Ahrtal bedient. Ob Triebwagen Nr. 620045 auch direkt wieder im Ahrtal eingesetzt wird, ist sicherlich möglich. Über aktuelle Fotos, die wir gerne hier auch veröffentlichen, würden wir uns sehr freuen!
JG/Foto: J. Gies

Rückblick: Überflutete Regionalbahn, Abtransport über Ahrbrück

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Hochbetrieb mit schwerem Gerät: Auf dem Parkplatz am Bahnhof Ahrbrück erfolgte die Verladung der drei Zugteile „von der Schiene auf die Straße“

06.09.2022. Ahrbrück. Geschafft! In einer großangelegten Aktion wurde heute morgen die über 100 Tonnen schwere Regionalbahn – in drei Teilen – auf Schwertransporter verladen. Am Abend bzw. über Nacht soll der Transport zum Bahnhofsgelände Meckenheim erfolgen.
Die Drehgestelle des Zuges mußten übrigens nicht demontiert werden; vielmehr hat man die Magnetschienenbremsen entfernt und Querträger unter die Gelenke geschoben, so dass diese mittig angehoben und komplett mit den Wagenteilen abtransportiert werden konnten.
Bereits vor Wochen hatte der 80 m langen Zug „Fahrt aufgenommen“, indem man ihn vom Bahngelände in Kreuzberg (wo er am Abend des 14. Juli 2021 von den Wassermassen überflutet worden war) mit einem Mehrzweckfahrzeug nach Ahrbrück zog. Dazu mußten extra Behelfsgleise montiert werden, da die regulären Schienen durch die Flut mit ungeheurer Wucht aus ihrem Gleisbett gerissen und demoliert wurden.

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Nicht nur für die Kranführer der Fa. Floßdorf Millimeterarbeit…

In Meckenheim ist wiederum die Verladung auf die Schiene geplant, denn die erheblich beschädigte Regionalbahn soll zum Werk des Herstellers geschleppt und repariert werden. Für den Transport über die Straße hatte man u. a. den Lingenberg-Tunnel oberhalb von Altenahr zweitweise sperren müssen, um etwa störende Schilder zu demontieren.
Interessant dazu auch das Video über den Abtransport der Bahn auf dem Youtube-Kanal „Einsatzfahrten Rheinland“. JG

Spundwand soll Engstelle schützen

Einsatzbereit: Sechs Meter lange Profile für die Spundwand. Foto: Görgler
Aktualisierung (20.9.2025). Die Arbeiten an der tief im Boden versenkten Spundwand sind hier bereits fortgeschritten. Damit sollen Bahndamm und Gleise zwischen Heppingen und der östlichen Straßenbrücke nach Heimersheim bei Hochwassersituationen standhalten. Zwischen Spundwand und dem bestehenden Gleis bleibt Platz für die künftige Gegenspur, womit auf der Teilstrecke Remagen – Bad Neuenahr wieder ein zweipuriger Betrieb möglich sein wird. Foto: Görgler

27. Aug. 2025. Während an der Mittelahr Brückenbauwerke, Tunnelausbauten und Gleisaufbau trotz aller Erschwernisse in beeindruckendem Tempo erfolgten oder auch noch in Arbeit sind, läuft der Bahnbetrieb bereits seit Ende 2021 – also noch im Jahr der Flutkatastrophe – wieder zwischen Remagen und Walporzheim. Allerdings nicht durchgehend zweigleisig, denn auch im Bereich von Lohrsdorf, Heimersheim und Heppingen hatte die Ahr erhebliche Schäden angerichtet: Kanalisiert zwischen Weinberg, Straße und Bahnlinie auf der nördlichen Seite und der vierspurigen B 266 zum Süden hin staute sich das Hochwasser derart auf, dass die Wucht der Flutwelle Gleise und die äußerste Fahrspur des Autobahnzubringers erheblich zerstörte – von den schlimmen Überschwemmungen der umliegenden Ortsteile ganz abgesehen. Erst vor einigen Monaten konnte – zumindest provisorisch – die Zufahrt von der Ahrbrücke zwischen Lohrsdorf und Heimersheim in Richtung Westen wieder hergestellt werden, womit die alte B 266 (Landskroner Straße) vom Straßenverkehr entlastet worden ist. Sukzessive zur laufenden Elektrifizierung der Ahrtalbahn wurden in diesem Bereich bereits Baustellen umgesetzt, wie etwa in Lohrsdorf mit neuem Haltepunkt, der den ursprünglichen Stopp am ehemaligen Bahnhof Heimersheim endgültig ersetzt. Ebenso hat man den Bahnübergang in Heppingen erneuert, damit auch angepasst an die digitale Steuerung des Zugbetriebs, die mit der Elektrifizierung der Ahrtalbahn einhergeht.
Nunmehr ist der lange Gleisabschnitt von Heppingen bis zur Straßenbrücke Lohrsdorf/Heimersheim in Arbeit. Hier soll das Flussbett verbreitert werden. Dies geschieht zunächst schwerpunktmäßig am nördlichen Ufer, wie etwa in Höhe des früheren Bahnsteigs (am Heimersheimer Bahnhofsgebäude), wo die Gleise um sieben Meter in Richtung Straße versetzt werden konnten. Der Neubau des zweiten Gleises in Fahrtrichtung Remagen ist in Vorbereitung, es gilt, die Lücke von Heppingen bis an den neuen Bahnhaltepunkt Heimersheim-Lohrsdorf zu schließen. Zuvor wird bis kurz vor die Brücke eine bis zu 900 m lange, tief in den Boden gerammte Spundwand installiert, die gewährleisten soll, dass die künftig wieder zweispurige Bahntrasse gegen erneute Hochwassersituationen gewappnet ist. Über die Verbreiterung der Ahr hinaus soll bei der Neumodellierung des Flusslaufs in diesem Bereich aus einer bisherigen V-Form eine U-Form werden, womit noch mehr Wasser durchfließen kann.

Schon während der Vorarbeiten waren Baumaschienen mit „Mäkler“ im Einsatz. Dies sind Spezialgeräte mit Führungseinrichtung, mit deren Hilfe Rammgüter (Spundbohlen, Rohre, Pfähle) richtungsgenau eingebracht oder auch Bohrungen vorgenommen werden können. Damit die folgenden Spundwände den Druck durch Hochwasser aushalten, werden in festen Abständen spezielle Stützen bis zu 10 m tief in den Boden eingebracht. Foto: Görgler

Rückblick: Im Gedenken an die Flutkatastrophe von vor vier Jahren sind über die Sommermonate im Kurpark Bad Neuenahr einige Stehlen mit eindrucksvollen Bild- und Wortbeiträgen ausgestellt. Darunter auch Motive, die Hans-Jürgen Juchem, Ortsvorsteher von Lohrsdorf, am Tag nach der Flutnacht von den Weinbergen aus aufgenommen hat. Wie die beiden folgenden Fotos, die nicht nur das Ausmaß des Hochwassers zeigen, sondern auch, weshalb so umfangreich Vorsorge getroffen werden muß, damit sich die Fluten nicht wieder so extrem aufstauen. Wir bedanken uns ausdrücklich für die Bilddokumente, die wir hier veröffentlichen dürfen, die uns Hans-Jürgen Juchem aber auch mit weiteren Texten und Fotos für das künftige Ahrtalbahnmuseum (im Bahnhof Bad Bodendorf) zur Verfügung gestellt hat.

Wie ein verstopfter Trichter: Schon vor dem Bereich der nahezu kanalisierten Ahr hat sich das Wasser in der Flutnacht 2021 aufgestaut. Oben der Blick in Richtung Ahrtalbrücke. Foto: Juchem
Die Engstelle der Ahr direkt auf Höhe des ehemaligen Bahnhofs Heimersheim: Zerstörte Gleise und Straßen nach der Flut. Foto: Juchem

Zurück in die Gegenwart: Über den vielfach angeregten Verzicht auf die ohnehin hochwassergeschädigte vierte Fahrspur des Autobahnzubringers am südlichen Ufer, womit die Ahr erheblich mehr Raum in der Breite gewinnen würde, ist noch nicht entschieden worden. Arbeitskreise, Umweltschützer und die lokale Politik haben sich dafür eingesetzt. So hatte der Stadtrat Bad Neuenahr-Ahrweiler einen Rückbau der B 266 im Bereich der Engstelle um 50 Prozent beschlossen, was sich auf die Gesamtbreite der Fahrbahnen bezieht. Ob dann künftig nur noch zwei oder drei Fahrspuren bei geringeren Abständen vorhanden sein werden, ist dem Vernehmen nach offen. Eine Entscheidung des Landesbetriebs Mobilität (LBM) wird für den kommenden Herbst erwartet. Auch darüber, ob es möglich sein wird, einen neuen Radweg längs der B 266 zur Ahrseite hin zu installieren – wie er vor der Flut vorhanden war und gerne genutzt worden ist.

Die provisorische Zufahrt von der Ahrbrücke zwischen Lohrsdorf und Heimersheim zur Umgehungsstraße in Richtung Bad Neuenahr. Eine spürbare Entlastung für den Verkehr auf der alten B 266 etwa durch Heppingen. Das hier einst zwei Fahrspuren in Richtung Westen vorhanden waren, läßt sich seit der Flutnacht 2021 nur noch erahnen. Foto: Görgler

Im Zusammenspiel aller Maßnahmen rechnet man bei einem sogenannten Jahrhunderthochwasser mit einer Senkung des Wasserstands von bis zu 1,10 Meter. Flutwellen durch Wasserstau sollen neben der Entschärfung der Engstellen auch durch die verwendeten Brückenmodule mit großen Spannweiten vermieden werden. Alles Maßnahmen, die an der gesamten Ahr an verschiedenen Stellen umgesetzt oder in Betracht gezogen worden sind.

Mittig oben der neue Bahnhaltepunkt Heimersheim-Lohrsdorf. Links im Bild befinden sich zwei Gewerbebetriebe auf einem vergleichsweise tief gelegenen Grundstück. Nicht nur deswegen plädiert Ortsvorsteher Juchem für einen wirksamen Hochwasserschutz bis hin zum Bahnhaltepunkt. Foto: Görgler

Nicht ganz so glücklich mit dem Umfang der Maßnahmen äußerst sich der Lohrsdorfer Ortsvorsteher Hans-Jürgen Juchem, der die erwähnte Spundwand gerne bis an die Brücke und darüber hinaus bis zum neuen Bahnhaltepunkt durchgezogen gesehen hätte. Damit wären die Gewerbebetriebe nördlich des Bahndamms in diesem tiefer gelegenen Bereich besser geschützt. Dort ist dem Vernehmen nach bisher nur ein Erdwall als Hochwasserschutz angedacht. Unsere Anfrage dazu bei der Kreisverwaltung Ahrweiler (Abt. Hochwasserresilienz und Aufbaukoordination) ergab, dass man an einer Lösung in Abstimmung mit allen zuständigen Stellen arbeitet. Angestrebt wird die Fortführung des durch die Spundwand geschaffenen Hochwasserschutzes in anderer Bauweise bis zum Bahnhaltepunkt in Lohrsdorf. Weitere Informationen dazu sind erst nach Abschluß der Planungen möglich.
Seitens der Bahn ist man da schon genauer: Ab dem Frühjahr 2026 rechnet man damit, dass vereinbarungsgemäß die 900 m langen Stützmauer durchgehend fertiggestellt ist. Erst dann kann nämlich die Lücke im zweiten Gleis in Fahrtrichtung Remagen geschlossen werden. Dies wirkt sich leider auch auf den Fahrplan bis hin zur Endstation aus: Bis zur Fertigstellung des zweiten Gleises im Bereich Heimersheim wird die neue Linie RB 32 – betrieben von der Mittelrheinbahn (MRB) – ab Freigabe der gesamten Strecke (13./14. Dezember 2025) vorerst nur bis Altenahr fahren, wo der Richtungswechsel auf zwei Gleisen erfolgt, womit auch ein entgegenkommender Zug kreuzen kann. Den MRB-Zügen würden nämlich, so nach eigener Auskunft, am eingleisigen Endhaltepunkt Ahrbrück nur 3 Minuten Zeit zum Ein- und Aussteigen samt Richtungswechsel bleiben – dies sei zu wenig. Dagegen passt es für die Regionalbahnen der Linie RB 30 vom Betreiber DB Regio besser: Ab Freigabe der Gesamtstrecke sind sie sofort stündlich durchgehend von Remagen bis Ahrbrück unterwegs. Sind alle Lücken im Gleisnetz geschlossen, wird auch der vorgesehene 20/40-Min-Takt mit beiden Linien funktionieren. JG

Oben links läßt sich das Ende der im Bau befindlichen Spundwand erkennen (Abdeckplane bis zum gelben Container). Ab der Brücke nimmt der Abstand zwischen Bahngleis und Ahr zu; dennoch ist die Sorge bei künftigen Hochwassern vor einer Überflutung der Gewerbegrundstücke auf der Lohrsdorfer Seite der Brücke nachvollziehbar. Foto: Görgler

Vereinsfahrten

Sonderzug nach Berlin am historischen Datum

Beliebte Sammlerstücke: Der Verein „Baureihe E10“ als Veranstalter hatte vorgesorgt und bot zur Erinnerung an die Fahrt die passenden Zugschilder an. Foto: Görgler

9. November 2024. Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin – und das aus einem historisch begründeten Anlass. So eingestimmt begaben sich rund 30 Mitglieder und Freunde des Vereins Ahrtalbahnfreunde e.V. am 9. November mit einem historischen Sonderzug in die deutsche Hauptstadt. Dort wurde der 35. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer 1989 gefeiert. Deshalb trug der vom Verein „Baureihe E10“ und dem DB-Museum Koblenz eingesetzte Sonderzug auch den Namen „Brandenburger Tor“.

Einfahrt frühmorgens in den Bahnhof von Remagen: Die 1974 in Betrieb genommen Schnellzug-Elektrolokomotive 103245-7 an der Spitze des historischen Intercity-Zuges. Die über Jahrzehnte bewährt E-Lok erreichte mitunter Tempo 200. Foto: Görgler
Gut gefahren: Sechs Minuten früher als im Fahrplan angekündigt erreichte der Sonderzug Berlin … von Eisenbahnfeunden (unten) bereits sehnsüchtig erwartet. Fotos: Görgler


Eine Tagesfahrt von Remagen nach Berlin heißt für alle Teilnehmenden früh aufzustehen. Um 5:35 Uhr verließ der aus Intercity-Waggons aus den 1970er Jahren bestehende Zug Remagen. An der Spitze fuhr die legendäre Lok der Baureihe E 103. Waggons und Lok gehören dem DB-Museum in Koblenz. Schon entlang der Strecke fand der Zug hohe Aufmerksamkeit, als zahlreiche Eisenbahnfans fotografierten. Die 30köpfige Zugbegleitung unter der Regie des Baureihe E10-Vereinsvorsitzenden Martin Rese hatte alle Händen voll tun mit der Bewirtung ihrer Fahrgäste. Dabei begann die Fahrt gleich mit einer schlechten Nachricht: Die zur Abfahrt in Koblenz bestellten 800 Brötchen waren ausgeblieben, so dass Unterstützer unter den Fahrgästen an verschiedenen Haltebahnhöfen Brötchen besorgen mussten.

Kompetente Führung: Dr. Richard Volk (Mitte) wußte anschaulich über Bauwerke und die interessante Geschichte Berlins zu erzählen. Foto: Görgler
Gruppenbild vor dem hl. Georg mit Drachen, zwischen Spree und Zille-Museum gelegen. Das gelungene Foto machte für die Bahnfreunde aus dem Ahrtal eine Touristin aus dem Rheinland

„F 337/337 Brandenburger Tor“ erreichte Berlin Hauptbahnhof überpünktlich – sechs Minuten früher als geplant! Dort erwartete der frühere Sinziger Dr. Richard Volk die Gruppe zu einer spannenden Führung durch das Berliner Zentrum und die Geschichte der Stadt. Schon vor der Mauer, um die es an diesem Tag ging, gab es in Berlin zwei andere Mauern – eine als typische Stadtmauer im Mittelalter errichtet und eine erweiterte in der Barockzeit, mit dem Brandenburger Tor (um 1790) als letztes der ehemaligen 18 Stadttore.
Volk beschrieb am Bahnhof Warschauer Straße die heutige Bedeutung der zentralen Stadtbezirke Friedrichshain (früher Osten) und Kreuzberg (früher Westen), präsentierte die „East Side Gallery“ an einer Mauerrückseite und erzählte von den alten Städten Berlin und Cölln (gegründet von Kölnern). Er zeigte das älteste erhaltene Gebäude von Berlin (Klosterruine von 1250) und mit der Nikolaikirche die älteste Kirche der Stadt.

Rund um das Brandeburger Tor fanden zum Gedenktag verschiedene Aktionen statt. Foto: Görgler

Passend zum Gedenktag des Mauerfalls, der seinerzeit das Ende der DDR einläutete, richtete Volk den Blick auf ablesbare Spuren von Politik und Architektur der DDR. Vorbei am Brandenburger Tor, das wegen des Festbetriebs nicht unmittelbar erreichbar war, kam die Gruppe zurück zum Hauptbahnhof. Ulli Stumm und Matthias Röcke vom Vorstand der Ahrtalbahnfreunde dankten Volk für die hochspannende Führung. Dank galt ebenso Vorstandsmitglied Edgar Steinborn, dessen systematische und kleinteilige Planung den ungewöhnlichen, erlebnisreichen Tagesausflug überhaupt ermöglicht hatte. Text: Matthias Röcke

Bildergalerie (Motive anklicken), Fotos Görgler, Röcke

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Ankündigung: Sonderfahrt mit 50 Jahre altem Schnellzug nach Berlin

Rückblick: Bereits 2023 startete ein Sonderzug des Vereins „Baureihe E10 e.V“ ab Remagen, Ziel war der Weihnachtsmarkt in Erfurt. Stark vertreten waren dabei auch die Ahrtalbahnfreunde, die im kommenden November nach Berlin wieder mit dabei sein werden. Foto: ATBF

Juni 2024 / Remagen / Berlin. In der Nacht zum 9. November 1989 kam es in Berlin mit der Gewährung der Reisefreiheit für die DDR-Bürger zum bedeutendsten historischen Ereignis der deutschen Nachkriegsgeschichte: Dem Mauerfall. Anlässlich der Würdigung dieses Ereignisses hat sich der in Köln ansässige Verein Baureihe E10 e.V. entschieden, am 9. November 2024 den Sonderzug „Brandenburger Tor“ nach Berlin einzusetzen. Der Zug wird gegen Mittag zu den Feierlichkeiten in der Hauptstadt ankommen. Zahlreichen Open-Air-Veranstaltungen, Ausstellungen und Führungen ergänzen die offiziellen Feier.
Ein spezieller Reiz dieser Fahrt liegt auch darin, dass sie mit originalem Wagenmaterial aus der Zeit vor dem Mauerfall durchgeführt wird – nun aber ohne die seinerzeit obligatorischen Grenzaufenthalte mit Passkontrolle in den Grenzbahnhöfen. Dort wurden die Transitzüge nach Westberlin von DDR-Grenzsoldaten auch nach versteckten Flüchtlingen aus der DDR durchsucht, etwa mit Hilfe von Suchhunden unter den Waggons oder das Ausleuchten von Hohlräumen in den Dächern.
Neben den Feierlichkeiten an vielen Orten in der Stadt hat Berlin auch sonst viel zu bieten: Das Brandenburger Tor mit dem neu gestalteten Pariser Platz und der Prachtstraße „Unter den Linden“, den Reichstag, die Siegessäule, den Alexanderplatz mit Fernsehturm, den Checkpoint Charlie sowie diverse Gedenkstätten zum ehemaligen Mauerverlauf wie der weltbekannten East-Side Gallery am Ostbahnhof.
Der Sonderzug „Brandenburger Tor“ des Vereins „Baureihe E10 e.V.“ bietet die ideale Anreisemöglichkeit zu den Feierlichkeiten „35 Jahre Mauerfall“ in Berlin. Er startet gegen 06:00 Uhr in Remagen und hält an den Zustiegsbahnhöfen Bonn Hbf (Abfahrt ca. 06:30 Uhr), Köln Hbf, Düsseldorf Hbf, Duisburg Hbf, Essen Hbf, Bochum Hbf und Dortmund Hbf. Von dort führt die Fahrt ohne Halt über Hannover und Oebisfelde zu den Zielbahnhöfen Berlin Hbf und Berlin Ostbahnhof.
Die Rückfahrt erfolgt etwa gegen 18:30 Uhr ab Berlin Ostbahnhof. In den Wagen der 1. Klasse, welche auch im legendären TEE zum Einsatz kamen, reisen die Fahrgäste komfortabel in sehr bequemen Sitzen mit viel Beinfreiheit. Die Wagen der 2. Klasse bestehen aus klassischen Abteilwagen wie sie vor 40 Jahren allgegenwärtig waren. Auf dem gesamten Laufweg wird der Sonderzug von einer E-Lok der Baureihe 103 gezogen, die ab Mitte der 70er Jahren als Star der Deutschen Bundesbahn – wie heute der ICE – auf fast jedem DB-Werbeplakat zu finden war.
Der Baureihe E10 e.V. ist ein gemeinnütziger, inzwischen über 80 Mitglieder zählender Verein mit Sitz in Köln, der im Jahr 2007 gegründet wurde. In erster Linie engagiert er sich für den Erhalt der Elektrolokomotive der Baureihe 110 aus den 50er Jahren. Hier stehen die Sicherung, Aufarbeitung und Präsentation der im DB-Museum in Koblenz-Lützel untergestellten Vereinslokomotiven 110 152 und 110 300 im Fokus. Neben den Arbeiten an den Vereinslokomotiven befasst sich der Verein mit der Sammlung und Archivierung von Daten, Fakten, Fotos und Dokumenten über die 411 Serien- und die fünf Vorserienlokomotiven dieser Baureihe.
Im letzten Jahr hat der Verein mit der Durchführung seines ersten Sonderzuges zum Erfurter Weihnachtsmarkt Neuland betreten und war von der Resonanz positiv überrascht. Mit der Fahrt nach Berlin möchte er nun in diesem Jahr an den Erfolg anknüpfen. Der Erlös der Fahrt kommt zu 100 % den Lokomotiven und der Vereinsarbeit zugute!
Fahrkarten: Die Fahrpreise betragen für Hin- und Rückfahrt in der 1. Klasse 115 Euro und in der 2. Klasse 85 Euro, Kinder von 6-14 zahlen in der 1. Klasse 79 Euro bzw. in der 2. Klasse 49 Euro. Im Fahrpreis ist die Platzreservierung und Reiseleitung inbegriffen.
Weiter Informationen, auch zur Buchung der Fahrkarten:
Internet: www.e10ev.de/sonderzug/
Email: kontakt@e10ev.de
Postanschrift: Baureihe E10 e. V., Pappelweg 22, 51503 Rösrath. EB

Wichtiger Neubau gestartet: Apollinaris-Brücke Heppingen

Heppingen/Oktober 2024. Drei Jahre nach der verheerenden Flutkatastrophe an der Ahr (Juli 2021), die unter anderem die historische Brückenverbindung zwischen Heppingen ud Heimersheim zerstörte, wird nun eine neue Straßenverbindung zwischen den beiden östlichen Ortsteilen von Bad Neuenahr-Ahrweiler errichtet. Die ursprüngliche Bogenbrücke, ein geschütztes Denkmal (51 m lang, erbaut 1897), konnte dem enormen Druck des Hochwassers nicht standhalten und wurde bis auf das Widerlager mit Bogenansatz auf der Heppinger Seite völlig zerstört.
Der Neubau der Brücke – der erste Spatenstich erfolgte im September – soll nach einjähriger Bauzeit noch 2025 abgeschlossen sein. Mit einer Länge von 60 Metern – ohne zusätzliche Stützpfeiler – wird der Flutgefahr Rechnung getragen und der mögliche Durchfluß deutlich erhöht. Laut dem Stuttgarter Planungsbüro „schlaich bergermann partner“ (dass von der Aufbau- und Entwicklungsgesellschaft Bad Neuenahr-Ahrweiler beauftragt wurde) handelt es sich um ein modern anmutendes Bauwerk mit Einspannung am Widerlager. Das Tragwerk besteht aus wetterfestem Stahl, mit im Verbund liegender Betonfahrbahnplatte.

Die Vorbereitungen für das Widerlager des Brückenneubaus sind bereits im Gange. Schon im Laufe des Jahres 2025 soll die neue Ahrquerung in Betrieb genommen werden. Foto: Görgler
Die neue Ahrbrücke zwischen Heppingen und Heimersheim wird mit 61 m Länge spürbar größer sein als die bisherige mit vier Bögen. Somit wird der Ahr viel Raum auch bei Hochwasser gegeben. Foto: Planungsbüro „schlaich bergermann partner“

Die wiederhergestellte Verkehrsverbindung wird für beidseitigen Radfahrer- und Fußgängerverkehr konzipiert sein, zudem für Pkw mit Gegenverkehr. LKW sollen das Bauwerk ausdrücklich nicht befahren, ausgenommen sind Feuerwehr und Rettungsfahrzeuge. Kalkuliert sind Gesamtkosten von etwa 4,75 Millionen Euro, die aus dem Wiederaufbaufonds abgedeckt sind.

Der Bahnübergang an der Martinusstraße führt zur derzeit noch provisorischen Ahrquerung in Richtung Heppinger Straße / Heimersheim. Der Brückenneubau läuft bereits (Bereich gelber Pfeil). Foto: Görgler

Zeitnah folgen in der Kernstadt weitere Brückenneubauten, so an der Landgrafenstraße, im Bereich von Bachem sowie die wichtige Flußquerung gegenüber dem Ahrtor, wo der Verkehr aus der Innenstadt auch in Richtung Ramersbach erfolgt, zudem eine schnelle Verbindung von und zum künftigen Feuerwehrgerätehaus auf dem ehemaligen Abenteuerspielplatz an der Ramersbacher Straße ermöglicht.

Die alte Heppinger Brücke (Apollinaris-Brücke) wurde 1897 als Bogenbrücke mit vier Bögen aus roten Ziegelsteinen erbaut. Ihre Vorgänger aus Holz wurden bei früheren Hochwassern mehrfach zerstört. Dieses Schicksal traf das hübsche Bauwerk in der Flut 2021. Foto: Toni Simons /AW-Wiki

Zurück nach Heppingen: Zu erwähnen ist, dass der vorhandene Restbogen der alten Apollinaris-Brücke als Mahnmal für die Opfer der schlimmen Flutkatstrophe erhalten bleiben soll.

Auf diesem Foto (Anfang Oktober 2024) ist die provisorische Brücke (links) sowie das vorbereitete Baugelände mit dem abestützten Rest des ersten Bogens der alten Brücke zu sehen. Foto: Görgler

Eisenbahn historisch und im aktuellen Güterbetrieb

Gruppenfoto vor dem Verwaltungsgebäude der Augsburger Localbahn. Helmuth Schmitt (3. v. links) informierte die Gäste aus dem Ahrtal über die Geschichte der Bahn. Foto: Görgler

„Freunde der Ahrtalbahn“ besuchten das Verkehrsmuseum Nürnberg und die Augsburger Localbahn.

November 2019. Historie und Aktualität begegneten den „Freunden der Ahrtalbahn“ bei ihrer jüngsten Reise nach Nürnberg und Augsburg. Der Historie wegen waren sie nach Nürnberg gefahren, um sich dort im Verkehrsmuseum, dem Hauptmuseum Deutschen Bahn AG, umzusehen. Und die Aktualität  erlebten sie einen Tag später, als sie die Augsburger Localbahn besuchten, eine ganz spezielle Güterbahn.
Im Nürnberger Museum fanden die Eisenbahnfreunde reichlich Stoff für ihre Leidenschaft, sich mit der Eisenbahn zu befassen. Die Geschichte ab 1835 über die Zeit der Länderbahnen bis zur frühen Deutschen Reichsbahn und dann die Bahngesellschaften in der alten Bundesrepublik und der DDR bis 1990 bot eine Fülle an Information. Und auch die Zeit bis heute gehörte dazu, alles sehr anschaulich und informativ dargeboten. Ein Höhepunkt: Auf der imposanten Modellbahnanlage ist echter Bahnbetrieb mit vorschriftsmäßigem Blockabstand umgesetzt.
Die Augsburger Localbahn ist eine schon mehr als 125 Jahre bestehende Güterbahn, die wohl als einzige ihrer Art noch übrig geblieben ist. Im Jahre 1889 entschlossen sich mehrere Augsburger Industriebetriebe, dem in den Straßen herrschenden Verkehrschaos durch Fuhrwerke (!) Abhilfe zu verschaffen mit dem Bau einer Eisenbahn. Es entstand eine Rundbahn, die die Verbindung zum Ausburger Bahnhof herstellte. Und sie fährt noch heute, zwei der Anteilseigner waren schon vor 129 Jahren dabei. Geschäftsführer Helmuth Schmitt  empfing die Gruppe aus dem Ahrtal und informierte sie theoretisch und praktisch über den Bahnbetrieb. Rund 40 Menschen arbeiten hier heute noch, sie führen Rangierfahrten und Gütertransporte, auch auf externen Strecken, durch und transportieren 1,2 Mio. Tonnen im Jahr.

Die Gruppe aus dem Ahrtal wusste sehr zu schätzen, dass Helmuth Schmitt nicht nur ein exzellenter Kenner seiner  Eisenbahn, sondern auch seiner Heimatstadt ist. Bevor sie im Augsburger Hauptbahnhof den Zug in Richtung Rheinland bestieg, erlebte sie in kompakter, aber intensiver Art und Weise die Geschichte der Stadt und erfuhr viel über die freie Reichstadt, die Handelsmacht der Fugger, über Reformation und den Augsburger Religionsfrieden, die (seinerzeit unerwünschte) Zugehörigkeit zum Königreich Bayern, die Industrialisierung und das Schicksal der Stadt im Zweiten Weltkrieg. Wolfgang Groß, Sprecher der Freunde der Ahrtalbahn und Organisator der Fahrt, dankte Schmitt dafür im Namen aller.