Lücke im Oberleitungsnetz: Elektrobetrieb bei Ahrweiler derzeit nur auf Gleis 2

Januar 2026. Weil die Oberleitung im Gleis von Walporzheim nach Ahrweiler noch nicht genutzt werden kann, muss die elektrisch angetriebene Regionalbahn vom Typ Siemens Mireo Smart auf der Linie RB32 in diesem Abschnitt das Gegengleis befahren, wie auf unserem Foto auf Höhe des Haltepunktes Ahrweiler. Dagegen können die Dieseltriebwagen der RB30 auf dem Regelgleis fahren. Der mit dem elektronischen Stellwerk eingeführte Gleiswechselbetrieb macht dies technisch problemlos möglich. An den Haltepunkten gibt es diesbezüglich entsprechende Hinweise für die Fahrgäste. Ursache ist dem Vernehmen nach, dass die Oberleitung im Regelgleis Walporzheim-Ahrweiler nicht rechtzeitig zur Wiedereröffnung der gesamten Ahrstrecke fertiggestellt werden konnte. Unsere Anfrage beim Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord (SPNV Nord), wie lange diese Betriebssituation noch anhalten werde, ergab seitens der für die Eisenbahninfrastruktur zuständigen Bahntochter DB InfraGo den Hinweis, dass die erforderlichen Restarbeiten voraussichtlich ab März 2026 ausgeführt werden.

Weiterhin von Bedeutung für die Ahrstrecke ist der nahezu abgeschlossene Bau der 900 m langen Spundwand als besondere Maßnahme zum Schutz der Gleisanlagen bei künftigen Hochwassersituationen im Bereich von Heimersheim. Hier ist die Wiederinbetriebnahme des zweigleisigen Verkehrs zwischen Bad Neuenahr und Remagen für den 11. Juli 2026 eingeplant, womit die Mireo-Einheiten der Mittelrheinbahn auf der Linie RB32 auch durchgehend bis Ahrbrück verkehren können; bisher sind diese Bahnen wegen der noch nicht durchgehenden Zweigleisigkeit mangels ausreichender Zeit im Wechselbetrieb nur bis Altenahr unterwegs. Ebenso für Juli ist die Umstellung der Linie RB30 (DB Regio) auf elektrisch angetriebene Regionalbahnen des Typs Talent 2 geplant. Unsere Grafik zeigt Haltepunkte und Bahnhöfe der Ahrtalstrecke mit Stand Dez. 2026. Text/Fotos Görgler/Gies

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Erleichterung und viel Lob zur Eröffnungsfeier


12. Dez. 2025. Ahrtal/Altenahr. Erleichterung, Lob und Emotionen, so kann man die gelungene Wiederinbetriebnahme der gesamten Strecke der Ahrtalbahn von Remagen bis Ahrbrück nach viereinhalbjähriger Bauzeit zusammenfassen. Für die Menschen im Ahrtal ebenso wie für alle Beteiligten ist dies ein bedeutendes „Leuchtturmprojekt“. Grund genug also für die Deutsche Bahn (DB), dieses Ereignis zwei Tage vor dem regulären Start des neuen Fahrplans am 14. Dezember in einem Festzelt am Bahnhof Altenahr mit Gästen und der heimischen Bevölkerung zu feiern. Das Angebot stieß auf großes Interesse.

Noch am Vorabend wurden die letzten Arbeiten am neuen Bahnhaltepunkt Dernau (jetzt Ortsmitte) erledigt. Ab 16.00 Uhr nutzten dann viele Bahnnutzer das Gratisangebot, endlich wieder mit dem Zug fahren zu können. Zwei Stunden vorher waren bereits etliche Radio- und Fernsehteams sowie zahlreiche VertreterInnen der Print-Medien angereist, ebenso Ehrengäste und Funktionäre. Bei deren Zugfahrt ahraufwärts brandete in den Waggons immer wieder lauter und anhaltender Beifall auf. Als später die Züge zwischen Dernau und Ahrbrück für die Bevölkerung kostenlos pendelten, war das zum Festplatz erweiterte Bahnhofsgelände in Altenahr bis in die Abendstunden gefüllt. Die Einladung hierzu kam von der Deutschen Bahn.

Vielfaches Lob gab es für die beteiligten Firmen, allen voran „Leonhard Weiss.“ Wegen deren Offenheit entstand auch ein guter Kontakt zur heimischen Bevölkerung. Am Freitag lud auch die Firma Weiss in Mayschoß und Dernau beispielsweise zu Getränken und Currywurst ein.

Evelyn Palla, seit kurzem Vorsitzende des Vorstands der Deutschen Bahn, wirkte sachlich und sehr gut informiert – Schließlich ist sie eine Frau der Basis: Als frühere Lokführerin hat sie eigene Erfahrungen sammeln können. Sie äußerte auch Mitgefühl mit den Menschen im Ahrkreis nach der Flutkatastrophe Mitte 2021. Und die massiven Zerstörungen der Trasse der Ahrtalbahn seien gewaltig gewesen. Die Lebensader beginne wieder zu pulsieren. „Das sei für sie ein besonders schöner Tag – Die Bahn sei wieder im Ahrtal.“ Es gäbe attraktive Verbindungen, und modernste Technik.
In diese Richtung äußerte sich auch der Bundesminister für Verkehr, Patrick Schnieder. Er betonte dabei das moderne Zugmaterial. Und dies mache die Bahn auch für den Berufsverkehr und die Betriebe attraktiv. Durch die Elektrifizierung werde die Strecke enorm aufgewertet. Das gelte aber ebenso für Touristen.
Landrätin Cornelia Weigand ging sehr einfühlsam nochmals zur verheerenden Flutkatastrophe zurück. Die moderne Ahrtalbahn sei ein ganz wichtiges Projekt zur Verbesserung der Infrastruktur. Sie äußerte sich auch positiv, dass die Verantwortlichen ihre Zusagen eingehalten haben. Weigand war es auch, die nach der Flut sehr frühzeitig und erfolgreich eine Allianz für die Fluthilfen für den Landkreis Ahrweiler angeschoben hatte.
Landrat Achim Hallerbach- Verbandsvorsteher des Zweckverbandes Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord (SPNV Nord) fehlte aus persönlichen Gründen. Es freue ihn sehr, dass das Ahrtal wieder per Zug erreichbar sei. Dass mit dem Wiederaufbau gleichzeitig die komplette Elektrifizierung vorgenommen wurde, sei ein großer Gewinn für die Region. Ihn vertrat Verbandsdirektor Thorsten Müller.
Gekommen war auch der stellvertretende Vorsitzende von ProBahn Rheinland-Pfalz und Saarland, Justin Drescher. Der Pro Bahn-Vorsitzende für Rheinland und das Saarland, Noah Wand, hatte sich bereits im Sommer ein Bild vom Fortgang der Arbeiten gemacht und dabei nicht an Lob gespart.


Der Verein Ahrtalbahnfreunde e. V. war bei der Feier auf Einladung der Bahn mit eigenem Stand und zahlreichen Helferinnen und Helfern vertreten. Neben interessantem Informationsmaterial über die Aktivitäten des Vereins gab es dort auch Filmvorführungen, schließlich haben die Bahnfreunde den Wiederaufbau der Ahrtalbahn mit kontinuierlichem Einsatz begleitet und das Geschehen in Wort und Bild dokumentiert – für Presseberichte, Social-Media und natürlich das eigene Archiv. Die Ahrtalbahnfreunde sind seit ihrer Gründung im Jahr 1999 immer wieder mit Beiträgen und Diskussionen für die Verbesserung des Angebotes eingetreten. Text: Willi Tempel / ATBF
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Mammutprojekt: 18 Kilometer Gleis und fast zwei Dutzend Brücken wiederaufgebaut

Die Deutsche Bahn hat die durch die Flutkatastrophe 2021 stark beschädigte Infrastruktur der Ahrtalbahn (Gesamtstrecke 29 km) wiederhergestellt und modernisiert sowie verschiedene Bauprojekte neu umgesetzt. Durch nahezu völlige Zerstörung am schlimmsten betroffen war der 14 km lange Streckenabschnitt zwischen Walporzheim und Ahrbrück, der jetzt erstmalig wieder in Betrieb genommen werden konnte, womit die Ahrtalbahn insgesamt wieder in vollem Umfang funktioniert. Den Schwerpunkt dort bildeten 18 Kilometer Gleise, 22 Brücken (davon 15 neugebaut), fünf Tunnel und zehn Stationen bzw. Haltepunkte. Zudem mussten alle Stützbauwerke, Durchlässe und Bahndämme erneuert oder saniert werden. Für die Wiederherstellung der Gesamtstrecke wurden 18 Kilometer Gleis mit 28.000 Schwellen, 60.000 Tonnen Schotter, 36.000 Meter Schienen und 9 Weichen erneuert.
Im Rahmen der Elektrifizierung im gesamten Streckenbereich wurden 880 Mastfundamente und 55 Kilometer Oberleitung installiert. Ebenso werden 84 neue Signale eingesetzt. 19 Bahnübergänge wurden auch technisch erneuert und an das neue ESTW in Ahrweiler angeschlossen, welches bereits seit September 2023 in Betrieb ist und die vier mechanischen Stellwerke aus den 1950er Jahren ersetzt. Zudem hat man darauf geachtet, dass die Anlagen wie alle Baumaßnahmen weitestgehend widerstandsfähiger gegen künftige Hochwasserereignisse ausgeführt worden sind.
Der Wiederaufbau wurde durch die enge Zusammenarbeit von Bund, Land, Kreis, Kommunen, der Deutschen Bahn und dem SPNV Nord ermöglicht und konnte dank vereinfachter Planungs- und Vergabeverfahren innerhalb von vier Jahren weitgehend abgeschlossen werden. Auch die zehn zerstörten Haltepunkte wurden umfassend modernisiert, wobei der Bund das Gesamtprojekt finanzierte und die Elektrifizierung gemeinsam vom Bund und vom Land Rheinland-Pfalz getragen wurde.

Die Wiedereröffnung der Ahrtalbahn als elektrische und klimafreundliche Verbindung hat sowohl für die Bevölkerung als auch für den Tourismus in der Region eine hohe Bedeutung. Klimaschutzministerin Katrin Eder betonte, dass die vollständige Elektrifizierung der Strecke eine deutliche Qualitätsverbesserung darstelle, da die Züge künftig mit Strom aus erneuerbaren Energien fahren und die neuen Bahnhöfe barrierefreies Reisen ermöglichen. Nach Abschluss der verbleibenden Bauarbeiten sei zudem eine direkte Anbindung an Koblenz vorgesehen, wodurch zusätzliche Kapazitäten im Abschnitt Remagen–Koblenz geschaffen werden können. Textbasis: Pressemitteilungen der Behörden.