Ahrtalbahn: Kein 20-Minuten-Takt?

Die Weichen wie hier kurz vor Rech liegen parat oder sind bereits montiert. Nur die Richtung bezüglich Angebot stimmt nicht mehr so, wie im Ahrtal erhofft. Foto: Willi Tempel
„Vorerst doch kein 20-Minuten-Takt auf der Ahrtalstrecke“ meldete der regionale Radiosender SWR 4 in seiner Morgensendung vom 17. Juni 2025. Verknüpft war die Nachricht mit einem Interview zwischen SWR-Autor Constatin Pläcking und Thorsten Müller, Verbandsdirektor SPNV-Nord.

In diesem Zusammenhang wurden weitere Einschränkungen der angekündigten Verbesserungen im Angebot der Ahrtalbahn bekannt, wie der Verzicht auf durchgehenden Züge etwa bis Köln und Wuppertal und zunächst auch keine zusätzlichen Haltepunkte. Ermöglicht werden sollte dies alles durch die Elektrifizierung der Ahrtalbahn mit besserer Beschleunigung und kürzeren Bremswegen als im Einsatz mit Dieselantrieben, wozu im Zuge des Wiederaufbaus nach der Flutkatastrophe 2021 auch die Voraussetzungen geschaffen worden sind.
Entsprechend enttäuscht ist man nun an der Ahr. Der Fahrgastverband PRO Bahn und die Ahrtalbahnfreunde e. V. üben harsche Kritik. Ahrtalbahnfreund Willi Tempel erläutert die Fakten zum Wiederaufbau und holte Stellungnahmen zur aktuellen Entwicklung ein:

Unmittelbar nach der Flutkatastrophe Mitte 2021 wurden in Remagen die Pläne für die Zukunft der Ahrtalbahn vorgestellt. Übereinstimmend betonten dort der damalige DB-Vorstand Ronald Pofalla, Ex-Verkehrsminister Andreas Scheuer sowie die Rheinland-Pfälzische Ex-Ministerpräsidentin, Malu Dreyer, dass die Bahnstrecke nach neuestem Stand der Technik wieder vollständig aufgebaut werde. Dies bedeute unter anderem eine Elektrifizierung sowie Elektronische Stellwerke. Durch spurtstarke Elektrozüge bietet sich nun die Möglichkeit, bis zu vier neue Haltepunkte einzurichten. Dies jedoch nicht beim Wiederaufbau, sondern erst nach umfangreichen Planunterlagen und Genehmigungen. Und der Bahnübergang zur „Steinbergsmühle“ in Dernau, wo es mehrmals Unfälle gegeben hat, erhält eine Schrankenanlage. Darüber hinaus sind Brückenbauwerke und Tunnelarbeiten längst der Ahr mit Hochdruck in Arbeit, so dass das Ziel einer bis zur Endstation wieder aufgebauten Ahrtalbahn zum Jahresende – wie geplant – im Fokus steht. Für die Firma Leonhard Weiß – ebenso die beteiligten Unternehmen – gibt es regelmäßiges Lob, von Einheimischen wie Touristen, die aufmerksam den Fortschritt an der Ahr verfolgen.
Doch nun zu den Stellungnahmen in Bezug auf die aktuelle Meldung, wonach die Vorteile der Elektrifizierung zunächst nicht so genutzt werden, wie man es den vielen Ankündigungen entnehmen konnte.

Landrätin Cornelia Weigand: „Wir stehen mit dem zuständigen Zweckverband Schienenpersonennahverkehr (SPNV) Rheinland-Pfalz Nord in Kontakt, und werden regelmäßig über die Entwicklungen informiert. Da die Verhandlungen durch den SPNV Nord aktuell noch geführt werden, können wir uns hierzu derzeit nicht weiter äußern. Unser Ziel ist es, ein besseres Angebot für den öffentlichen schienengebundenen Personennahverkehr bis nach Ahrbrück zu schaffen, als vor der Flutkatastrophe 2021. Für dieses Ziel setzen wir uns als Kreis seit 2021 ein und dafür machen wir uns auch weiterhin stark.“

Thorsten Müller: „Von Anfang an Finanzierungsvorbehalt“
Foto: Görgler

SPNV-Verbandspräsident Thorsten Müller im Interview:

Herr Müller, bleibt es bei dem angekündigten Zwanzig-Minuten-Takt auf der Strecke der Ahrtalbahn ab Ahrbrück?
„Vor dem Hochwasser war für die Zeit nach 2033 kein Zielfahrplan entwickelt worden. Deswegen wurde schnell nach dem Hochwasser ein Zielfahrplan für die Ahrtalstrecke entwickelt, der einen 20-Minuten-Takt unterstellt. Es ging dabei darum, wie diese Strecke auch für den Eisenbahnbetrieb aufgebaut wird. Der Begriff Zielfahrplan wird hier verwendet wie beim Deutschland-Takt, der auch einen Zielfahrplan darstellt, aber damit nicht gleichzeitig vertraglich vereinbart ist.
Um ein Betriebsprogramm auch zu bestellen und dann konkret umzusetzen, sind insbesondere die finanziellen Voraussetzungen zu betrachten. Deswegen wurde von der Verbandsversammlung auch die Umsetzung unter einen Finanzierungsvorbehalt gestellt. Das heißt der 20-Min-Takt war von Beginn an unter Finanzierungsvorbehalt. Die aktuellen Haushaltsmöglichkeiten lassen aber eine Bestellung eines 20 min Taktes nicht zu. Der Vorbehalt greift also aktuell. Gleichzeitig ist es aber weiterhin die Absicht des Kreises Ahrweiler, den 20-Minuten-Takt für eine 2. Betriebsstufe nicht aus dem Blick zu verlieren. Nur können wir dafür aktuell kein Jahr angeben. Das Ziel eines 20-Minuten-Taktes bleibt erhalten.“

Wegen der diskutierten Situation bitte ich Sie ggf. auch um Angabe, zu welchen Zeiten die beiden Zugpaare dann verkehren würden. Ein eventueller Takt 20 / 40 Minuten wäre negativ.
Die RB 30 wird in Ahrbrück zur Minute 3 starten und nach 70 Minuten in Bonn zur Minute 13 ankommen. Die RB 39 wird in Ahrbrück zur Minute 43 starten und Remagen zur Minute 226 erreichen. Damit wird der vor Hochwasser bekannte 20/40 Takt beibehalten.“

Wird es stündlich eine durchgehende Verbindung Ahrbrück, Köln, Wuppertal oder Dortmund (oder ggf. andere), geben?
Nach Auslaufen des RB 48 Verkehrsvertrages in NRW besteht erstmals die Möglichkeit, in einer neuen Konzeption die RB 48 mit der RB 30 zu verknüpfen. Eine Verknüpfung ist nicht während der Laufzeit des VAREO-Vertrages bis 2033 vorgesehen gewesen. Ob diese Verknüpfung dann wirklich umgesetzt oder andere Konzepte verfolgt werden, wird im Rahmen der Vorbereitung der neuen Vergabeverfahren gemeinsam zwischen den Partnern in NRW und RLP zu entscheiden sein.“

Wird die Ahrtalbahn ab dem 01.01.2026 mit Elektrozügen verkehren oder bleibt es zunächst bei den Dieselzügen?
„Natürlich sollen auf der elektrifizierten Ahrtalbahn auch elektrische Züge verkehren. Dazu stehen die beiden SPNV-Aufgabenträger in NRW und RLP in Verhandlungen. Diese sind noch nicht abgeschlossen. Wir sind vorsichtig optimistisch, dass die Vertragsgespräche zu einem positiven Ausgang führen. Es ist KEIN Ziel, mit den bekannten Dieselzügen bis zum Ende des Verkehrsvertrags in 2033 zu fahren. Wir bitten um Verständnis, mehr zu den laufenden Vertragsgesprächen aktuell nichts sagen zu können.“

Stehen die Finanzierungsmittel für diese Elektrofahrzeuge (durch das Land) bereit?
„Die beiden gesetzlichen Zweckverbände in RLP erhielten bis 2024 ausschließlich die sogenannten Regionalisierungsmittel des Bundes, welche der Bund den Ländern insbesondere für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) zur Verfügung stellt. Unter anderem der Anstieg der Preise und die Ausweitung der Busangebote der regionalen Hauptlinien hat dazu geführt, dass das Land RLP ab 2025 erstmals in den Bereich ÖPNV mit Bus & Bahn aufwachsend 190 Mio. € als Landesmittel steckt. Bis 2024 konnte man die Lücken mit Rücklagen schließen.
In Kenntnis der herausfordernden finanziellen Situation wurde von der Verbandsversammlung auch die Umsetzung eines 20-Minuten-Taktes unter einen Finanzierungsvorbehalt gestellt. Das Gremium hat sich seit Jahren intensiv mit der Finanzierungssituation durch das Land befasst und fordert eine Verlässlichkeit der Finanzierung. Der SPNV-Nord wäre nicht in der Lage, hohe Preise bei der Umstellung auf elektrische Fahrzeuge zu bezahlen. Im Rahmen der Vertragsgespräche sind wir vorsichtig optimistisch, die finanziellen Möglichkeiten mit den Kosten für elektrische Fahrzeuge in Einklang zu bringen.“

Wie ist der Stand bezüglich der bereits vor einiger Zeit öffentlich angekündigten vier neuen Haltepunkte an der Strecke (Bad Neuenahr-Mitte, Heppingen, Marienthal und Ahrbrück/Pützfeld)?
„Diese 4 neuen potentiellen Haltepunkte können nicht aus der Wiederaufbau-Finanzierung umgesetzt werden. Von Beginn an war deswegen klar, dass nur das GVFG (Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz) verwendet werden kann. Voraussetzung für eine GVFG-Maßnahme ist eine positive Nutzen-Kosten-Untersuchung mit einem Wert > 1. Diese Untersuchung ist beauftragt, aber noch nicht abgeschlossen. Wir erwarten die Ergebnisse im Sommer 25.“

Es kursieren Gerüchte, dass derzeit nicht genügend Oberleitungsmasten geliefert werden können.
„Ich habe die schnelle Info bekommen, dass keine Materialprobleme bei den Masten bekannt sind. Die Masten werden sukzessive nach Dernau und Kreuzberg geliefert. In Dernau lagern aktuell die Maste für den Abschnitt von Marienthal bis einschließlich Dernau. Mitte Juli werden die Maste bis Mayschoss angeliefert.“
Vielen Dank, Herr Müller!

Ulrich Stumm und Wolfgang Groß, Vorstand Ahrtalbahnfreunde e.V.:
„Die Ankündigung des SPNV Zweckverbandes Rhld-Nord für die Aufnahme des Zugbetriebes nach dem Wiederaufbau der Ahrtalbahn erstaunt die Ahrtalbahnfreunde. Es war seitens des Landes zugesagt, nach dem Wiederaufbau ab Dezember 2025 einen 20-Minuten-Takt zwischen Remagen und Ahrbrück anzubieten. Zur Durchführung dieses Taktverkehrs wird die Schieneninfrastruktur auf der neugebauten Trasse zurzeit ausgebaut. So entsteht zwischen Dernau und Rech ein längerer zweigleisiger Abschnitt und im Bahnhof Altenahr sollten die Züge später kreuzen. Auf Grund der neuen Mitteilungen scheint es keinerlei Verbesserungen im Fahrplanangebot ab Dezember 2025 geben. Ab diesem Zeitpunkt sollte der 20-Minuten-Takt eingeführt werden. Kommen soll aber jetzt wieder der kundenunfreundliche 20/40 Minutentakt.

Ulrich Stumm, Vorsitzender Ahrtalbahnfreunde e.V.: Versprechungen „Luftblasen“.
Foto: Görgler

Ulrich Stumm, Vorsitzender der Ahrtalbahnfreunde, sieht hier einen Rückschritt in den Bemühungen, mehr Menschen zum Umsteigen auf die umweltfreundliche Bahn zu bewegen. Er kommentiert: Erst wird die Infrastruktur aufwendig erneuert und ausgebaut, ohne dass sie entsprechend genutzt werden kann. Dies ist seiner Ansicht nach Wasser auf die Mühlen der Kritiker des Ausbaus der Bahn im Ahrtal. Dazu kommt die überraschende Mitteilung, dass es nach der Elektrifizierung keine Durchbindung von Zügen von und nach der Ahrtalbahn in Richtung Köln/Ruhrgebiet geben soll. Auch diese Maßnahme wird von den Ahrtalbahnfreunden heftig kritisiert, würde sie doch eine umsteigefreie Verbindung in die NRW-Zentren darstellen. Unter dem Strich zeigen sich die Ahrtalbahnfreunde enttäuscht, dass sich die vielen vollmundigen Versprechungen der Landesvertreter nach der Flutkatastrophe für eine zeitgerechte und moderne Bahnverbindung im Ahrtal nunmehr in Luftblasen auflösen.“

Noah Wand, Landesvorsitzender des Fahrgastverbandes PRO BAHN Rheinland-Pfalz und Saarland
Die Ankündigung, den Takt auf der Ahrtalbahn zu reduzieren, betrachtet der Fahrgastverband mit großer Sorge. Die Infrastruktur wurde im Rahmen des Wiederaufbaus so angepasst, dass ein Halbstundentakt nicht mehr möglich ist. Der im Rahmen der angekündigten Leistungsreduktion drohende 20–40-Takt ist dabei ein fauler Kompromiss, der bei den Fahrgästen für Verwirrung sorgt. Denn nicht nur die Fahrtzeiten werden damit unregelmäßig, sondern es wirkt sich auch auf die Anschlussverbindungen aus. Hier steht der Zweckverband SPNV-Nord vor der Herausforderung,  den Fahrplan entsprechend sinnvoll zu gestalten. Doch nicht nur für das Ahrtal, sondern für ganz Rheinland-Pfalz ist dies ein alarmierendes Signal: Es könnten weitere Leistungskürzungen auf anderen Strecken drohen, obwohl die Züge bereits jetzt oft überlastet sind. Diese Tendenz betrachten wir mit großer Sorge. Willi Tempel

Riesige Mengen Schotter werden bereits über die neu installierten Schienen angeliefert. Ein Dernauer Bürger hat an einem einzigen Tag mehrer Züge mit insgesamt 136 (!) Schüttwaggons gezählt. Dies entlastet auch die Straßen erheblich. Foto: Willi Tempel

Brückenbau zwischen Walporzheim und Altenahr: Fast komplett

Von der Saffenburg aus bietet sich der Blick in Richtung Rech, im Vordergrund die Baustellen der Ahrtalbahn mit Gleisbau und Bahnbrücke (Zufahrt in den Saffenburgtunnel)

JG. Tempo und Einsatz beim Wiederaufbau der Ahrtalbahn sind immer wieder beeindruckend. Bemerkenswert: Derzeit ist mit der Gleisführung von Rech aus in den Saffenburg-Tunnel nur noch das letzte große Brückenobjekt auf der Teilstrecke Walporzheim – Altenahr ohne das verbindende Hauptmodul in Arbeit. Allerdings sind auch dort schon Widerlager und Pfeiler gesetzt und die tonnenschwere Stahlkonstuktion steht unter einem weißen Montagezelt „in Stellung“.
Höchst Zeit für eine Fotoreportage, diesmal bei strahlendem Wetter mit dem Motorroller unterwegs, womit man im Rahmen der vielen Bauarbeiten mitunter besser durchkommt als mit dem Pkw.
Unsere aktuellen Aufnahmen zeigen von der Saffenburg aus die Baustelle (Bahndamm, Bahnbrücke) ostwärts mit Blick in Richtung Rech. Das ergänzende Motiv aus Dezember 2024 zeigt die dortigen Zufahrten der beiden Tunnelröhren, links nach Erhöhung wegen der Elektrifizierung wieder für den Bahnbetrieb, rechts hinter dem weißen Quader fast verdeckt für den Ahrradweg.
Auf der westlich des Bergzuges gelegenen Mayschoßer Seite blicken wir in Richtung Laach/Altenahr sowie vom Wirtschaftsweg über die Bahnstrecke zurück zum Bahnhof und der Tunnelausfahrt (Foto aus Juni 2024).

Demnächst werden wir von Altenahr aus ahraufwärs berichten, vor allem mit der Großbaustelle in Kreuzberg, einschließlich dem Neubau der Eisenbahnbrücke. Fotos J. Görgler, M. Papenberg


Dernau – Rech: Künftig zweigleisig

Derzeit werden vielerorts längs der Ahrtalbahnstrecke die neuen Schwellen samt Schienen verlegt und verschraubt. Das endgültige Befüllen mit Schottersteinen erfolgt erst nach dem Verschweißen

Im Bereich des westlichen Ortsausgangs von Dernau (Bahnquerung Steinbergsmühle) entsteht derzeit in Richtung Rech ein neuer zweigleisiger Streckenabschnitt der Ahrtalbahn. Vor der Flutkatastrophe von 2021 waren nur die Strecken von Remagen bis Walporzheim doppelgleisig sowie in Zuglänge am ehemaligen Dernauer Bahnhof. Künftig werden durch das lange Ausweichgleis zwischen den beiden Weinorten – ergänzend zur Elektrifizierung mit besserer Beschleunigung und kürzeren Bremswegen – schnellere Taktzeiten möglich sein. Wie auf den Fotos zun sehen ist, wird das Gleismaterial sorgfältig befestigt bzw. verschraubt. Allerdings erfolgt die Endmontage in Kürze durch Verschweißen der Schienen und letztendlich Auffüllen mit Schottersteinen. Dazu werden Spezialfahrzeuge im Einsatz sein.
Interessant auch das letzte Foto in der Galerie (unten, mit Bagger), das über die Fläche des temporären Bauhofes der Firma Leonhard Weiss hinaus auch die Weinberge zeigt: Der kurze gelbe Pfeil markiert den bekannten Aussichtspunkt, der lange Pfeil die Befestigung für die „Unvollendete“. Die 1911 geplante und weitgehend gebaute „Ruhr-Mosel-Entlastungslinie“ sollte zweigleisig von Neuß über Liblar/Erfstadt, Rheinbach und die heutige Gemeinde Grafschaft sanft hinab ins Ahrtal (bei Rech) führen, von dort über die Ahr- und Eifelbahn bis ins Saarland und Lothringen. Baubeginn war im Winter 1913/14. Allerdings mußte nach dem ersten Weltkrieg dieses Projekt in Richtung französischer Grenze aufgrund der Versailler Verträge aufgegeben werden.
Text/Fotos Jürgen Görgler (ATBF).

Es geht weiter: Brücken und mehr

Wiederaufbau der Eisenbahnbrücke über die B 267 in Rech. Fotos: Thomas Klein

Januar 2025. Mit dem Wiederaufbau der Bahnbrücken im Ahrtal geht es auch im Winter zügig weiter, insofern die Wetterverhältnisse dies zulassen. Die beiden ersten Motive zeigen den Neubau der Bahnbrücke über die Bundesstraße 267 in der östlichen Einfahrt des Weinortes Rech. Die alte Brücke war durch die Flutkatastrophe 2021 stark beschädigt worden und mußte abgerissen werden.
Die Fotos unten zeigen den Neubau der Bahnbrücke nahe der Felsformation „Bunte Kuh“ im westlichen Ortsausgang von Walporzheim; die verbindende große Stahlkomponente liegt schon bereit, um auf die tragenden Podeste geschoben zu werden.
Es geht weiter und das Ziel zur Fertigstellung der gesamten Ahrtalbahnstrecke bis Ahrbrück (Ende 2025) steht weiterhin im Fokus der Verantwortlichen. JG

Die Baustelle der Bahnbrücke in Höhe der Felsformation „Bunte Kuh“. Fotos: Joachim Heyna

Virtueller Rundgang durch das künftige Ahrtalbahnmuseum

29.12.2024. Mit einem virtuellen Rundgang durch das im Aufbau befindliche Ahrtalbahnmuseum gibt der Arbeitskreis um Edgar Steinborn bereits Einblick in die künftigen Aktivitäten der Einrichtung im Bad Bodendorfer Bahnhofsgebäude, das zudem voraussichtlich ab 2. Quartal 2025 auch Veranstaltungsort für den monatlichen Bahntreff Rhein-Ahr sein wird (der bis dahin noch im Brauhaus Remagen stattfindet, siehe Rubrik Termine).
JG / Bildvorlage: E. Steinborn/U. Stumm

Nach 5 Monaten Generalsanierung: DB nimmt Riedbahn zwischen Frankfurt/Main und Mannheim wieder in Betrieb

Strecke ab heute Abend wieder für den Zugverkehr freigegeben  Regulärer Betrieb auf allen S-Bahn- und Regionalverkehrslinien früher möglich als zunächst vorgesehen • Erneuerte Infrastruktur sorgt für stabilen Betrieb  Positive Bilanz zu Umleitungskonzept und Ersatzverkehr

Berlin, 14. Dezember 2024. Die Deutsche Bahn (DB) hat die erste Generalsanierung im hochbelasteten Schienennetz erfolgreich abgeschlossen: Ab heute Abend, 23 Uhr, fahren wieder Züge über die Riedbahn zwischen Frankfurt/Main und Mannheim. DB-Vorstandschef Richard Lutz und Bundesverkehrsminister Volker Wissing sowie Vertreter:innen der Länder Baden-Württemberg und Hessen geben die Strecke bei einer Abschlussveranstaltung in Gernsheim am Mittag symbolisch wieder frei. Auf der rund 70 Kilometer langen Strecke haben rund 800 Mitarbeitende der DB und der beteiligten Bauunternehmen seit 15. Juli die störanfällige und überalterte Infrastruktur nahezu komplett erneuert. Umleiter- und Ersatzverkehre brachten Kund:innen des Personen- und Güterverkehrs in den fünf Monaten weiterhin verlässlich an ihr Ziel.

Die Sanierung der Infrastruktur ist die Voraussetzung für die Verbesserung der betrieblichen Lage und damit für eine höhere Kundenzufriedenheit. Durch die Sanierung sollen die betrieblichen Störungen auf einer der meistbefahrenen Strecken in Deutschland um bis zu 80 Prozent gesenkt werden. Damit ist die Generalsanierung eine der zentralen Säulen des Sanierungsprogramms S3, das der Konzern im September verabschiedet hat.

DB-Chef Dr. Richard Lutz: „Der Abschluss der ersten Generalsanierung ist ein wichtiger Schritt für die strukturelle Sanierung unserer Infrastruktur. Innerhalb von nur fünf Monaten haben wir in einer starken Teamleistung gemeinsam mit unseren Baupartnern und getragen von einem bis dato nie dagewesenen politischen Willen die störanfällige Riedbahn komplett saniert. Neue Gleise, Weichen, Signale und Stellwerkstechnik sorgen auf dieser hochbelasteten Strecke künftig für einen stabilen Betrieb. Reisende profitieren von modernen und attraktiven Zukunftsbahnhöfen. Nur indem wir die zu alte, zu störanfällige und zu volle Infrastruktur sanieren, können wir die betriebliche Lage bei der DB verbessern und die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Konzerns langfristig sicherstellen.“ 
 
Dr. Volker Wissing, Bundesminister für Digitales und Verkehr: „Das Riedbahn-Team hat mit dieser Baustelle gezeigt, dass die Deutsche Bahn dem Anspruch gerecht werden kann, den die Bürgerinnen und Bürger an sie haben. Darauf können alle Beteiligten stolz sein. Dank des innovativen Ansatzes der Generalsanierung ist hier in kürzester Zeit eine Rekordsumme verbaut worden. Das neue Bahnsanierungskonzept funktioniert. Damit befinden wir uns auf dem Weg zu einer pünktlichen und zuverlässigen Eisenbahn. Auch wenn sich die noch anstehenden Korridore immer wieder voneinander unterscheiden, wird es mit dieser Herangehensweise gelingen, unser Bestandsnetz in kürzester Zeit in einen modernen Zustand zu versetzen.“
 
Elke Zimmer, Staatssekretärin im Verkehrsministerium von Baden-Württemberg: „Mit der Riedbahn ist nun die erste von über 40 geplanten Generalsanierungen im Wesentlichen erfolgreich abgeschlossen. Ein Großteil des Weges liegt also noch vor uns. Ich hoffe, dass die von der DB versprochenen Verbesserungen bei der Pünktlichkeit und Qualität eintreten. Wir und unsere Fahrgäste erwarten auch, dass der Regionalverkehr bald wieder komplett planmäßig über diese Strecke rollt und dass die Riedbahn dann in den kommenden Jahren frei von längeren Baustellen ist. Ebenso rechne ich damit, dass die DB die gewonnenen Erkenntnisse für die Organisation eines erfolgreichen Ersatzverkehrs auf die kommenden Generalsanierungen überträgt.“

Umut Sönmez, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum: „Die Riedbahn ist eine der wichtigsten Hauptschlagadern des Bahnverkehrs in Hessen. Dass sie nach den Entbehrungen während der Sanierungszeit dieser bundeseigenen Infrastruktur nun wieder für den Bahnbetrieb zur Verfügung steht, ist besonders auch für unser Bundesland ein Grund zu großer Freude. Hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang auch die verbesserte Ausstattung der Bahnhöfe und der dringend erforderliche verbesserte Schallschutz. Auch nach der Sanierung wird die Riedbahn jedoch eine der höchstbelasteten Strecken im deutschen Eisenbahnnetz bleiben. Deshalb brauchen wir hier – wie auch an anderen Stellen im Netz – neben der Sanierung auch die schnelle Weiterführung der Planung der Ausbauprojekte, wie z. B. der Neubaustrecke Frankfurt – Mannheim.“

Im Rahmen der Generalsanierung hat die DB in sehr guter Zusammenarbeit mit den Baupartnern auf der Riedbahn ein enormes Bauprogramm umgesetzt – in nur fünf Monaten Generalsanierung mehr als viermal so viel Bauvolumen wie bei vergleichbaren Großprojekten und unter dem rollenden Rad in der Vergangenheit. Seit dem Start der Riedbahn-Sanierung haben bis zu 800 Kolleginnen und Kollegen der DB sowie der beteiligten Bauunternehmen insgesamt 111 Kilometer Gleise, 152 Weichen, 619 Signale, fast 16 Kilometer Schallschutzwände, 130 Kilometer Fahrdraht, 383 Oberleitungsmasten und acht Bahnsteige erneuert. Neben neuer Stellwerkstechnik wird auf der Strecke zwischen Frankfurt/Main und Mannheim künftig auch das neue europäische Zugbeeinflussungssystem ETCS zum Einsatz kommen. Die Inbetriebnahme erfolgt in Stufen. Dabei geht ETCS zunächst auf dem Streckenabschnitt von Mannheim-Waldhof nach Biblis in Betrieb. Alle weiteren Abschnitte folgen im zweiten Quartal 2025. Personen- und Güterverkehr sind davon nicht beeinträchtigt.
 
Darüber hinaus wurden 20 Stationen entlang der Riedbahn modernisiert und aufgewertet. Je nach Zustand des Bahnhofs hat die DB verschiedene Maßnahmen umgesetzt, um das Erlebnis der Reisenden am Bahnhof und im Bahnhofsumfeld zu verbessern. Dazu gehören unter anderem moderne Bahnsteigdächer, Wetterschutzhäuser, verständliche Wegeleitsysteme, die durchgängige Ausstattung mit Rampen, Beleuchtung, Treppeneinhausungen sowie die Herstellung der Barrierefreiheit. In Zusammenarbeit mit den Kommunen sorgt die DB auch für verbesserte Anschlussmobilität und attraktivere Bahnhofsvorplätze.
 
Positive Bilanz zum Verkehrskonzept

Zum Abschluss der Bauarbeiten zieht die DB auch eine positive Bilanz zum Verkehrskonzept. Rund zwei Drittel der Fernverkehre sowie die Güterzüge verkehrten in den vergangenen fünf Monaten auf Umleitungsstrecken und waren überdurchschnittlich pünktlich unterwegs. Zwischen dem 15. Juli und 8. Dezember legten rund 20.000 Fernverkehrszüge auf den Umleitungsstrecken über 1,5 Millionen Kilometer mit einer durchschnittlichen Pünktlichkeit von 73 Prozent zurück.

Auch Unternehmen mit Gleisanschluss konnten zuverlässig beliefert werden. Seit Beginn der Riedbahn-Generalsanierung hat allein DB Cargo 8.000 Züge über die Umleitungsstrecken gefahren und rund 400 Bedienfahrten für Unternehmen mit Gleisanschluss durchgeführt. Außerdem übernahm DB Cargo einen Teil der Materialversorgung für die Baustelle und lieferte mehr als 43.000 Tonnen Schotter an.

Im Regionalverkehr hat die DB einen umfangreichen Ersatzverkehr mit 150 modernen Bussen auf die Straße gebracht. Seit Mitte Juli haben diese rund sechs Millionen Kilometer zurückgelegt und täglich bis zu 16.000 Fahrgäste pünktlich und zuverlässig an ihr Ziel gebracht. Neun von zehn Reisenden sind mit dem Ersatzverkehr dem klimafreundlichen öffentlichen Nahverkehr treu geblieben und nicht auf Auto oder Motorrad umgestiegen, so das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage. 89 Prozent der Befragten gaben ihrer Fahrt im Ersatzbus die Schulnote eins oder zwei.
 
Im Ersatzverkehr an der Riedbahn hat die DB ihre Fahrgäste zum ersten Mal in Echtzeit im DB Navigator sowie auf Infostelen an den Haltestellen über die Abfahrtszeiten und Standorte der Busse informiert. Zudem konnten sich Reisende erstmals per Augmented Reality auf ihrem Smartphone virtuell zu den Haltestellen des Ersatzverkehrs leiten lassen. Auch im Recruiting ist die DB erfolgreich neue Wege gegangen: Viele der 400 europaweit angeworbenen Busfahrer:innen fahren auch in Zukunft für die DB in Linien- und Ersatzverkehren in ganz Deutschland. Alle 150 Busse sind weiter im Einsatz und sorgen für ein stabiles und verlässliches Angebot. 

Zuverlässiges Angebot zum Fahrplanwechsel

Die DB hat sich entschieden, mit einem robusten Verkehrskonzept in die Inbetriebnahme zu starten. Im Fernverkehr werden sämtliche Züge nach Fahrplan über die Riedbahn fahren, im Regionalverkehr die nachfragestarken Linien RE70 Frankfurt/Main–Mannheim und die S7 Frankfurt/Main–Riedstadt Goddelau. In Summe können damit ab dem 15. Dezember im Fern- und Regionalverkehr wieder mehr als 95 Prozent der Kund:innen die Züge auf der Riedbahn nutzen.
 
Auf wenigen Abschnitten im Regionalverkehr unterstützt anfangs ein Ersatzverkehr mit Bussen das Verkehrskonzept. So wird die S8/S9 zwischen Biblis/Groß-Rohrheim und Mannheim bis einschließlich 23. Dezember weiterhin durch die Buslinie S91 ersetzt. Auf den Regionalbahnlinien RB 62 Worms–Biblis sowie RB 63 Worms–Bensheim verkehren die aktuellen Ersatzverkehre ebenfalls weiter. Ab dem 24. Dezember – und damit früher als zunächst vorgesehen – können sämtliche Regional- und S-Bahn-Züge wieder regulär fahren. Der Güterverkehr wird bis zum 23. Dezember in Schritten hochgefahren, die Versorgung der Unternehmen an der Strecke läuft bereits direkt über die neuen Gleise.
 
Die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt Riedbahn fließen in die Planung der weiteren Generalsanierungen im hochbelasteten Schienennetz ein. Im kommenden Jahr stehen die gebündelte Erneuerung und Modernisierung der Strecken Hamburg–Berlin und Emmerich–Oberhausen an. Damit werden eine der wichtigsten Städte-Direktverbindungen sowie eine bedeutende Magistrale für den europäischen Güterverkehr leistungsfähiger und weniger störanfällig. 

Unter dem Titel „Bahnsinn Riedbahn – Eine deutsche Baustelle“ werden auf YouTube interessante Dokumentationen gezeigt.

Text und Grafik: Pressestelle Deutsche Bahn AG

Premiere: Ahrtalbahnfreunde stellen Museumsprojekt vor

Das ehemalige Bahnhofsgebäude Bad Bodendorf (hier 2023) bietet gute Voraussetzungen für das geplante Ahrtalbahnmuseum. Foto: Görgler.

Bad Bodendorf, Dez. 2024. Im Rahmen der Wiederherstellung der Ahrtalbahn tut sich auch im Bereich des Bad Bodendorfer Bahnhofs einiges. Die Bahnsteige wurden komplett erneuert und die vorbereitenden Arbeiten für die Elektrifizierung sind nicht zu übersehen. Zudem soll das historische Bahnhofsgebäude nunmehr eine neue Nutzung erfahren: „Kunst, Kultur & Kommunikation im Bahnhofscafé“ heißt das Konzept, verknüpft mit der Einrichtung eines Ahrtalbahnmuseums. Zum Projektteam gehört der Verein Ahrtalbahnfreunde e. V. mit seinem Vorsitzenden Ulrich Stumm sowie als Vertreter des Badeortes deren Ortsvorsteher Jürgen Werf, Petra Klein (Kunst und Kultur) und die heimische Künstlerin Stefanie Manhillen.

Inzwischen wurden im Zuge des Wiederaufbaus der Ahrtalbahn die Bahnsteige mit verbessertem Zugang neu angelegt. Im Brunnenhof (linker Gebäudeteil) soll ein Treffpunkt für Kunst, Kultur und Kommunikation entstehen. Foto: Ulrich Stumm.


Anlässlich des Bad Bodendorfer Weihnachtsmarktes stellten die Ahrtalbahnfreunde erstmals die Pläne für ihr geplantes Museum vor. Projektleiter Edgar Steinborn konnte zahlreichen Besucherinnen und Besuchern das vorgesehene Konzept näherbringen. Nach jetzigem Stand sind folgende Themenbereiche vorgesehen:

  • Dauer- und Wechselausstellungen zum Thema Ahrtalbahn.
  • Erhalt der Stellwerkstechnik mit Nutzung der Außenanlage für die Aufstellung der Signale.
  • Zugsimulationen der Ahrtalbahn mit Lokführerstand für selbständiges Fahren.
  • Fachvorträge zur Eisenbahn allgemein und der Ahrtalbahn im Besonderen.

Zunächst steht hierfür nur der alte Wartesaal zur Verfügung, da die beiden angrenzenden Räume noch von der Bahn selber belegt sind, aller Voraussicht nach aber in Kürze geräumt werden.

Aktive und Gäste: Projektleiter Edgar Steinborn (Mitte), rechts (mit Dienstmütze) Vereinsvorsitzender Ulrich Stumm. Dieter Zimmermann, Vorstandsvorsitzender der KSK Ahrweiler (5. v.li.) war ebenso vertreten. Foto: A. Steinborn.

Neben interessierten Gästen des Weihnachtsmarktes konnte der Verein auch den Vorstandsvorsitzenden der Kreisparkasse Ahrweiler, Dieter Zimmermann, begrüßen (die KSK ist Eigentümerin des Bahnhofgebäudes). Auch der Sinziger Bürgermeister Andreas Geron ließ sich von Edgar Steinborn die Museumskonzeption erläutern und fand nur lobende Worte hierfür. Die Ahrtalbahnfreunde erfuhren ein allseits positives Feedback für das Vorhaben und konnten sogar einige Besucher als neue Mitglieder begrüßen.
Bei der Veranstaltung wurde deutlich, dass die Aktivitäten des Vereins Ahrtalbahnfreunde e. V. weit über die Region hinaus unterstützt werden. Aus Bayern waren Gäste eines Freundeskreises aus Augsburg präsent. Der Geschäftsführer der „Augsburger Localbahn“, Helmuth Schmitt, der auch Mitglied der Ahrtalbahnfreunde ist, reiste in Begleitung des Domkapitulars des Bistums Augsburg, Pfarrer Armin Zürn, an. Beide nahmen den Besuch auch zum Anlass, die Arbeiten zum Wiederaufbau der Ahrtalbahn vor Ort zu besichtigen. Pfarrer Zürn nahm aufgrund früherer verwandtschaftlicher Beziehungen die Gelegenheit war, in der Dernauer Pfarrkirche am Sonntag beim Gottesdienst zu konzelebrieren. Dabei wurde auch der Verstorbenen der Ahrtalbahnfreunde gedacht.
Konkret stehen in Kürze zunächst die Vorbereitung der Räumlichkeiten, die Gestaltung der Dauerausstellung und die Präsentation der Stellwerkstechnik an. Wer Interesse an einer Mitarbeit an diesem interessanten Museumsprojekt hat, kann sich gerne auf der Website des Vereins www.ahrtalbahnfreunde.de informieren. Neue Mitglieder sind herzlich willkommen. Detlef Griesbach / Ahrtalbahnfreunde e. V.

Im Rahmen der Elektrifizierung der Ahrtalbahn wurden alte Signalanlagen demontiert; die Ahrtalbahnfreunde waren vor Ort und durften sich – mit Genehmigung der DB – für das künftige Museum „bedienen“. Foto: Heinz Grates
Feinste Mechanik: Die Bedienanlagen im alten Stellwerk am Ahrweiler Bahnhof; auch diese Technik wird künftig in Bad Bodendorf zu sehen sein. Foto: Görgler
Das Bad Bodendorfer Bahnhofsgebäude kann mit einer vielseitigen Geschichte aufwarten, wie einer Informationstafel zu entnehmen ist. Foto: Anton Simons, AW-Wiki.

Bahnmuseum Jünkerath

Freundschaftsbesuch mit viel Information

Jünkerath/Lissendorf 26. Okt. 2024. In Vorbereitung für ihr geplantes Museum besuchten die Ahrtalbahnfreunde e. V. (ATBF) gemeinsam mit Teilnehmern aus Bonn das Eisenbahnmuseum in Jünkerath sowie das nahegelegene Stellwerksmuseum in Lissendorf. In Zusammenarbeit mit dem befreundeten Historischen Verein der Stadtwerke Bonn (HVSWB) nutzten sie zur Fahrt in die Eifel einen „Youngtimer“, den Mercedes-Niederflurstadbus 0405 N2 mit EZ 1998.

Zahlreiche Bahnliebhaber nahmen an der Besichtigungstour nach Jünkerath und Lissendorf teil. Für die Ahrtalbahnfreunde als künftige Museumsbetreiber an der Ahrtalbahn war der Austausch mit den Freunden in der Eifel besonders interessant.

Die Eifel zeigte sich bei der morgendlichen Fahrt über Landstraßen bis ins Kylltal im herbstlichen Sonnenlicht von der schönsten Seite. In Jünkerath wurden die Gruppe von Manfred Jehnen, Vorsitzender der Eisenbahnfreunde Jünkerath e.V., begrüßt. In einer Präsentation stellte er anschaulich die Geschichte und Ziele des Vereins dar: Das nahe des Bahnhofs gelegene Museum war – wie die Ahr auch – 2021 vom Starkregen mit nachfolgendem Jahrhunderthochwasser (der Kyll) betroffen und musste einige hundert Meter weiter neu aufgebaut werden, nunmehr sicher im 1. Stock eines Gebäudes in der Mühlenstraße. Die ATBF konnten sich davon überzeugen, das dies in hervorragender Art und Weise gelungen ist. Auf mehr als 100 m² beherbergt das Museum viele historische Exponate der zahlreichen Strecken in der Eifel, die in den letzten 80 Jahren weitgehend abgebaut wurden. Ausgestellt sind u. a. Signale, Uniformen, Fahrkartendrucker, Arbeitsgeräte für den Gleisbau, Lokschilder, Literatur und Modelle.

Wer erinnert sich noch? So sahen die Ticketschalter, inklusive hilfreicher Beratung, einst aus. Heute gibt es an vielen Haltepunkten und auch Bahnhöfen nur noch Automaten.

Besonderes Interesse fanden die zum Teil über 100 Jahre alten Pläne von Bahnhöfen und Strecken, die auch die umfangreiche Schieneninfrastruktur der Ahrtalbahn zeigen. Auf großen Monitoren werden zudem weitere Informationen über das Museum und die historische Eisenbahnwelt der Eifel gezeigt. Interessenten finden Informationen über dieses Museum im Internet unter www.eisenbahnmuseum-juenkerath.de.
Die Besichtigungstour führte anschließend über Birgel – wo das Mittagessen eingenommen wurde – nach Lissendorf. Dort haben rührige Bürgerinnen und Bürger im Förderverein Museumsstellwerk Lissendorf e.V. das denkmalgeschützte, aus dem Jahre 1912 stammende Stellwerk an der Nahtstelle der Strecken Köln-Trier und Dümpelfeld-Lissendorf übernommen. Der Verein möchte damit die Eisenbahngeschichte samt alter Technik erhalten und interessierten Besuchergruppen präsentieren. Vorsitzender Peter Schun empfing die Gäste aus Bonn und dem Ahrkreis und erläuterte die Geschichte des Vereins sowie die Stellwerkstechnik. Ähnliches haben auch die Ahrtalbahnfreunde vor, daher war gerade diese Anlage sehr von Interesse. Anschaulich erfährt man, mit welcher Technik schon vor mehr als 100 Jahren die Sicherheit des Zugverkehrs gewährleistet worden war. Auf diesen Grundlagen erfolgte die Weiterentwicklung der Stellwerke, die heute elektronisch arbeiten und digital gesteuert sind.

Die Zugsignale am Museumsstellwerk in Lissendorf sind noch funktionsfähig – in guter alter Technik mit manueller Bedienung.


„ Ziel erreicht!“, so das Resümee des Vorsitzenden der Ahrtalbahnfreunde, Ulrich Stumm. Die Erfahrungen beim Aufbau und der Organisation der zwei Museen brachten den Eisenbahnfreunden aus dem Ahrkreis wertvolle Hinweise und man vereinbarte weiterhin eine enge Zusammenarbeit vor allem bei Marketing und regionaler Werbung. Die Rückfahrt im historischen Bus der HVSWB bot dann die Möglichkeit, das Erlebte zu besprechen und weitere Pläne für das Ahrtalbahnmuseum zu schmieden. Fotos: ATBF, HVSWB, Text: Wolfgang Groß

Wichtiger Neubau gestartet: Apollinaris-Brücke Heppingen

Heppingen/Oktober 2024. Drei Jahre nach der verheerenden Flutkatastrophe an der Ahr (Juli 2021), die unter anderem die historische Brückenverbindung zwischen Heppingen ud Heimersheim zerstörte, wird nun eine neue Straßenverbindung zwischen den beiden östlichen Ortsteilen von Bad Neuenahr-Ahrweiler errichtet. Die ursprüngliche Bogenbrücke, ein geschütztes Denkmal (51 m lang, erbaut 1897), konnte dem enormen Druck des Hochwassers nicht standhalten und wurde bis auf das Widerlager mit Bogenansatz auf der Heppinger Seite völlig zerstört.
Der Neubau der Brücke – der erste Spatenstich erfolgte im September – soll nach einjähriger Bauzeit noch 2025 abgeschlossen sein. Mit einer Länge von 60 Metern – ohne zusätzliche Stützpfeiler – wird der Flutgefahr Rechnung getragen und der mögliche Durchfluß deutlich erhöht. Laut dem Stuttgarter Planungsbüro „schlaich bergermann partner“ (dass von der Aufbau- und Entwicklungsgesellschaft Bad Neuenahr-Ahrweiler beauftragt wurde) handelt es sich um ein modern anmutendes Bauwerk mit Einspannung am Widerlager. Das Tragwerk besteht aus wetterfestem Stahl, mit im Verbund liegender Betonfahrbahnplatte.

Die Vorbereitungen für das Widerlager des Brückenneubaus sind bereits im Gange. Schon im Laufe des Jahres 2025 soll die neue Ahrquerung in Betrieb genommen werden. Foto: Görgler
Die neue Ahrbrücke zwischen Heppingen und Heimersheim wird mit 61 m Länge spürbar größer sein als die bisherige mit vier Bögen. Somit wird der Ahr viel Raum auch bei Hochwasser gegeben. Foto: Planungsbüro „schlaich bergermann partner“

Die wiederhergestellte Verkehrsverbindung wird für beidseitigen Radfahrer- und Fußgängerverkehr konzipiert sein, zudem für Pkw mit Gegenverkehr. LKW sollen das Bauwerk ausdrücklich nicht befahren, ausgenommen sind Feuerwehr und Rettungsfahrzeuge. Kalkuliert sind Gesamtkosten von etwa 4,75 Millionen Euro, die aus dem Wiederaufbaufonds abgedeckt sind.

Der Bahnübergang an der Martinusstraße führt zur derzeit noch provisorischen Ahrquerung in Richtung Heppinger Straße / Heimersheim. Der Brückenneubau läuft bereits (Bereich gelber Pfeil). Foto: Görgler

Zeitnah folgen in der Kernstadt weitere Brückenneubauten, so an der Landgrafenstraße, im Bereich von Bachem sowie die wichtige Flußquerung gegenüber dem Ahrtor, wo der Verkehr aus der Innenstadt auch in Richtung Ramersbach erfolgt, zudem eine schnelle Verbindung von und zum künftigen Feuerwehrgerätehaus auf dem ehemaligen Abenteuerspielplatz an der Ramersbacher Straße ermöglicht.

Die alte Heppinger Brücke (Apollinaris-Brücke) wurde 1897 als Bogenbrücke mit vier Bögen aus roten Ziegelsteinen erbaut. Ihre Vorgänger aus Holz wurden bei früheren Hochwassern mehrfach zerstört. Dieses Schicksal traf das hübsche Bauwerk in der Flut 2021. Foto: Toni Simons /AW-Wiki

Zurück nach Heppingen: Zu erwähnen ist, dass der vorhandene Restbogen der alten Apollinaris-Brücke als Mahnmal für die Opfer der schlimmen Flutkatstrophe erhalten bleiben soll.

Auf diesem Foto (Anfang Oktober 2024) ist die provisorische Brücke (links) sowie das vorbereitete Baugelände mit dem abestützten Rest des ersten Bogens der alten Brücke zu sehen. Foto: Görgler