Aktuelles und Perspektiven


Mai 2021 Aktuelles zur Ahr- und Rheintalbahn

 

Stammtische starten wieder

Wir beginnen im Juni 2021 wieder mit unseren regelmäßigen Stammtischen. Nächster Termin: 

Dienstag, 29. Juni 2021, 18 Uhr, Kölner Hof in Dernau

Mai 2021

Umbaumaßnahmen Ahrtalbahn mit Sperrungen Ende 2021

Bahnsteige am Bahnhof Rech und Haltpunkt Ahrweiler-Markt  

 von Willi Tempel

Die Umbauarbeiten zur Modernisierung an den Haltepunkten Rech und Ahrweiler Markt sollen in der Zeit vom 04. Oktober bis 10. Dezember 2021 ausgeführt werden. In Rech ist die Situation weiterhin besonders gefährlich, da der Bahnsteig nach hinten abfällt. Und ein großer Wermutstropfen für Ahrweiler: Die beiden Bahnsteige an Gleis 1 und 2 werden zwar Barrierefrei, nicht jedoch die Zu-  und Abgänge zu diesen. Dies hatte sich wegen der topografischen Verhältnisse, vor allem wegen der ansteigenden „Buckelbrücke“ dort, als äußerst schwierig erwiesen. Die Arbeiten an beiden Projekten können nur unter Vollsperrung durchgeführt werden.

Kein Zugverkehr während Umbauarbeiten

Dies hat zur Folge, dass die Ahrtalbahn vom 4.10.  bis 10.12.21 tagsüber nur bis Ahrweiler Bahnhof planmäßig verkehrt. Demnach kann die Strecke nach derzeitigem Stand von Montag bis Freitag vor 07.00 Uhr und ab 20.00 Uhr sowie an Samstagen und Sonntagen allerdings befahren werden. Jedoch ohne Halt an den beiden Baustellen.

Diese beiden Haltepunkte können während der gesamten Sperrzeit nicht angefahren werden. Es wird vielmehr ein Schienenersatzverkehr geplant, der „auch die an speziellen Tagen benötigten Kapazitäten berücksichtigt.“ Für die Planung der Buskapazitäten ist es daher vor allem wichtig, welche Veranstaltungen (Weinfeste, Luzia-Markt) geplant sind, und in welchem Umfang. Nach Aussage der Bahn sei die Verschiebung der Sperrzeit auf Grund anderer Zwänge nicht möglich. Nach diesen beiden Maßnahmen steht noch die Sanierung der Bahnsteige in Kreuzberg, Altenahr, Rech, Dernau, Walporzheim, Heimersheim und Bad Bodendorf an. Wie es mit dem geplanten Haltepunkt Bad Neuenahr-Mitte weitergehen wird, war derzeit nicht zu erfahren.  Offen ist noch, ob und wann das bereits vor Jahren zurückgebaute Gleis 1 am Bahnhof Walporzheim für Taktverbesserungen wieder reaktiviert wird. An den sichtbaren Absackungen am Bahnhofsgebäude in Walporzheim hat es keine Änderungen gegeben. Diese Bereiche sind weiterhin mit Flatterband abgesperrt.  

Planungen ESTW – Modernisierung Bahnübergänge Dernau

 Gleichzeitig gehen die Planungen Teil I für das Elektronische Stellwerk (ESTW) auf dem Bahnabschnitt von Walporzheim nach Ahrbrück weiter. Der Ausbau Ahrabwärts bis Remagen soll erst später, in einer zweiten Stufe, erfolgen. Diese Verbesserungen machen jedoch das einzig verbliebene Personal an der Strecke, die Fahrdienstleiter in den Bahnhöfen, überflüssig. Und vorbei wäre es dann auch mit den historischen Signalanlagen an der Strecke sowie den Stellwerken in den Bahnhöfen Kreuzberg, Dernau, Walporzheim, Bad Neuenahr und Bad Bodendorf.  Voraussetzung für die Umsetzung des ESTW ist auch der Umbau der Bahnübergänge (BÜ), unter anderem der beiden BÜ`s in Dernau. Baubeginn in Dernau soll am 25. Juni sein und die Fertigstellung bis voraussichtlich Ende November 2021 dauern.

Ebenfalls umgebaut werden soll im Zuge dieser Maßnahmen der Bahnübergang in Kreuzberg. Dem Ende zu neigen sich auch die Planungen für die Realisierung des GSM-R-Mobilfunknetzes. Dies ersetzt nahezu alle analogen Funksysteme der Deutschen Bahn AG. Es realisiert die wichtigsten, für den Bahnbetrieb erforderlichen Funkanwendungen durch spezielle Dienstfunktionen – die so genannten „R-Merkmale.“ Das GSM-R Mobilfunknetz stellt eine einheitliche, standardisierte und europaweit interoperable Systemplattform zur Verfügung, auf der die mobilen Sprach- und Datenfunkanwendungen der Deutschen Bahn AG aufsetzen. Das System funktioniert über die überwiegend bereits errichteten Funkmasten entlang der Bahnstrecke.

Mai 2021

Gleisanschluss Apollinaris in Bad Neuenahr

Das Unternehmen plant am Standort Bad Neuenahr derzeit keine Reaktivierung  

von Willi Tempel

 In der April Ausgabe berichtet die Bahn-Fachzeitung „Eisenbahn-Kurier“, dass die Firma „Coca-Cola European Partners Deutschland GmbH“ wieder plant, zunehmend Langstrecken-Transporte auf die Schiene verlagern. Im Jahr 2020 hat das Unternehmen durch die Verlagerung von Langstreckentransporten auf die Schiene deutschlandweit 1,7 Millionen LKW-Kilometer und 1.000 Tonnen CO2 eingespart. Zu diesem Unternehmen zählt seit einigen Jahren auch der frühere Apollinaris-Standort Bad Neuenahr. Diesen hat Coca-Cola im Jahr 2006 erworben. Hier werden neben Mineralwasser auch verschiedene andere Produkte abgefüllt. Dort existiert noch ein Gleisanschluss (Werksbahn nach § 2, Abs. 8 Allgemeines Eisenbahngesetz). Kurz hinter dem Bahnhof Bad Neuenahr in Richtung Rhein zweigt dieses Gleis auf das Apollinaris-Werksgelände ab, und führt vor dem heutigen Absperrzaun zweigleisig auf das Betriebsgelände. Hierfür besteht ein Infrastrukturanschlussvertrag (IAV) mit der DB Netz AG, zumindest bis zur Umsetzung des in Planung befindlichen Elektronischen Stellwerks (ESTW) auf der Ahrtalbahn.

Gleisanschluss Apollinaris in Bad Neuenahr, kurz vor dem Werkstor (Foto Willi Tempel)

Im ersten Schritt soll hierbei zunächst ohnehin nur der ESTW-Abschnitt von Walporzheim Ahraufwärts bis Ahrbrück umgesetzt werden. Die zunehmenden Diskussionen um den wachsenden CO2-Ausstoß, aber auch LKW-Unfälle würden es nahelegen, diesen Anschluss wieder in Betrieb zu nehmen. Blick Aktuell fragte nach beim Eisenbahn-Bundesamt (EBA) sowie bei der Pressestelle von Coca-Cola, ob es Überlegungen des Unternehmens gebe, diesen Bahnanschluss kurz- oder mittelfristig wieder in Betrieb zu nehmen – was aus den geschilderten Problemen sicher auch vor Ort begrüßt würde.

Nicht betriebsfähig

Die Pressestelle des Hauses Coca-Cola teilte hierzu jetzt mit: „Derzeit sind die Gleise bei Coca-Cola in Bad Neuenahr nicht betriebsfähig. Wegen unseres geringen Volumens für Langstreckentransporte planen wir aktuell nicht, die Betriebsfähigkeit wieder herzustellen. Wir sind aber sehr froh, mit dem intermodalen Verkehr – einer Kombination aus langen Schienentransfers und kurzen Straßentransporten – eine nachhaltigere Lösung für unsere Langstreckentransporte mit überschaubarem Volumen gefunden zu haben. So war es uns bereits 2020 in Bad Neuenahr möglich, 100 Tonnen CO2 einzusparen.“ (Anm. d. Red.: Intermodaler Verkehr ist eine Sonderform des multimodalen Verkehrs, beschreibt eine mehrgliedrige Transportkette, und betrifft sowohl den Personen- als auch Güterverkehr. Im Personenverkehr werden hierbei innerhalb einer einzigen Reisekette verschiedene Verkehrsmittel verknüpft). 

Direkt neben dem Gleisanschluss verläuft die Ahrstrecke (Foto Willi Tempel)

Schienengüternetz der Firma Coca Cola

Coca-Cola plant, hierzu bis Mitte des Jahres mit DB (Deutsche Bahn) Cargo ein bundesweites Schienengüternetz aufzubauen. In der Tat arbeite man daran, „unsere Treibhausgasemissionen zu reduzieren, und setzen dazu bei unseren Langstreckentransporten zwischen unseren Standorten zunehmend auf die Schiene – auch in Bad Neuenahr. Da wir in Deutschland jedoch weitgehend regional produzieren und ausliefern, ist unser Transportvolumen für Langstrecken gering. Deshalb nutzen wir an unseren Standorten intermodale Verbindungen, d.h. eine Kombination aus langen Schienentransfers und kurzen Straßentransporten von und zu den Umschlagbahnhöfen“. Mit den Bahntransporten ab Bad Neuenahr habe man so bereits 2020 die eingangs genannte Summe von über 100 Tonnen CO2 eingespart.  Die Pressestelle des Einbahnbundesamtes (EBA) teilte hierzu auf Nachfrage von Blick Aktuell mit, dass in Bezug auf den fraglichen Bahnanschluss beim Eisenbahn-Bundesamt bislang kein Förderantrag gestellt wurde. Hierbei handele es sich auch um eine Angelegenheit der Landeseisenbahnaufsicht. Diese läge in den Händen des Landesbehörden Rheinland-Pfalz.

Dezember 2020 Aktuelles zur Ahr- und Rheintalbahn

Bahnsteige für RRX-Halt in Bad Breisig und Sinzig

Hier kommt es zu weiteren Verzögerungen. Der Abschluss der Arbeiten am Bahnhof Bad Breisig soll voraussichtlich im dritten Quartal 2023 erfolgt sein. In Sinzig, so der Bahnsprecher auf Rückfrage von Blick Aktuell weiter, sei die vollständige Nutzung auf 170 Metern bereits möglich. Die letzten drei Türen des RXX müssen jedoch bis zur Erweiterung des Bahnsteigs (voraussichtlich 2023) geschlossen bleiben.

Bahnhof Remagen

Hierzu teilte die DB-Pressestelle mit, dass Umbau und Modernisierung der Bahnsteige 2 und 3 sowie des entsprechenden Bahnsteigdaches bereits abgeschlossen wurden. Zusätzlich wurden Oberbauarbeiten an Gleis 2 und 3 erledigt, und die Beleuchtung erneuert. Gleis 1 und der Fahrstuhl dort sind ebenfalls in Betrieb. Die Arbeiten zur Sanierung des historischen Bahnsteigdachs am Hausbahnsteig in Remagen wurden, so DB, Anfang Mai – nachdem die Genehmigung durch das Landesamt für Denkmalpflege vorlag – aufgenommen. Dafür wurde das Dach zunächst zurückgebaut, um den Schädigungsgrad zu analysieren. Aufgrund strenger Denkmalschutzauflagen, die bspw. eine Sandstrahlung ausschließen, ist die Restaurierungsarbeit der Stützen deutlich zeitaufwendiger, als vor dem Rückbau veranschlagt. Die zeitaufwendige Bearbeitung der Stützen und die zusätzliche Abstimmung mit der Denkmalpflege bedingen eine Verschiebung der vollständigen Fertigstellung des Bahnhofs im kommenden Jahr.

Bahnhof Oberwinter

Der Bahnsteig wird, so die Bahn, voraussichtlich nach dem Ende der Sperrpause, Anfang Februar 2021, in voller Länge für die Reisenden in Nutzung gehen. Hier gibt es jedoch Beschwerden von Bahnnutzern und der Initiative Bahnhof Oberwinter, weil die provisorische Bushaltestelle derzeit 320 Meter vom Bahnhof entfernt liege, und die Anschlussbusse wegen knapper Übergangszeiten nur schwer erreichbar seien. In dieser Sache habe die Stadtverwaltung Remagen eine Verlegung durch eine Halbierung der Distanz zwischen Bahnhof und Bushaltestelle jedoch kategorisch abgelehnt.

Reaktivierung von Gleis zwei und Gebäudeschäden am Bahnhof Walporzheim:

Am Bahnhofsgebäude Walporzheim sind deutliche Sackungsschäden sichtbar. Die Bereiche sind bereits seit einiger Zeit mit Flatterbändern abgesperrt. Hierzu teilte die DB-Pressestelle lediglich mit: „Die weitere Nutzung des Bahnhofsgebäudes Walporzheim wird derzeit geprüft.“ Das vor etlichen Jahren ausgebaute zweite Gleis 2 am Bahnhof Walporzheim soll reaktiviert werden. Geplant ist dies im Zusammenhang mit der 2. Baustufe des Elektronischen Stellwerks (ESTW) im Abschnitt Remagen – Walporzheim, voraussichtlich 2029. Diese Reaktivierung ist zur Verbesserung des Taktverkehrs der Ahrtalbahn längst überfällig.

Elektronisches Stellwerk (ESTW), 1. Baustufe zwischen Walporzheim –
und Kreuzberg/Ahrbrück

 Die Inbetriebnahme der Baustufe 1 ESTW im Abschnitt Walporzheim – Ahrbrück sei, so die DB-Pressestelle, nach jetzigem Stand für Ende 2021 vorgesehen. Im Rahmen der ESTW-Maßnahme wird der Bahnübergang Dernau, Steinbergsmühle, mit einer Schrankenanlage in Verbindung mit Lichtzeichen technisch gesichert.  Außerdem erneuert die DB den Bahnübergang Dernau-Mitte sowie Kreuzberg vollständig. Für diese Anlagen läuft derzeit das Planfeststellungsverfahren. Beim Bahnübergang in Altenahr finden im Rahmen des ESTW-Projektes signaltechnische Anpassungsarbeiten statt. Die Bahnsteige und die Zugänge in Dernau und Kreuzberg müssen im Zusammenhang mit dem ESTW-Projekt nicht erneuert werden. „Die Erneuerung der Bahnsteige plant die DB nach heutigem Stand voraussichtlich in 2024“, so betonte die DB jedoch.

Baustufe 2 Remagen – Walporzheim:

Die Realisierung der 2. ESTW-Baustufe ist, so der Bahnsprecher, voraussichtlich in 2029 geplant. Nach derzeitigem Stand sollen fünf Bahnübergänge im Rahmen dieser zweiten Baustufe erneuert werden: Bodendorf, Lohrsdorf, Heimersheim sowie die beiden Übergänge in Bad Neuenahr. In Zusammenhang mit dieser 2. Baustufe des ESTW im Abschnitt Remagen – Walporzheim soll dann, wie oben geschildert, gleichzeitig Gleis 2 am Bahnhof Walporzheim reaktiviert werden.

Landesgartenschau 2022

Anlässlich der Landesgartenschau (LAGA) 2022 in Bad-Neuenahr-Ahrweiler plant der SPNV-Nord eine Ausweitung des Zug-Angebots auf der Ahrtalbahn zwischen Remagen und Dernau, mit Einführung eines 20-Minuten-Taktes an den LAGA-Wochenenden und Feiertagen. Eine Ausweitung auch auf montags bis freitags, und über die LAGA hinaus, wird derzeit geprüft.

 Elektrifizierung Ahrtalbahn

Hierzu hat sich der SPNV-Nord um Verbandsdirektor Thorsten Müller mittlerweile eindeutig geäußert. Bei der SPNV-Verbandsversammlung am 01. Dezember 2020 in Koblenz wurde betont, dass sich der SPNV-Nord als bedeutenden Beitrag zum Klima- und Umweltschutz und zur Steigerung der Attraktivität des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) für Elektrifizierungsprojekte einsetze; insbesondere von Nebenstrecken des Nahverkehrs an bereits elektrifizierte Hauptstrecken. Konkret seien dies die Ahrtalbahn zwischen Remagen und Ahrbrück sowie die Moselweinbahn zwischen Bullay und Traben-Trarbach. Beide Strecken seien auch Teil des Zukunftskonzepts „Deutschland-Takt“, der eine Elektrifizierung unterstellt. Damit ließen sich neben dem ökologischen Potenzial auch bedeutende Angebotsverbesserungen für die Fahrgäste erreichen sowie eine wirtschaftlichere Nutzung gewährleisten. Der SPNV-Nord-Verbandsvorsteher, Landrat Dr. Jürgen Pföhler, sieht den SPNV-Nord als zuverlässigen und stabilen Partner: „Mit den heutigen Beschlüssen hat er die Tore für die Zukunft des SPNV im Norden von Rheinland-Pfalz weit aufgemacht. Ich hoffe, dass die Strecken-Elektrifizierungen und damit einhergehenden Angebotsverbesserungen für die Fahrgäste auch wirklich umgesetzt werden können.  Wir haben das Land gebeten, die kommunale Ebene bei der Finanzierung nach dem Bundes-GVFG mit mindestens 50 % zu unterstützen.“ Auch die Ahrtalbahnfreunde befürworten dieses Vorhaben nachdrücklich, so deren Sprecher Wolfgang Groß  

August 2020

Funktion der Klimananlagen in Bussen

Aus aktuellem Anlaß hier ein Hinweis zu einem Beitrag von Sascha Böhnke, Bustester der Faschzeitschrift Omnibusrevue,   zur Funktion der Klimaanlage, auch mit Hinweis auf Corona. Sehr verständlich und gut dargestellt. Vielleicht auch eine Hilfe fürs eigene Auto.

https://youtu.be/NQnOMBg-trc

Juli 2020

SPNV-Nord-Verbandsdirektor Thorsten Müller bei den Ahrtalbahnfreunden 

Ahrtalbahnstrecke Pilotprojekt für Hybridzüge – Reaktivierung bis Adenau?

 20-Minuten Takt bis Dernau – Kombi-Ticket zur Landesgartenschau?

 Auf Einladung der Freunde der Ahrtalbahn referierte jetzt Thorsten Müller, Verbandsdirektor des Zweckverband SchienenPersonenNahVerkehr Rheinland-Pfalz Nord (SPNV-Nord), zu aktuellen Themen des Öffentlichen Personen Nahverkehrs (ÖPNV). Diese Funktion hat Müller vor anderthalb Jahren übernommen – und sich in dieser Zeit allenthalben bereits einen guten Ruf verschafft.

Nach kurzer Begrüßung durch Wolfgang Groß, den Sprecher der Ahrtalbahnfreunde, gab Thorsten Müller einen Überblick über Zukunft und Perspektiven des ÖPNV im Bereich des SPNV Nord – und freute sich über die Philosophie der Ahrtalbahnfreunde zur Verbesserung der Qualität auf der Ahrtal-und Rheintalbahn. Zum SPNV-Nord Geschäftsbereich gehören etwa die Bereiche Mosel mit Trier, Hunsrück, Westerwald, Siegerland, Eifel und der Ahrkreis. Dem SPNV Nord stehen jährlich rund 180 Millionen Euro für SPNV-Zwecke zur Verfügung. Damit besteht ein Nachholbedarf gegenüber dem SPNV Süd, der mit höheren Mitteln ausgestattet ist.   Neben dem Hauptthema Ahrtalbahn standen aber auch die Verbindungen an Rhein, Mosel und Lahn im Mittelpunkt der Ausführungen.

Bei der gut besuchten Veranstaltung im Winzerverein Bad Bodendorf konnte Wolfgang Groß auch Wolfgang Schlagwein, den Grünen Fraktionsvorsitzenden im Kreistag Ahrweiler, begrüßen. Der hatte sich zuletzt in der Diskussion um das geplante neue Nahverkehrsgesetz engagiert. Schlagwein brachte nochmals die Bedenken gegen den Gesetzentwurf für eine zentrale Organisation vor, „der mittlerweile nach der massiven Kritik wenigstens in den kritischsten Punkten geändert werden soll.“ Eine Umsetzung hätte, durch die Auflösung von SPNV Nord (Koblenz) und Süd (Kaiserlautern) sowie der fünf Verkehrsverbünde nicht nur für Rheinland-Pfalz fatale Folgen gehabt, sondern auch massiv in den angrenzenden Nachbarbundesländern. Nun solle die Regionalität, so Thorsten Müller, jedoch erhalten bleiben. Zunächst ging Müller dann auf einige überregionale Strecken und Vorhaben ein. So etwa die dringend benötigte „Weststrecke Trier“, für deren Umsetzung er schlussendlich in 2024 rechnet. Bei solchen Projekten müsse es zu einer Baubeschleunigung kommen, so Müller.

Vortrag von Thorsten Müller im historischen Kelterhaus des Bodendorfer Winzervereins Foto Willi Tempel

Reaktivierungen

Auch die Reaktivierung der Hunsrückquerbahn ist derzeit ein aktuelles Thema, zumal dort ein privates Unternehmen eigenständig zunächst den Güterverkehr wieder aufnehmen will. Die Hunsrückbahn ist eine teilweise stillgelegte Eisenbahnstrecke. Diese führte in ihrer gesamten Länge von Langenlonsheim über Stromberg, Simmern, Kirchberg, Büchenbeuren (Abzweig Flughafen Hahn), Morbach, Thalfang bis nach Hermeskeil. Die Infrastruktur dieser Trasse ist noch fast vollständig vorhanden. Für die ebenfalls geplante Reaktivierung der Eifelquerbahn verkündete Thorsten Müller positive Nachrichten, vor allem durch einen Beschluss der Verbandsversammlung des SPNV Nord. Hier wurde mittlerweile eine Machbarkeitsstudie festgelegt. Diese Strecke würde unter anderem über den Ausgangspunkt Gerolstein über Daun – Kaisersesch – Mayen – Andernach wieder eine direkte Verbindung aus der Eifel an das Rheintal sowie an die Lahn verschaffen.

Thorsten Müller sprach auch die andauernden Pünktlichkeitsprobleme beim Regional-Express (RE) 5 und mit der Mittelrheinbahn an. „Auch die Bauarbeiten zur Verbesserung der Streckensituation nerven die Fahrgäste,“ versteht Müller den Groll der Bahnkunden. Und die Fertigstellung der Bahnsteige Sinzig und Bad Breisig – eigentlich bis 2021 zugesagt – soll nun erst 2024 erfolgt sein. Auf der rechten Rheinseite soll ab 2026 zweistündlich ebenfalls ein RE zwischen Frankfurt und Koblenz, über Wiesbaden, verkehren. Eines der größten Probleme seien weiter die seit „Corona“ auf 10 bis 15 Prozent eingebrochenen Fahrgastzahlen. Ende Juni sei man noch nicht über eine Quote von 50 Prozent hiervon gelangt. Auch die vielen Beschwerden gegen den Tarifdschungel in Deutschland teilt Thorsten Müller. Zumal es in der Schweiz gelungen sei, mit einer innovativen App alle Tarife zu integrieren und immer den günstigen Fahrpreis zu erhalten. Die beiden Schienen-Strategieprojekte – Deutschland-Takt im Bund und Rheinland-Pfalz-Takt in RLP – haben den Zielhorizont 2030.

Thorsten Müller im Fachgespräch mit Wolfgang Groß Foto: Willi Tempel

Nachholbedarf

An der baulichen Situation (insbesondere den Bahnsteighöhen) vieler Bahnhöfe und Stationen der Ahrtalbahn sieht Thorsten Müller Nachholbedarf. Auch hier beklagte Müller die langen Umsetzungszeiten, etwa am Haltepunkt “Ahrweiler Markt“. Zu einer Fahrzeitplanstabilität sollen neben dem geplanten ESTW (Elektronisches Stellwerk) und später DSTW (Digitales Stellwerk) zwischen Remagen und Ahrbrück weiterhin die Reaktivierung des zweiten Gleises am Bahnhof Walporzheim beitragen.

Ebenso könnte eine Elektrifizierung an der Ahr die Fahrzeiten verringern. Diese Maßnahme befinde sich zwar auf der Prioritätenliste des Landes Rheinland-Pfalz, von der angekündigten Elektrifizierungs-Offensive des Bundes sei bislang jedoch noch nichts passiert. „Woher das Geld für diese Maßnahme kommen soll, ist unklar und nicht geklärt, obwohl die Zeit drängt,“ stellte Wolfgang Groß fest. Ob diese im Zusammenhang mit dem Deutschlandtakt notwendige Oberleitung komme, sei daher nicht absehbar. Thorsten Müller teilte weiter mit, dass auf der Ahrtalbahn ein Pilotprojekt des SPNV Nord – zusammen mit den Land Rheinland-Pfalz – mit Hybridfahrzeugen (BEMU – Anmerk.: Batterie/Elektrisch) vorgesehen sei. Bei allem gehe es darum, wohin die Mehrzahl der Bahnkunden aus dem Ahrtal am besten ohne Umsteigen kämen. Wolfgang Groß sprach in diesem Zusammenhang positiv die im Entwurf des Deutschlandtaktes vorgesehen Direktverbindung von Ahrbrück bis Wuppertal an. Die Reaktivierung der Ahrtalbahnstrecke zwischen Ahrbrück und Adenau hält Wolfgang Groß „mit 85 bis 90 Prozent“ für realisierbar. „Hier muss es jedoch politische Impulse vor Ort geben“ forderte er gleichzeitig ein. Zur Landesgartenschau vermissen die Ahrtalbahnfreunde bislang sowohl ein Verkehrskonzept als auch die Einführung eines Kombi-Tickets.  Dies befürwortet auch Thorsten Müller für den Besuch der Weinfeste an der Ahr etc. Für Wolfgang Schlagwein gehört ein Kombi-Ticket zu einer nach eigenem Anspruch „klimaneutralen“ Landesgartenschau unbedingt dazu. Die Ahrtalbahnfreunde begrüßen die Absicht des SPNV Nord, mit der Landesgartenschau im Ahrtal auch einen 20-Minuten-Takt von Remagen nach Dernau einzuführen.

Aus dem Zuhörerkreis wurde abschließend der Stillstand beim geplanten Bahnhaltpunkt „Bad Neuenahr-Mitte“ beklagt.

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SPNV-Nord engagiert sich für alternative Antriebsformen auf der Ahrtalbahn

September 2019

Wie erst kürzlich bekannt gemacht wurde, setzt der SPNV-Nord sich gemeinsam mit dem rheinland-pfälzischen Verkehrsministerium für alternative Antriebsformen auf Eisenbahnstrecken ein, wovon konkret auch die Ahrtalbahn profitieren soll.

Die Verbandsversammlung des SPNV-Nord stellt sich mit dem Beschluss vom 6. August 2019 aktiv den Herausforderungen des Klimawandels und hat einer Umsetzungsstudie für zwei Pilotanwendungen zugestimmt.

Schon im Herbst soll die Studie beauftragt werden, mit der zwei mögliche Anwendungen alternativer Antriebsformen für den kombinierten Einsatz auf elektrifizierten und nichtelektrifizierten Strecken auf der Ahrtal- und der Pellenz-Eifel-Strecke näher unter die Lupe genommen werden sollen.

Ziel dabei ist der Testbetrieb eines Batteriezuges auf der Ahrtalbahn und eines Wasserstoffzuges auf der Pellenz-Eifel-Bahn.

Entgegen der jüngsten Befürchtungen bedeutet dies aber keineswegs eine Verzögerung der Pläne zur Elektrifizierung der Ahrtalbahn, an der seitens des SPNV-Nord gemeinsam mit dem Land festgehalten wird.
Die Bestrebungen zum Test der Praxistauglichkeit alternativer Antriebstechnologien auf der Ahrtalbahn stehen in engen Zusammenhang mit den Plänen zur Elektrifizierung der Strecke und sollen dazu beitragen, mittels Übergangslösungen eine Abkehr vom Dieselantrieb zu beschleunigen.

So der SPNV Nord aus Koblenz, man darf auf den Versuch gespannt sein.

Bahnhof Rech und Bahnhaltepunkt Ahrweiler-Markt: Umbau in 2021       

Ahrweiler-Markt aber ohne barrierefreien Zugang – beide Dernauer Bahnübergänge werden modernisiert

 Elektronisches Stellwerk (ESTW) soll ebenfalls 2021 in Betrieb gehen

24.7.19

In die Umsetzung des Elektronischen Stellwerks (ESTW) an der Ahrtalbahnstrecke zwischen Walporzheim und Kreuzberg kommt Bewegung. Ursprünglich war die Deutsche Bahn (DB) Netz AG ja schon von einer Inbetriebnahme des ESTW in der II. Jahreshälfte 2018 ausgegangen. Die Entwurfsplanungen für das ESTW zwischen Walporzheim und Ahrbrück waren bereits abgeschlossen. Dann war die Umsetzung, wie andere Bahnprojekte auch, trotz der bereits begonnenen Vorbereitungsarbeiten aus finanziellen Gründen gestoppt worden. Die aktuellen Planungen sehen nach Information von DB Netz vor, dass die Bedienung des ESTW von Ahrweiler aus erfolgt. Das Gebäude für die technischen Einrichtung für den Betrieb des ESTW soll jedoch in Walporzheim stehen. Zunächst die soll moderne Technik in einer ersten Baustufe nur von Ahrweiler ahraufwärts bis Ahrbrück realisiert werden.

Das mechanische Einfahrsignal A Bf Dernau wird bei einem elektronischen Stellwerk mit einem Lichtsignal ersetzt. Foto: Wolfgang Groß

 

Auch in Kreuzberg werden dann die mechanischen Ausfahrsignale verschwinden.

Der Streckenbereich von Remagen bis Ahrweiler soll in einer späteren Maßnahme umgesetzt werden.   Damit bleiben die mechanischen Stellwerke Bad Bodendorf, Bad Neuenahr und Ahrweiler noch erhalten. Die Inbetriebnahme der ersten Baustufe ist aktuell für 2021 geplant. Dies ergibt sich auch aus der offiziellen DB-Mittelfristplanung. Demnach ist dies im Ländergespräch gegenüber dem Verkehrsministerium auch schon entsprechend kommuniziert worden.

Haltepunkte Rech und Ahrweiler-Markt

Auch der barrierefreie Umbau des Bahnhofs Rech sowie des Bahnhaltepunktes Ahrweiler-Markt sollen im Jahr 2021 realisiert werden. Der Zweckverband SchienenPersonenNahVerkehr (SPNV) Nord teilte hierzu mit, dass diese beiden Projekte seitens der DB Station & Service bis 2021 umgesetzt werden sollen. Jedoch heftiger Wermutstropfen: Für Ahrweiler-Markt ist bislang zwar die Barrierefreiheit der Bahnsteige vorgesehen; an einer vollständig barrierefreien Lösung (Zu- und Abgang zu/von den Gleisen 1 und 2) wird derzeit jedoch weiter gesucht. Diese Zuwegung hätte über Privatgrundstücke geführt und auch ein Bahnübergang wäre notwendig geworden. Hier kam es jedoch zu keiner Einigung. Die Planungsunterlagen der Station Ahrweiler-Markt sollen, so der SPNV Nord in seiner Antwort weiter, in nächster Zeit beim Eisenbahnbundesamt (EBA) zur Planfeststellung abgegeben werden, und die Bauarbeiten dann im Jahr 2021 erfolgen.

 Haltepunkt Bad Neuenahr-Mitte

Um den vorgesehenen neuen Bahnhaltepunkt Bad Neuenahr-Mitte ist es ruhig geworden. Im Landesgartenschau-Prospekt allerdings ist dieser noch als nutzbarer DB-Haltepunkt angegeben. Hierzu führt der SPNV Nord aus: „Die Station Bad Neuenahr-Mitte gehört zur sogenannten Stationsoffensive, welche derzeit noch Gegenstand der Verhandlungen zwischen Land, Aufgabenträgern und der DB ist. Außerdem werden zur Zeit flankierende Infrastrukturmaßnahmen untersucht. Wir werden zu gegebener Zeit berichten, wenn konkrete Ergebnisse vorliegen“.

Modernisierung der Dernauer Bahnübergänge

In den geplanten Umbau und Modernisierung der beiden Bahnübergänge Dernau-Mitte und „Steinbergsmühle“ kommt Bewegung.  Bürgermeister Alfred Sebastian teilte hierzu mit, dass letzter sein Informationsstand hierzu das Jahr 2021 als Realisierungszeitraum sei.

Vorarbeiten der Bahn am Bü Steinbergsmühle Foto: Willi Tempel

Besonders eine technische Sicherung beim Bahnübergang Steinbergsmühle ist lange überfällig. Der Bahnübergang ist technisch nicht gesichert, die Züge fahren max. 20 km/h und geben Achtungssignal. Vor Jahren ereigneten sich hier tödliche Unfälle, eine Modernisierung ist auch auf Grund des gestiegenen Kfz-Aufkommens mehr als überfällig. Hier sollten zwei Halbschranken installiert werden.

Willi Tempel

Elektrifizierung der Ahrtalbahn – wann?

Juli 2019

Der NVR in Köln hat ja Ende 2018 beschlossen, die Strecke der S 23 von Bonn Hbf – Euskirchen – Bad Münstereifel zu elektrifiziert. Außerdem soll auch die Eifelbahn von Köln bis Kall unter Fahrleitung kommen. Die beschloss die NVR-Verbandsversammlung Ende November 2018 in Köln einstimmig.

Nach der Machbarkeitsstudie und Wirtschaftlichkeitsberechnung werden nun alle Maßnahmen zur Realisierung bis 2030 eingeleitet. Die Wirtschaftlichkeit der Maßnahme ist mit 1,7 sehr hoch und bestätigt alle bisherigen Erfahrungen, das ein elektrischer Betrieb auf gut ausgelasteten Strecken ökonomische Vorteile bietet.

Für die Ahrtalbahn hat dieser Beschluss große Bedeutung. Alle Zugumläufe an der Ahr sind an die S 23/Voreifelbahn angebunden. Um die Gefahr einer Insellösung an der Ahrstrecke zu vermeiden (Dieselbetrieb) sollte der zuständige Zweckverband in Koblenz alles daran setzen, Planungen zur Elektrifizierung der Ahrtalbahn einzuleiten.

Nun wird wieder einmal um die Finanzierung gestritten. Ein Sonderprogramm des Bundes zur Elektrifizierung (rd. 70 Mio €) soll nur für Strecken mit Güterverkehr in Frage kommen.

Bleibt das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG). Dieses wird erheblich aufgestockt (auf 1,3 Milliarden €/Jahr). Allerdings sind schon erhebliche Geldmittel durch Großprojekte gebunden. Das heißt, ob hieraus für die Ahrtalbahn Mittel zur Verfügung gestellt werden können, ist fraglich. Das Land Rheinland-Pfalz wird sich sicherlich bemühen.

Also heißt es abwarten.

Ob die Entwicklung alternativer Antriebe den Einsatz moderner umweltfreundlicher Züge auf der Ahrtalbahn zuläßt, bleibt auch abzuwarten. Die Entwicklung solcher Züge ist in vollem Gange, viele Versuche laufen, aber ob und wann für Triebwagen Serienreife erreicht wird, ist unklar.

Ahrtalbahn

Maßnahmen für schnellere und bessere Zuganbindungen notwendig

Dezember 2018

Mehrere Maßnahmen sind notwendig, um eine Beschleunigung der Zugfahrten auf der Ahrtalbahn zu ermöglichen, die geschätzt bis zu 15 Minuten betragen könnten:

  • Bad Bodendorf: Seitenbahnsteige statt Mittelbahnsteig bauen (zur Zeit kann ein Zug von Remagen nur einfahren, wenn kein Zug aus Richtung Bad Neuenahr kommt), Installation einer automatische Schrankenanlage an der Hauptstraße, moderne Blocksignale installieren,
  • Walporzheim: Weiche für 60 Km/h einbauen,
  • Dernau: Weichen für 60 Km/h einbauen,
  • Dernau: technische Sicherung am Bahnübergang Steinbergsmühle einrichten (Züge dürfen hier nur mit max. 20 km/h fahren),
  • Mayschoß: Blocksignale im Bereich Mayschoß einrichten, Züge können von Dernau oder Kreuzberg schneller folgen (Zugfolgeabschnitt zur Zeit von Dernau bis Kreuzberg, 12 Minuten für eine Zugfahrt je Richtung),
  • Altenahr: Installation einer modernen Schrankenanlage B 266 mit Einschaltung durch Zugfahrt (zur Zeit muss der Lokführer immer auf dem Bahnsteig die Einschaltung durchführen),
  • Kreuzberg: moderne Sicherungsanlage für den Streckenabschnitt Kreuzberg – Ahrbrück einrichten (zur Zeit muss Lokführer immer Schlüssel beim Fdl abholen/abgeben).

Elektrifizierung

Die Ahrtalbahn gehört zum „Kölner Dieselnetz“.  Die meisten dieser Strecken gehören zu NRW und werden vom Zweckverband NVR in Köln verwaltet. Dieser plant weiträumige Elektrifizierungen (Köln – Euskirchen – Kall, Euskirchen – Bonn) ab 2030. Für die Ahrtalbahn in Rheinland-Pfalz entstünde die Problematik einer teuren „Insellösung“ falls keine parallelen Planungen eingeleitet werden und weiter Dieselfahrzeugen eingesetzt würden. Das sollte aus ökologischen und ökonomischen Gründen vermieden werden. Auch die Schadstoff-Emissionen aus Dieselfahrzeugen sollten in diese Betrachtung einbezogen werden.

Nach der derzeitigen technischen Entwicklung wäre eine Elektrifizierung der Ahrtalbahn mindestens bis Dernau wirtschaftlich sinnvoll. Die Tunnelbereiche im oberen Streckenbereich sind wahrscheinlich nur mit hohen Kosten für elektrischen Betrieb auszubauen. Aber es werden auch hierfür Lösungen entwickelt. In Deutschland werden zunehmend Fahrzeuge mit dualem Antrieb (elektrisch/Batterie) eingesetzt. Die Entwicklung in der Fahrzeugindustrie geht rasant in die Richtung, Fahrzeuge die von Strecken mit elektrischen Betrieb kommen und wenige Kilometer ohne Strom bewältigen müssen, mit dualen Antrieben auszurüsten (Fa. Bombardier, Stadler usw.).

Züge mit elektrischem Antrieb sind spurtschneller, in Remagen wäre eine Kopplung mit Zügen in Richtung Köln und weiter ins Ruhrgebiet in kürzester Zeit möglich. So könnte auch der Überlastung der linken Rheinstrecke Rechnung getragen werden.

Durch die vorgenannten infrastrukturellen Maßnahmen könnten die Fahrzeiten der Züge auf der Strecke zwischen Ahrbrück – Remagen (-Bonn) und Gegenrichtung erheblich gekürzt und bessere sowie direkte Verbindungen für die Kunden aus dem Kreis Ahrweiler bis Köln und weiter angeboten werden. Im übrigen gab es solche Angebote mit durchgehenden Verbindungen von und an die Ahr schon in den achtziger Jahren (u.a. von und bis nach Dortmund).

Bahnsteige

An der Ahrstrecke gibt es noch einige Bahnsteige, die besonders mobil eingeschränken Personen erhebliche Probleme bereiten. Eine Erneuerung und Modernisierung folgender Bahnsteige ist notwendig:

  • Ahrweiler Markt (zur Zeit geplant 2020)
  • Dernau
  • Bad Bodendorf
  • Rech (zur Zeit geplant 2020)
  • Altenahr
  • Kreuzberg

Landesgartenschau Bad Neuenahr 2022

Wieder einmal nur Autogerecht und wenig ÖPNV?

Im Jahr 2022 wird in Bad Neuenahr-Ahrweiler die Landesgartenschau Rheinland-Pfalz stattfinden. Schon lange finden intensive Planungen über die Ausgestaltung dieses großen Ereignisses statt. Unter dem Titel „Das blühende Leben“ hatte sich die Stadt beworben und auch den Zuschlag erhalten. Das Leitthema ist “ Gesunde Stadt – gesundes Leben“.

Aber gilt dies auch für die An- und Abreise mit öffentlichen (ökologisch sinnvollen) Verkehrsmitteln, so z.B. die Bahn? Oder wird wie so häufig das Auto in den Mittelpunkt der Planungen gestellt?

Zumindest was die Bahn betrifft, kommen da Zweifel auf. So wirbt die Stadt in ihrem Prospekt bei der Bewerbung mit einem neuen Bahnhaltepunkt in der Höhe der Weinbergstraße „Bad Neuenahr-Mitte“. Dieser neue Haltepunkt wäre nahe am Mittelpunkt der Landesgartenschau gelegen und eine sehr gute Ergänzung zu den anderen Haltepunkten der Ahrtalbahn.

Wie jetzt allerdings durch die Stadtratsfraktion der Grünen bekannt wurde, gibt es wohl keinerlei Bemühungen zur Realisierung eines solchen Haltepunktes. Lapidar teilt der Zweckverband in Koblenz mit, dies sei erst in weiter Zukunft nach einer Elektrifizierung möglich. Was soll sich also beim Bahnverkehr verbessern, außer ein höherer Bahnsteig in Ahrweiler-Markt (ohne barrierefreien Zugang?) ?

Die Ahrtalbahnfreunde bezweifeln die Aussage, ein neuer Haltepunkt könne nur im Zusammenhang mit einer Elektrifizierung gebaut werden. Schon seit Jahren gibt es Planungen an der Ahr für weitere Haltepunkte, so auch Bad Neuenahr – Mitte. Selbstverständlich müssen die Haltezeiten in einem neuen Haltepunkt auch in das Gesamtkonzept des Fahrplans passen, aber dies kann auch durch andere Beschleunigungsmaßnahmen auf der Strecke erfolgen. Aber leider wurde hier Jahrzehnte nur immer abgebaut und kaum etwas modernisiert.

Im Gegensatz dazu stehen die umfangreichen infrastrukturellen Ausbaumaßnahmen für den Kfz-Verkehr. Hier ist wohl alles möglich und das man sich für die Autofahrer frühzeitiger Gedanken gemacht hat, zeigt das Beispiel des Neubaus für den Ersatz des Bahnüberganges Hauptstraße in Bad Neuenahr. Für Millionen wird eine neue Zufahrt (sehr schnell und bequem) von der Autobahn aus Richtung Heimersheim nach Bad Neuenahr gebaut. Damit verschwindet der Bahnübergang Hauptstraße. Es geht also, wenn man nur will.

Noch sind vier Jahre Zeit, um wirkliche Verbesserungen auch auf der Ahrtalbahn durchzuführen. Die Stadtverwaltung sollte sich rasch externen Sachverstand besorgen, um die Aussagen des zuständigen Zweckverbandes, die wiederum meist auf Aussagen der DB beruhen, zu widerlegen und handeln.

Für alle diejenigen, die an einer Landesgartenschau interessiert sind, die auch beim Verkehr dem Anspruch „Gesunde Stadt – gesundes Leben“ gerecht wird, ist die Vernachlässigung des ökologisch sinnvollen ÖPNV ein Schlag ins Gesicht. Ausbau Straße: ja – Zug und Schiene: Nein. Und das in Zeiten des Dieselskandals mit all den negativen Konsequenzen für die Umwelt.

Aber vielleicht stellt die Umwelthilfe ja dann auch in Bad Neuenahr-Ahrweiler einmal Messgeräte auf?

Wolfgang Groß, 3.10.18

Planungen zur Elektrifizierung der Ahrtalbahn – kein Traum mehr?

Mainzer Ministerium startet Untersuchung, September 2018

Erfreuliche Nachricht aus dem Mainzer Verkehrsministerium – auch eine Elektrifizierung der Ahrtalbahn wird untersucht aber auch für möglich gehalten. Die Ahrtalbahn sei eine der Strecken, deren Elektrifizierung sinnvoll sein könnte. Hintergrund sind Befürchtungen, die Strecke Ahrbrück–Remagen könne angesichts der Überlegungen in NRW, die Strecken Köln–Euskirchen–Kall und Bonn–Euskirchen zu elektrifizieren, isoliert werden. Dies erfuhren die Freunde der Ahrtalbahn vor einigen Tagen in einem Gespräch im Verkehrsministerium. Bis Anfang nächsten Jahres soll eine Priorisierungsliste aller in Frage kommenden Strecken in Rheinland-Pfalz erstellt werden. Anschließend könnten dann vertiefte Planungen und Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen stattfinden.

Die Elektrifizierung wäre eine Chance für die Region, die durchgehenden Verbindungen von der Ahrstrecke in Richtung Bonn aber auch weiter langfristig zu sichern, Wie in den 80ziger Jahren bestände die Möglichkeit, wieder durchgehende Zugverbindungen bis nach Dortmund einzurichten, so Wolfgang Groß von den Ahrtalbahnfreunden. Ein weiterer Vorteil: Die Züge könnten mit höherer Geschwindigkeit verkehren und dies würde eine Entspannung der Problematik der überlasteten Rheinstrecke bedeuten. Dabei unterstützen die Ahrtalbahnfreunde auch den Einsatz von Hybridfahrzeugen, da eine Elektrifizierung der Strecke ab Dernau bis Kreuzberg wegen der Tunnels ggf. schwierig und finanziell sehr aufwändig wäre. Ein elektrischer Bahnbetrieb erzeugt im Gegensatz zum Dieselbetrieb zudem auch weniger Emissionen.

Im Fachgespräch in Mainz erfuhren die Ahrtalbahnfreunde weiter, das die Haltepunkte Ahrweiler Markt und Rech bis zur Landesgartenschau 2022 in Bad Neuenahr modernisiert und die Bahnsteige auf 76 cm erhöht werden. Dabei unterstützten die Eisenbahnfreunde die Bemühungen der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler zu einem barrierefreien Ausbau des Haltepunktes Ahrweiler Markt.

Ein weiteres Anliegen war eine verbesserte Anbindung des Bahnhofs Oberwinter an den Nahverkehr und das zukünftig auch wieder ICE im Bahnhof Remagen halten. Dies betrifft einige ICE, die heute in Andernach aber wegen der niedrigen Bahnsteige nicht in Remagen halten können. Zurzeit werden die Bahnsteige in Remagen auf 76 cm über SO erhöht und modernisiert.

Umbauarbeiten zur Bahnsteigerhöhung Bf Remagen Foto: Volkhard Stern, Bonn

Überlastungserklärung der Strecke Köln bis Remagen

Folgen für den Zugverkehr im Ahrkreis, Juni 2018

2017 hat die DB Netz AG in einem formellen Verfahren die Strecke von Bonn bis Remagen für überlastet erklärt. Dies ist die Folge, wenn zu viele Eisenbahnverkehrsunternehmen Trassen für ihre Züge anmelden und nicht genügend Kapazität für alle zur Verfügung stellt. Im Verfahren bei der Bundesnetzagentur in Bonn und beim Eisenbahn-Bundesamt stellte die DB Netz in einem Plan zur Erhöhung der Schienenkapazität dar, welche Maßnahmen sie zur Verbesserung der Situation ergreifen will. Neben einigen kleinen Infrastrukturellen Maßnahmen hat sie auch fahrplanerische Einschnitte für die Ahrtalbahn aufgeführt.

Ein Vorschlag zielt darauf, das nur noch in den Hauptverkehrszeiten morgens und abends durchgehende Züge von/nach der Ahrstrecke nach/von Bonn fahren sollten. Tagsüber sollten die freiwerdenden Trassen dem Güterverkehr zur Verfügung gestellt werden.

Die Folge war ein großer Proteststurm politischer Gremien und der Bevölkerung. Die DB Netz AG lenkte zunächst ein und sagte zu, das bis auf weiteres die Ahrtalbahn bis bzw. von Bonn verkehren kann. Ob diese Zusage von Dauer ist, ist ungewiss.

Fakt ist, das bis zu einem Ausbau der Strecke von Köln nach Bonn keine weiteren Reisezüge fahren können, sondern der status quo bestehen bleiben muss.

Seit vielen Jahren gut genutzt – durchgehende Züge von Bonn an die Ahr

Planungen in NRW

Der für den Nahverkehr im Raum Köln/Bonn zuständige Nahverkehr Rheinland (NVR) führt derzeit Planungen für zusätzliche S-Bahngleise zwischen Köln und Bonn-Mehlem durch. Die Linie der S 23 (Bonn – Euskirchen) soll elektrifiziert werden, die Züge bis Bonn – Mehlem durchgebunden werden.

Planungen in Rheinland-Pfalz

Leider gibt es derzeit keine genauen Planungen der zuständigen Rheinland-Pfälzischen Behörden zur Verbesserung der Situation ab der Landesgrenze in Rolandswerth.

Die Freunde der Ahrtalbahn haben dazu schon recht früh Vorschläge gemacht:

  • Elektrifizierung der Ahrtalbahn – bedeutet: Einsatz schnellerer Züge mit der Möglichkeit, durch Stärken und Schwächen in Remagen auch bis Köln oder ins Ruhrgebiet zu fahren.
  • Herstellung der zwei ehemaligen Überholungsgleisen in Oberwinter
  • Durchbindung der RB 48 (Wuppertal – Bonn-Mehlem) bis Remagen.

Neues Stellwerk für die Ahrstrecke

Seit geraumer Zeit plant die DB Netz ein neues elektronisches Stellwerk für die Oberahrstrecke. Die Bedienung soll vom Fdl Ahrweiler erfolgen. Gesteuert werden die Stellwerke Walporzheim, Dernau und Kreuzberg. In diesem Zusammenhang soll auch der technisch ungesicherte Bahnübergang in Dernau an der Steinbergsmühle modernisiert werden. Hier besteht eine Langsamfahrstelle für die Züge mit 20 km/h, es ist Achtungssignal zu geben.

Nach aktuellen Informationen kann derzeit aus finanziellen Gründen die Maßnahme noch nicht realisiert werden.

Januar 2018