Das Naturschutzgebiet Langfigtal bei Altenahr

Lebensraum seltener und in ihrem Bestand bedrohter Tiere und Pflanzen

Text und Fotos:  Willi Tempel, Dernau

Mai 2020. Das Langfigtal bei Altenahr ist ein schönes, naturbelassenes Tal der Ahr ohne jeglichen Autoverkehr und nur für Wanderer zugänglich. Straße und Bahn kürzen den Weg vom unteren Ahrtal bei Mayschoß bis Altenahr durch Tunnel ab. Der Bericht gibt einen Überblick und Eindruck über diesen Bereich und lädt zum Kennenlernen ein.

Wanderbrücke über die Ahr ist wieder begehbar, aber nicht barrierefrei

Bei dem schlimmen Ahrhochwasser im Juni 2016 wurde auch die Fußgängerbrücke im Naturschutzgebiet (NSG) „Langfigtal“ von Fluten und Treibholz weggerissen. Seitdem gab es Planungen, den Übergang des Wanderweges über die Ahr wieder herzustellen. Dies gestaltete sich – vor allem wegen der schwierigen topografischen Lage dieses wertvollen NSG`s – als schwierig. Nach langen Planungen, unter besonderer Berücksichtigung der Belange des Naturschutzes in dieser Ahrschleife – wurden die Arbeiten im Frühjahr 2020 schließlich abgeschlossen. Die Brücke ist seit Mitte April offiziell freigegeben und benutzbar.

Die Brückenteile und Baumaterialien wurden, wegen der fehlenden Zufahrt, per Hubschrauber eingeflogen und vor Ort montiert bzw. verarbeitet. Insgesamt waren dies vier Metall-Brückenteile (Unterkonstruktion mit Geländer). Abgeschlossen wurden die Arbeiten mit dem Einbau des Brückenbelages durch die Österreichische Spezialfirma. Nach der Verschraubung überspannt jetzt ein einziger Aufleger von insgesamt 23,5 Metern die Ahr. Der zweite (rund 12 Meter) dient, mit einem beweglichen Dehnungsblech, als Brückenrampe. Die Breite beträgt statt bisher 1,25 jetzt 1,50 Meter. Insgesamt tragen jetzt nur noch drei, statt der bislang fünf Widerlager, die Brücke. Der Mittelpfeiler entfällt völlig. Außerdem liegt sie höher als ihre Vorgängerin. Damit wird auch der Durchfluss vergrößert. Dies hat gerade bei Hochwässern, und damit verbunden anfallendem Treibgut, eine besondere Bedeutung. Der Aufleger an linken Ahrufer steht auf einem rund 1,20 Meter hohen Gründungsfundamt. Da die Brücke jetzt insgesamt höher konzipiert ist, führt am gegenüberliegenden, rechten Ahrufer eine kleine Treppe links weiter zum Wanderpfad in Fließrichtung der Ahr. Dieser Bereich ist nicht barrierefrei.

Wildromantischer Talcharakter

Das Langfigtal in Altenahr wurde am 01. November 1983, durch die damalige Bezirksregierung Koblenz, endgültig als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Wenige Jahre zuvor hatte es Pläne gegeben, die Ahr hier für touristische Zwecke anzustauen, unter anderem für den Bötchen Betrieb. Charakteristisch für dieses Naturschutzgebiet sind neben dessen Tier- und Pflanzenreichtum der wildromantische Talcharakter sowie der unberührte Flusslauf der Ahr. Der Fußweg durch das Langfigtal erfreut sich touristisch, aber auch bei Einheimischen großer Beliebtheit.  Für Naturliebhaber lohnt sich eine Wanderung durch das wildromantische Naturschutzgebiet (NSG) „Langfigtal“ immer wieder. Diese Ahrschleife ist  gleichzeitig die größte Mäanderschleife des Flusses.

Durch seine Dynamik und Schönheit bietet dieses Gebiet ständig wechselnde, interessante Impressionen. Schutzzweck der „Ahrschleife bei Altenahr“ ist die Erhaltung der Flusslandschaft mit ihren Felsbildungen aus wissenschaftlichen und naturgeschichtlichen Gründen: Als Lebensraum seltener und in ihrem Bestand bedrohter Arten wie Vögel und wildwachsender Pflanzen, sowie wegen ihrer besonderen landschaftlichen Schönheit und Eigenart. Das Gebiet hat eine Gesamtfläche von 205 Hektar. Es umfasst nicht nur die Tal- und Auenbereiche, sondern auch die angrenzenden Felsariale. Rund 470 Schmetterlingsarten wurden dort kartiert, darunter etliche Arten der „Roten Liste“ vom Aussterben bedrohter Tiere. Ebenso etwa 80 Vogelarten und sogar über 1.000 verschiedene Käferarten. Auch das Leben in der Ahr ist vielfältig. Damit dieser Zustand erhalten oder verbessert werden kann, sind im Langfigtal Pflegemaßnahmen erforderlich. So werden dort die alten Weinbergsbrachen mit ihren Trockenmauern regelmäßig freigestellt. Diese Bereiche haben eine besondere Bedeutung für wärmeliebende Tiere und Pflanzen. Ebenso werden die Wiesen- und Auenflächen freigehalten. Der Wanderweg verläuft dort rund drei Kilometer dem Flusslauf der Ahr folgend.

Passage des „AhrSteig“

Zu dieser interessante Passage gehört auch zum „AhrSteig“. Der Einstieg ins Naturschutzgebiet „Langfigtal“ beginnt oder endet unmittelbar vor bzw. hinter dem Straßentunnel am Fuß der „Burg Are.“ Geht man in Fließrichtung, bleibt man auf der linken Seite der Ahr. Nach rund einer Viertelstunde passiert man die rechts des Flusses gelegene „Naturschutz-Jugendherberge.“ Nach einer knappen Stunde kommt man dann direkt an der Kläranlage Altenahr vorbei zurück. Direkt gegenüber, auf der linken Ahrseite, befindet sich das Altenahrer Feuerwehrhaus. Man kann aber an der Kläranlage auch weiter dem rechts weiter führenden Ahruferweg in Richtung Mayschoß folgen. Diese Passage ist gleichfalls sehr interessant, und bietet ebenfalls viele schöne Blicke. Bevor der heutige Tunneldurchbruch überhaupt erfolgte, gelangten die Menschen entweder in der Altenahrer Ortsmitte über den „Rossberg“ oder über den Umweg durch das „Langfigtal“ mühsam ahr- oder umgekehrt aufwärts. Der Altenahrer Straßentunnel wurde 1834 als erstes Bauwerk dieser Art Preußens unter großer öffentlicher Anteilnahme eröffnet. 1867 erfolgten die Verbreitung des Tunnels sowie die Einfassung der Tunneleingänge, und 1969/1970 schließlich der Ausbau zum heutigen Zustand.

Ahrtalbahn

Schon relativ früh führte eine Bahnlinie von Remagen bis Ahrweiler, die Ahrtalbahn. Damals wurde die Bahn unter sozialen Gesichtspunkten geplant. Am 23. September 1879 erging eine Ministerialverfügung zum Bau der Strecke. Schon ein knappes Jahr später, am 17. September 1880, eröffnete die damalige “Rheinische Eisenbahn“ das erste Teilstück von Remagen nach Ahrweiler. Dies wurde am 01. Dezember 1886 bis Altenahr, und bereits am 15. Juli 1988 bis Adenau weiter geführt. Wegen des engen Flusslaufes waren Kunstwerke wie Einschnitte, Dämme, Brücken und Tunnel unvermeidlich. Aus strategischen Gründen wurde 1912 dann die Strecke von Dümpelfeld über Jünkerath nach Gerolstein gebaut. Hierfür entstanden möglichst große Radien, bei gleichzeitig möglichst geringer Steigung. Die vorhandene Strecke wurde in diesem Zusammenhang – unter diesen militärischen Gesichtspunkten – umgebaut und verlegt. Trotz allem blieb das gesamte Projekt, trotz der schwierigen Topografie, immer in Harmonie mit Natur und Landschaft.  Ab Ahrbrück ist diese Strecke mittlerweile vor Jahren leider stillgelegt worden. Auch im Bereich zwischen Mayschoß und Altenahr entstanden viele Kunstbauwerke. Von Mayschoß kommend führt die Strecke zunächst durch drei Tunnel und auf der rechten Flußseite ahraufwärts. Unterhalb liegt der neue Fahrradweg. Um nicht die längere Strecke durch das Lanfigtal bauen zu müssen, wurde zur Abkürzung eine Bogenbrücke aus Stein über die Ahr und unmittelbar danach zwei Tunnelröhren gebaut.

1886 erbaut: Die beiden Bogen-Bahnbrücken am Fuß der Burg Are

Von den beiden hohen Altenahrer Bogenbrücken über die Ahr am Fuß der Burg Are benutzt die Ahrtalbahn heute die neuere, die 1938 erbaut wurde, und die alte von 1886 ersetzte. Vor dort führt die Strecke weiter durch den Bahntunnel am Fuße der Burg Are – ebenfalls aus dem Jahr 1886. Durch den anderen Tunnel und über das frühere zweite Gleis verläuft mittlerweile der Ahr-Radweg. (Quelle Bahnthemen: Klaus Kemp: „Die Ahrtalbahnen“, erschienen 1983, sowie Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler 2014. Der Buchautor lebt mittlerweile in Peru).